Formel 1 : Helmut Marko: „Toto Wolff werden wir nicht mal ignorieren“

Helmut Marko, Motorsportberater von Red Bull, spricht im Interview mit dem Tagesspiegel über den Zoff zwischen Red Bull und Mercedes und Vettels neuen Teamkollegen.

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Helmut Marko spricht mit Sebastian Vettel. Foto: dpa
Helmut Marko, 70, ist Motorsportberater von Red Bull. Als Pilot startet der Österreicher Anfang der 70er Jahre bei neun...Foto: dpa

Herr Marko, Mark Webber wird Ihr Team nach der Saison verlassen. Bringt die ungeklärte Fahrersituation weitere Unruhe?

Nein, es war ja zumindest dem Boss schon länger bekannt. Wir hatten ja angekündigt, dass wir uns im Sommer entscheiden würden.

War die Affäre in Malaysia, als Sebastian Vettel die Stallorder ungestraft missachtete, für Webber der letzte ausschlaggebenden Faktor?

Das weiß ich nicht, aber man muss bedenken, dass Mark 36 Jahre alt ist. Er tritt auf dem Höhepunkt seiner Leistung ab und findet ein tolles anderes Betätigungsfeld. Ich halte das für eine bewundernswerte Entscheidung, denn die meisten übersehen diesen Zeitpunkt und gehen erst dann, wenn sie keine richtigen Angebote mehr bekommen.

Begrüßen Sie die Entscheidung auch, weil nach den Vorfällen von Malaysia die Paarung Vettel/Webber für Sie kaum noch zu moderieren gewesen wäre?

Malaysia hat die Teamharmonie schon etwas gestört. Aber man muss es ja auch so sehen: Malaysia war vielleicht der Höhepunkt. Dass das Verhältnis zwischen den beiden Piloten nicht das beste war und ist, ist ja bekannt. Aber mit der Entscheidung von Mark, sich im nächsten Jahr mit Porsche in der Sportwagen-Welt zu bewegen, hat sich das ja sowieso erledigt.

Red Bull hat immer viel Wert auf Kontinuität im Team gelegt, jetzt bricht ein wichtiger Faktor weg. Ist das eine Schwächung?

Wir haben drei Mal die Konstrukteurs- WM gewonnen, das heißt, dass beide Fahrer entsprechende Leistungen bringen müssen. Mark war ein harter Gegner für Sebastian, der auf gewissen Strecken fast unschlagbar war und der ihn auch gefordert hat. Da einen adäquaten Ersatz zu finden, der auch teamintern entsprechend hart arbeitet, das ist jetzt unsere Aufgabe. Darum müssen wir schauen, dass wir da die richtige Person finden. Aber wir übereilen nichts, werden uns alle Faktoren und Komponenten genau anschauen und alle entscheidenden Parameter berücksichtigen.

Der Lotus-Pilot Kimi Räikkönen und die beiden Toro-Rosso-Piloten Ricciardo und Vergne stehen auf der Liste weit vorne. Wäre Räikkönen die Idealbesetzung?

Kimi ist sicher eine Bereicherung. Idealbesetzung, das ist schwer zu sagen, denn es gibt da ja eben mehrere Punkte zu berücksichtigen. Aber, wie gesagt, wir haben Zeit und wir studieren das in Ruhe.

Ist ein Punkt, dass Räikkönen kein Freund von PR-Arbeit ist? Wie weit könnte Red Bull ihm da entgegenkommen?

Gewisse Verpflichtungen gibt es nun einmal. Wir sind inzwischen wohl eines der am besten mit Sponsoren ausgestatteten Teams, und Sponsoren wollen eine Gegenleistung. Da muss das Verhältnis dann auch stimmen.

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