Formel 1 : Hinterm anderen Stern

Wieder fährt Mercedes dem Zweitteam hinterher. Auch vor dem dritten Saisonrennen am Sonntag in Malaysia warten Michael Schumacher und Nico Rosberg noch auf einen Podestplatz.

Karin Sturm

Kuala Lumpur - Nach dem Formel-1-Rennen in Australien wollte auch Norbert Haug ein bisschen feiern. „Gratulation an McLaren – auch das ist ein Mercedes-Sieg“, erklärte der Mercedes-Motorsportchef nach dem Triumph von Jenson Button. Das entbehrte nicht einer gewissen Ironie: Auch im vergangenen Jahr hatte Haug oft auf Buttons Siege mit dem Mercedes-Motor verweisen müssen, als das damalige Mercedes-Werksteam McLaren mal wieder von den Kundenautos von Brawn abgehängt worden war. Nun ist die Sache umgekehrt: Aus Brawn ist inzwischen Mercedes GP geworden, das offizielle Werksteam der Stuttgarter, und McLaren ist nur noch ein Kunde. Aber der holte in Australien mit Button den ersten Saisonsieg, während Michael Schumacher und Nico Rosberg in den echten Silberpfeilen hinterherfahren und vor dem dritten Saisonrennen in Malaysia am Sonntag noch auf einen Podestplatz warten.

Klebt der Stern also schon wieder auf dem falschen Auto? Nun: Dafür, dass McLaren in diesem Jahr Mercedes derzeit einen Schritt voraus zu sein scheint, gibt es einen Grund. Das Mercedes-Vorgängerteam Brawn war letztes Jahr bis zum Saisonende noch im Titelkampf beschäftigt, und auch wenn Teamchef Ross Brawn immer das Gegenteil beteuerte, litt darunter wohl die Entwicklungsarbeit für die neue Saison. Das ist in der Formel 1 nichts Ungewöhnliches. McLaren hatte 2009 genau die gleiche Erfahrung machen müssen und war sogar noch weiter als jetzt Mercedes von der Spitze entfernt.

Die bilden derzeit Red Bull und Ferrari – die Silbernen selbst sehen sich direkt dahinter, auf Augenhöhe mit McLaren. Auch wenn er gerade aus Italien ziemlich viel Spott für seinen zehnten Platz einstecken musste, zog Schumacher jedenfalls „ziemlich viele gute Aspekte“ aus dem Rennen in Melbourne. Mercedes sei „nicht zu weit weg“. Und: „Ich bin zuversichtlich, dass da noch einiges kommen wird.“ McLaren war 2009 schon zur Saisonmitte wieder siegfähig, und auch diesmal verspricht Haug: „Wir haben uns bis jetzt gut in Szene gesetzt und wir werden uns weiter steigern. Die Basis stimmt – und abgerechnet wird zum Schluss.“ Karin Sturm

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