Sport : Formel 1: Harte Kritik und weiche Erklärungen

Karin Sturm

Endlich. David Coulthard ist wieder daheim auf der Insel. "Wenn man am Nürburgring zwischen den Campern gestanden hat, dann weiß man erst zu schätzen, wie gut das hier in Silverstone funktioniert", sagt der Schotte. Damit, "dass die Deutschen regelrechte Wettbewerbe abhalten, wer mit Böllern und Bierdosen am meisten Lärm veranstalten kann", mag er sich nicht anfreunden. Das wollte Coulthard, der bei den europäischen Grand Prix stets im eigenen Motorhome schläft, schon immer mal loswerden. "Sorry, Germans."

Zum Thema Online Spezial: Formel 1 Die Briten lieben es eher historisch, aber auch patriotisch. Deshalb bekommt Coulthard vor seinem Heim-Grand-Prix immer wieder zu hören, was er tun müsse. Die Formel-1-Weltmeisterschaft soll er offen halten, um damit für einen gewissen Ausgleich für britische Rugby- und Cricket-Pleiten in der letzten Zeit zu sorgen. Und dann soll er den Rekord von Jim Clark einstellen, der als erster Brite dreimal hintereinander beim Heimrennen gewinnen konnte. Beides scheint derart wichtig für Großbritannien zu sein, dass die Boulevardpresse schon an den Patriotismus ihrer Landsleute appelliert: "Kommt alle nach Silverstone, um David zu unterstützen!" Das gestrige Freie Training war nach ihrem Geschmack. Häkkinen vor Coulthard - Schumacher Vierter, davon träumen sie für das Rennen am Sonntag.

Michael Schumacher verkennt seine Probleme mit den Briten nicht. "Es gibt nur ein Land, in dem ich immer wieder Probleme habe - und das Probleme mit mir hat", sagte der Ferrari-Star in einem Interview der "Times". Michael Schumacher begründete diesen Umstand mit der Historie: "Die Briten haben ja mit den Deutschen immer Probleme gehabt." Und dass er immer wieder gegen britische Fahrer gekämpft habe und noch kämpfe, habe die Sache nicht einfacher gemacht, "denn gerade dadurch haben die Briten nie ein richtiges Bild von mir bekommen".

Die sehen das anders. Spätestens seit der aus ihrer Sicht von Schumacher absichtlich provozierten Kollision von Adelaide 1994 mit ihrem Landsmann Damon Hill, nach der Schumacher den WM-Titel gewann. Bis heute sind die Briten davon überzeugt, damals das wahre Gesicht des Michael Schumacher gesehen zu haben. Das, des zwar sehr guten, aber eben auch absolut rücksichtslosen Fahrers. Michael Schumacher dagegen glaubt, dass seine Kämpfe damals mit Hill und jetzt mit Coulthard weniger mit Nationalitäten als mit Persönlichkeiten zu tun haben. "Wenn man als Deutscher mit jemandem wie Damon Hill nicht klarkommt, den die britischen Medien lieben, dann hat man automatisch das schlechtere Ende für sich." Außerdem liege das falsche Bild, das die Briten von ihm besitzen, wohl auch an seiner generellen Zurückhaltung den Medien gegenüber. "Es mag sein, dass mir das dann als Arroganz ausgelegt wird", sagt er.

Die neueste britische Attacke war trotzdem schnell da, noch bevor es am Freitag auf der Strecke zum erneuten Duell mit David Coulthard kam. Diesmal sorgte Ex-Ferrari-Teamkollege Eddie Irvine dafür. Der schätzte Schumacher zwar als den derzeit mit großem Abstand stärksten Fahrer ein und gab Coulthard deswegen keinerlei WM-Chancen mehr, fand aber trotzdem Kritikpunkte am Deutschen. Vor allem auf Schumachers harte Startmanöver - wie am Nürburgring gegen Ralf Schumacher - zielte er: "Das gerät allmählich außer Kontrolle." Schumacher, so glaubt Irvine, habe sich diese brutalen Startmanöver zur Routine gemacht, weil er immer damit durchkomme, "die meisten seiner Gegner stecken doch zurück. Wenn da schon mal einer gegengehalten und es sogar gekracht hätte, wäre längst Ruhe."

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