Sport : Formel-1-GP in Monte Carlo: Vor 63 Jahren: Manfred von Brauchitsch erinnert sich

Manfred von Brauchitsch[Monaco-Sieger 1937 in "Oh]

Manche verschleudern das am Roulettetisch "schwer erarbeitete Geld" mit rassigen Damen. Sie lustwandeln genießerisch wie die Fürsten mit lässiger Eleganz über dicke Teppiche. Sie genieren sich aber nicht, bei einer Pechsträhne im Kasino alle Leute anzupumpen. Niemand würde es für möglich halten, dass kein Sechser aus ihren Taschen rollt, wenn man sie auf den Kopf stellt.

Durch den infernalischen Krach unserer hochtourigen Motore wurden die "Nachteulen" aus den Betten gescheucht und betrachteten mit lässiger Miene von ihren Balkons herab die "Ritter am Steuer". Aber wir konnten uns nicht um die "Königinnen der Nacht" und ihre Kavaliere kümmern. Diese gefährliche Bahn erforderte volle Aufmerksamkeit.

Hinter jeder Kurve lauerte der Tod, aber jeder wollte siegen. Hunderttausend Franc waren zu gewinnen und dazu die Ehre, der Schnellste im Hexenkessel gewesen zu sein.

Achtzigtausend Menschen saßen und standen an den Felsabhängen, auf den Dächern der Häuser, auf den Balkons und den Terrassen. Im Hafen drängte man sich auf den weißen Luxusjachten. Das Spielkasino hatte die Fahne aufgezogen, und sogar das Roulette des Kasinos stand still, so lange unser Roulette sich drehte.

Brüllende Ungeheuer stürzten in einer Wolke von Dreck und Öldunst aneinander vorbei auf die Strecke. Alle Fahrer versuchten sich aus dem Knäuel frei zu machen. Es begann der Kampf jeder gegen jeden und gleichzeitig gegen die eigene körperliche Schwäche, gegen die Tücken dieses höllischen Kurses und gegen den ausbrechenden Wagen.

Sogar die Millionäre schwitzen auf ihren Balkons der Luxusappartments. Sie kühlen sich mit Eisgetränken, Flips, Champagner und werden durch das prickelnde Gefühl der Todesgefahr, in der die Männer am Steuer schweben, immer wieder von den Stühlen gerissen.

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