Formel 1 : Hamilton freigesprochen

Eine Kommission der FIA hat den McLaren-Piloten von dem Verdacht freigesprochen, ein unerlaubtes Brems-Manöver ausgeführt zu haben. Damit behält der Brite seinen Vorsprung von zwölf Punkten in der Gesamtwertung.

SchanghaiFreie Fahrt für Lewis Hamilton: Nach dem eindeutigen Freispruch in der Brems-Affäre steht dem Angriff des britischen Formel-1-Piloten auf den WM-Thron nichts mehr im Wege. Zwei Tage vor dem Großen Preis in Shanghai entschied die dreiköpfige Kommission des Internationalen Automobilverbandes FIA, den McLaren-Mercedes-Mann nach seinem allerdings umstrittenen Fahr-Manöver beim chaotischen Regen-Rennen in Japan am vergangenen Sonntag nicht zu belangen. "Ich bin sehr glücklich und überaus erleichtert. Das war ein harter Tag, aber jetzt kann ich gut schlafen", sagte Hamilton. Bereits vor seiner einstündigen Anhörung hatte er seine Unschuld beteuert: "Ich haben niemanden in Gefahr gebracht."

Doch nicht nur für den Silberpfeil-Piloten endete der Tag, an dem sich sogar der chinesische Fernsehsender CCTV 5 in seinen 12-Uhr-Nachrichten dem Thema annahm, freudig. Auch Sebastian Vettel war mehr als zufrieden. Die Strafe für seinen Auffahrunfall mit dem australischen Red-Bull-Piloten Mark Webber unmittelbar nach Hamiltons Bremsmanöver in einer Safety-Car-Phase wurde auf eine Rüge reduziert.

Dem Wetter wurde Tribut gezollt

Angesichts der außergewöhnlichen Witterung sei eine Strafe, die normal bei einem solchen Vorfall ausgesprochen werde, "nicht angemessen", so die Begründung des dreiköpfigen Gremiums, darunter auch der Präsident des Deutschen Motorsport-Bundes, Hermann Tomczyk. Toro-Rosso-Fahrer Vettel aus Heppenheim wird nun also doch nicht in der Startaufstellung für das vorletzte Rennen an diesem Sonntag (8.00 Uhr/RTL und Premiere) automatisch um zehn Plätze zurückversetzt.

Ähnliches hätte wohl auch Hamilton gedroht, wenn das Gremium einen Verstoß gegen die Verkehrsregeln bei der Safety-Car-Phase während des Grand Prix von Japan festgestellt hätte. Doch auch nach Auswertung sowohl der Original-Aufnahmen als auch des im Internet bei "youTube" aufgetauchten Fan-Videos konnte keinerlei Regelbruch festgestellt werden.

Damit behält Hamilton seine 107 WM-Punkte und kann mit einem Sieg in Shanghai an diesem Sonntag seinen packende Premierensaison mit dem vorzeitigen Titelgewinn krönen: Mit 22 Jahren und 9 Monaten wäre er der jüngste Champion aller Zeiten. "Jetzt bin ich entspannt und kann das Wochenende genießen", betonte Hamilton. Er hat zwölf Punkte Vorsprung auf Titelverteidiger Fernando Alonso und 17 auf Ferrari-Fahrer Kimi Räikkönen aus Finnland.

Kritik von den anderen Fahrern

Dabei hatte Hamilton vor der Verhandlung noch Schlimmes befürchtet, zumal einige Fahrer ihn hart kritisiert hatten. Darunter vor allem Mark Webber, der dem Engländer eine Mitschuld an seinem Unfall mit Vettel gegeben hatte. Auch BMW-Sauber-Pilot Nick Heidfeld hielt eine Strafe für Vettel für angemessen. "Er hat einen Fehler gemacht."

Der rasende Neuling Hamilton, der hinter den nur unzureichend abgedunkelten Scheiben des Verhandlungsraums auch unter Beobachtung von vielen Journalisten, Fotografen und Fernseh-Teams stand, sah dies anders. "Ich muss den Abstand zum Safety Car wahren und die Fahrer hinter mir zu meinem Wagen", sagte Hamilton. Es sei nicht sein Job, sich um Piloten hinter ihm zu kümmern. Zudem habe er das erste Mal bei einem Regenrennen die Führung inne gehabt und seine Sache gut gemacht, so Hamilton, wenn auch vielleicht nicht am besten.

Dass das letztlich unter dem Titel "Viel Lärm um Nichts" abzuhakende Kapitel auch an dem Briten nicht spurlos vorbeiging, wurde auch beim Training klar. In beiden Sessionen belegte er den vierten Rang. Schnellster war jeweils Räikkönen vor Alonso und Massa aus Brasilien auf dem 5,451 Kilometer langen Kurs.

Für Alonso ist die Titelverteidigung durch den Freispruch seines Stallrivalen weiter ein Rechenspiel geblieben. Am Sonntag könnten seine Felle endgültig schon davonschwimmen. Die Niederschlags-Wahrscheinlichkeit liegt bei 70 bis 90 Prozent. Wie zuletzt in Japan. Der Sieger hieß dort Hamilton. (mit dpa)

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