Formel 1 : ''Hamilton hat einen Scheißjob gemacht''

Formel-1-Spitzenreiter Lewis Hamilton droht vor der Fahrt zum scheinbar sicheren WM-Triumph eine Strafe. Nach seinem umstrittenen Bremsmanöver beim Rennen in Japan gehen auch Kollegen hart mit ihm ins Gericht.

Jens Marx[dpa]
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Lewis Hamilton. Umstrittenes Manöver im Regen-Chaos. -Foto: AFP

SchanghaiNachdem drei Tage vor dem Großen Preis von China ein Beweis-Video mit Hamiltons Bremsmanöver beim Japan-Grand-Prix-Sieg auftauchte, zitierte der Automobil-Weltverbandes Fia den Briten heute in Schanghai vor die Renn-Kommissare. Die Aufzeichnung mit Hamiltons Fahrverhalten beim Regen-Rennen am vergangenen Sonntag in Fuji während der zweiten Safety-Car-Phase hatte die Fia auf den Plan gerufen.

Auch die Fahrer-Kollegen kritisieren Hamilton hart. "Ich denke, er hat einen Scheißjob hinter dem Safety Car gemacht", meinte Mark Webber. Dem australischen Red-Bull-Piloten war seiner Meinung nach durch Hamiltons Mitverschulden der Deutsche Sebastian Vettel im Toro Rosso ins Heck gekracht. "Ich habe mich gewundert, was mit ihm passiert ist, ich dachte schon er gibt auf", sagte Vettel über das Bremsmanöver. Der Heppenheimer wurde für seinen Auffahrunfall zur Rechenschaft gezogen und in der Startaufstellung für den China-Grand-Prix am Sonntag um zehn Plätze strafversetzt. Nun hofft Vettel auf Gnade.

Nachträgliche Strafe möglich

Eine Fia-Sprecherin betonte ausdrücklich, dass es sich im Fall Hamilton nicht um eine offizielle Ermittlung handele. Der WM-Spitzenreiter und sein McLaren-Mercedes-Teamchef Ron Dennis seien lediglich zu den Vorfällen befragt worden. Eine weitere Untersuchung an diesem Freitag ist möglich - Hamilton könnte nachträglich bestraft werden. Denkbar ist eine Zurückversetzung in der Startaufstellung, sollten die Kommissare tatsächlich ermitteln und ein Vergehen feststellen. Die Fia-Strafen sind jedoch unkalkulierbar.

Unterdessen kritisierte BMW-Sauber-Pilot Nick Heidfeld die Fia-Entscheidung, das Rennen in Japan überhaupt zu starten. Auf die Frage, ob der es für lebensgefährlich gehalten habe, antwortete der Mönchengladbacher mit: "Ja. Ich habe solche Verhältnisse noch nicht erlebt."

Hamilton kann am Sonntag Weltmeister werden

Vor Bekanntwerden der Befragung hatte Hamilton noch gesagt: "Warum sollte ich mich mit Dingen beschäftigen, die passieren könnten. Ich denke positiv." Sein Ziel sei es zu gewinnen. Gelingt es ihm, ist er am Sonntag mit 22 Jahren und neun Monaten jüngster Titelträger der Formel-1-Geschichte und der erste, dem dies in seinem Premierenjahr gelingt. Profiteur der Brems-Affäre könnte sein Rennstall-Rivale Fernando Alonso werden.

Der Spanier muss zwölf Punkte in den letzten zwei Rennen in Shanghai und am 21. Oktober im brasilianischen Sao Paolo aufholen. "Ich brauche ein Wunder, solange aber rechnerisch noch die Möglichkeit besteht, gebe ich nicht auf", sagte der Spanier, der am rechten Handgelenk ein Schweißband in Zielflaggen-Optik trug. So sei er bei seinem eigenen Rennen erster, scherzte er. Seine Zukunft bei McLaren-Mercedes ließ er weiter offen: "Es ist nicht an der Zeit, über nächstes Jahr zu reden."

Für Ralf Schumacher hingegen schon. Denn sein Abschied von Toyota in diesem Jahr hatte er schon vor seiner offiziellen Ankündigung beschlossen. Doch die Suche nach einem Arbeitgeber könnte zum Geduldspiel werden. "Soweit sind wir noch nicht. Es kann bis nach dem Saisonende dauern", so der 32-Jährige.

Ralf Schumacher will in der Formel 1 bleiben

Schumacher bekräftigte seine Absicht, auch 2008 in der Formel 1 zu fahren. Auch ein längerfristiges Engagement zieht er in Betracht.
Dabei sei er auch bereit, wieder etwas mit aufzubauen, sagte Schumacher und schloss damit die Möglichkeit nicht aus, zu einem kleineren Team zu wechseln. Möglich wären der neue und von McLaren-Mercedes voraussichtlich unterstützte Prodrive-Rennstall oder Spyker, das demnächst in indische Hände übergeht. Schumacher: "Ich habe mir kein Zeitfenster gesetzt."

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