Sport : Formel 1: Hölle ohne Feuer

Hartmut Moheit

25 Jahre danach kann Niki Lauda längst wieder lachen. Sein Unfall auf dem Nürburgring im Jahr 1976 hätte ihn fast das Leben gekostet, und er hat lebenslange Spuren im Gesicht hinterlassen. Heute ist das für den 52 Jahre alten Österreicher kein Thema mehr. Nur wenn er darauf noch angesprochen wird, was meist in der Eifel geschieht, erzählt er von damals, von dem spektakulären Überschlag, von dem brennenden Wrack, aus dem ihn sein italienischer Kollege Arturo Merzario mehr tot als lebendig zog. Die Bilder von Laudas Unfall gingen um die Welt.

Heute ist Niki Lauda Renndirektor bei Jaguar, und er erzählt mit unüberhörbarem Spott in der Stimme, wie er die lebensgefährlichen Verbrennungen von 1976 verarbeitet hat. "Jedes Jahr war zu dieser Zeit doch mindestens ein Fahrer umgekommen, wenn nicht sogar zwei", sagt Lauda, "so gesehen bin ich mit meinem Barbecue-Kopf ja noch ziemlich gut unterwegs."

Niki Lauda hatte die "Grüne Hölle" Nürburgring erlebt wie kein anderer Fahrer zuvor. Ein Jahr später erfolgte nicht zufällig der Entzug der Formel-1-Lizenz für den 23 km langen Kurs, der seit 1927 300 Menschen das Leben gekostet hatte. Es starben Grand-Prix-Piloten, Streckenposten, Zuschauer und bis heute auch Amateurfahrer, die für Eintrittsgeld ihre Vollgasrunden drehen durften. Jeder Tod war eine Tragödie.

Eine Grüne Hölle aber ist der Nürburgring schon seit Jahren nicht mehr. Seitdem auf der alten Nordschleife nicht mehr gefahren wird, ist der heute genutzte Grand-Prix-Kurs eine Hölle ohne Feuer. "Das sind doch zwei Welten", sagt Niki Lauda. "Der alte Kurs war einzigartig. Es wäre dumm, beide zu vergleichen." Der dreimalige Formel-1-Weltmeister aus Wien rühmt sich heute noch damit "der einzige Mensch gewesen zu sein, der jemals die Nordschleife unter sieben Minuten umrunden konnte". Die neue Zeitrechnung am Nürburgring begann mit dem Umbau 1984. Lauda sagt: "Die Grand-Prix-Strecke ist ein Symbol der neuen, sichereren Zeit."

Bis zum Jahr 2004 läuft der Vertrag mit dem Formel-1-Boss Bernie Ecclestone. Die veranstaltende Nürburgring GmbH steht unter permanentem Druck. "Wir sind für jeden Konkurrenzkampf gewappnet", sagt Geschäftsführer Walter Kafitz. Der Große Preis von Deutschland wird zwar auf dem Hockenheimring ausgefahren, der Nürburgring ist mit dem Grand Prix von Europa seit 1984 (Sieger Alain Prost auf McLaren-Porsche) ebenso glücklich. Eine Runde ist heute 4,542 Kilometer lang, "und sie ist extrem sicher", meint Niki Lauda. Der neue Ring ist eben computerentschärft. Das war zu Höllenzeiten noch nicht möglich.

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