Formel 1 : Gefährliches Entertainment

Formel 1 in New York und Las Vegas - willkommen in der Welt der Unvernunft! Frank Bachner ist gegen neue Formel-1-Rennen in Städten.

Frank Bachner

Das gäbe spektakuläre Szenen für die Fernsehkameras: Formel-1-Boliden jagen den Sunsest Strip in Las Vegas mit 300 Stundenkilometern entlang. Oder sie dröhnen auf dem Broadway, mitten in New York. Und hautnah dabei, mit fasziniertem Blick und Stöpseln in den Ohren: der Fan am Streckenrand. Willkommen in der Welt der neuen Formel 1, der Welt der Stadtrennen, der Welt, wie sie sich Bernie Ecclestone, der Formel-1-Boss mit den Dollarzeichen in den Augen, wünscht! Willkommen in der Welt der Unvernunft!

Vier Kurse wurden in den vergangenen acht Jahren aufgenommen, alle weitab von Zentren, alle mit Auslaufzonen, auf denen ein Airbus landen könnte. Das soll mehr Sicherheit bringen. Der Stadtkurs in Monaco galt als Anachronismus. Aber Ecclestone sieht das Projekt Formel 1 strategischer. Die Zuschauerzahlen gehen zurück, die TV-Quoten sinken. Ecclestone könnte die extrem teuren Ticket- und Lizenzpreise senken. Aber lieber sorgt er für mehr Kitzel. Formel 1 in New York und Las Vegas, das ist für ihn durchaus eine Option. Schließlich wird 2008 am Hafen von Valencia gefahren und 2009 zusätzlich in Abu Dhabi, ebenfalls am Hafen. In Singapur soll das Spektakel sogar von Flutlicht beleuchtet werden. Für Fans kann das dramatisch enden. Hebt ein Bolide ab, wie in Montreal, jagt er durch jeden Fangzaun. Den Fahrer schützt das Monocoque, den Fan nur seine Baseballkappe. Toyota-Pilot Ralf Schumacher bringt’s auf den Punkt: „In der Stadt ist es kein Motorsport. Dort ist es Entertainment.“ Das Problem ist nur: Die Unterhaltung ist lebensgefährlich.

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