Sport : Formel 1: Halbgöttin in Rot

Karin Sturm

Besser hätte es für Michael Schumacher gar nicht laufen können: Gleich beim ersten Formel-1-Einsatz für seinen neuen Ferrari gab es einen Sieg. Doch eines wollte der Weltmeister nach seinem glanzvollen Auftritt beim Großen Preis von Brasilien in Interlagos nicht. Nämlich in den Chor all jener einfallen, die nach dem gelungenen ersten Auftritt des Autos nun Schreckliches für die Konkurrenz befürchten.

Zum Thema Das Spiel: Formel1-Champion gesucht Stattdessen blieb Schumacher bei seiner bewährten Mischung aus Realismus, Logik und Understatement, die annehmen ließ, dass der F 2002 schon in Interlagos sein volles Potenzial gezeigt hat. "Wir werden jetzt sicher nicht zum nächsten Rennen kommen und noch mal mächtig zulegen können", meinte der viermalige Weltmeister. "Dazu hatten wir das Auto schon viel zu lang getestet. Jetzt sind wir in der Situation, dass wir von Strecke zu Strecke sehen müssen, wer von den Reifen her einen Vorteil hat."

Die Reifen waren auch in Brasilien wieder das zentrale Thema aller Diskussionen. Alle hatten erwartet, dass Ferrari zwei Boxenstopps würde einlegen müssen, weil ihre Bridgestone-Gummis sich angeblich schneller abnutzen würden. Bei Rubens Barrichello im alten Auto, das ihn in der 16. Runde im Stich ließ, war genau das auch geplant. Zur Überraschung der Konkurrenz wechselte Schumacher jedoch nur einmal die Reifen. Als die anderen das merkten, war es zu spät, um noch strategisch reagieren zu können. Eines zeichnet sich ab: Weil Bridgestone mit Ferrari nur noch ein Spitzenteam beliefert, konzentriert sich die ganze Reifenentwicklung auf die Italiener. Die anderen Kunden der Japaner jammern, sie kämen mit den Reifen nicht zurecht - Schumacher konnte in Brasilien mit den Michelin-bereiften Autos auch bei großer Hitze locker mithalten. Bei diesen Bedingungen arbeiten die Michelin normalerweise besonders gut.

Gemischte Gefühle gab es bei Williams-BMW. Ein zweiter und ein fünfter Platz ist an sich kein schlechtes Resultat. Doch wenn man am Start auf den Plätzen eins und drei steht, ist es eben doch eine kleine Enttäuschung. "Dass Michael Schumacher tatsächlich auf einer Ein-Stopp-Strategie war, hat uns auf dem falschen Fuß erwischt", gab BMW-Motorsport-Direktor Mario Theissen zu. "Wenn wir es gewusst hätten, hätten wir sicher eine etwas andere Taktik gewählt." Die hätte aber nur noch Ralf Schumacher genutzt. Juan Pablo Montoya hatte sich mit einer Attacke auf Michael Schumacher gleich am Anfang um alle Chancen gebracht. Da mochte der Kolumbianer noch so auf die Fahrweise seines Kontrahenten schimpfen und sein Unverständnis über Regelauslegungen herauslassen: Selbst Theissen sprach von einem Fehler Montoyas.

So lagen sich die Hoffnungen von Williams schon früh bei Ralf Schumacher. Und wenn es auch nicht ganz zum Sieg reichte, lieferte er sich doch bis zum Schluss ein spannendes Duell mit seinem Bruder. "Ich will ja nicht, dass euch langweilig wird", meinte er hinterher. Eine Überholchance bot sich ihm dabei zwar nicht, weil die Autos nahezu gleich stark waren. Von falschem Respekt vor dem neuen Ferrari war bei Ralf aber nichts zu merken. "Eine ganze Göttin war das noch nicht", meinte er im Hinblick auf den Kosenamen des Autos in Italien.

Mit all dem wenig zu tun hatte McLaren-Mercedes. 59 Sekunden Rückstand für den Drittplatzierten David Coulthard auf den Sieger Schumacher und ein technisch bedingter Ausfall (diesmal durch einen Aufhängungsdefekt bei Kimi Räikkönen) sorgten für eine mäßige Bilanz. Sie reichte jedoch nicht, um den verhaltenen Optimismus bei den Silberpfeilen verschwinden zu lassen. "Wir haben sicher einen Schritt in die richtige Richtung gemacht", meinte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. "Wir waren im Qualifying deutlich näher dran." Den großen Rückstand im Rennen begründete er mit der Tatsache, dass Coulthard und Räikkönen lange von den beiden Renaults aufgehalten wurden. "In der Endphase des Rennens, als Coulthard freie Fahrt hatte, fuhr er zeitweise fast die gleichen Rundenzeiten wie die Schumacher-Brüder an der Spitze", sagte Haug. "Und die haben es ja auch nicht gerade langsam angehen lassen."

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