• Formel 1: "Im Auto sind wir alle andere Menschen" - David Coulthard über Hockenheim und Michael Schumacher

Sport : Formel 1: "Im Auto sind wir alle andere Menschen" - David Coulthard über Hockenheim und Michael Schumacher

Der David Coulthard des Jahres 2000 scheint der be

David Coulthard (30) aus Schottland, WM-Dritter 1995, ist in der laufenden Formel-1-Saison Gesamtzweiter hinter Michael Schumacher.

Der David Coulthard des Jahres 2000 scheint der beste David Coulthard zu sein, den es je gab. Warum?

Ich habe immer gesagt: Gebt mir ein gutes, vor allem zuverlässiges Auto, gebt mir die Chance, Rennen zu beenden, Punkte zu holen, Selbstvertrauen zu gewinnen.

Viele sehen in Ihren Erfolgen eine Verbindung zu Ihrem Flugzeugabsturz Anfang Mai.

Im Gegenteil: Bei dem Unfall habe ich mir die Rippen angeknackst, konnte vier Wochen lang nicht richtig trainieren. Ohne den Unfall wäre ich vielleicht noch besser.

Hat diese Erfahrung Sie verändert?

Wahrscheinlich schon, auch wenn es mir in vielen Punkten nicht so direkt bewusst ist. Insgesamt ist es wohl so, dass ich weniger Zeit verschwende und mich noch mehr auf meinen Job konzentriere und auf anderes Sachen, die mir wirklich wichtig sind. Wenn ich Angst hätte, würde ich das Rennfahren aufgeben. Denn aus finanziellen Gründen muss ich keine Rennen fahren.

Sondern?

Ich tue das, weil ich den Wettkampf liebe, weil ich gewinnen will. Aber es gibt andere Dinge im Umfeld, die ich nicht unbedingt tun will, die ich nicht tun muss - und die tue ich auch nicht mehr.

Die vielen Schlagzeilen und Berichte nach dem Absturz - haben die es Ihnen erschwert, den Unfall zu verarbeiten?

Einer der Vorteile, wenn man dabei war, es erlebt hat, ist, dass man die Fakten kennt. Was dann geschrieben wird, ist nicht mehr so wichtig. Ich habe auch nicht viel gelesen.

Auch abseits der Rennpiste treten Sie härter, entschlossener denn je auf. Das gab es zum Beispiel eine viel beachtete Auseinandersetzung mit Michael Schumacher. Ist das eine Folge gewachsenen Selbstbewusstseins?

Wenn man Selbstsicherheit besitzt, dann bezieht sich das wohl auf alles, was man sagt. Es heißt ja nicht, dass die anderen einem zustimmen müssen. Wir haben alle verschiedene Meinungen. Aber wenn man seine eigene nicht vertritt, dann kann man auch nicht herausfinden, was die anderen denken.

Privat hatten Sie zu Schumacher immer ein gutes Verhältnis. Hat das jetzt gelitten?

Was auf der Strecke und was privat passiert, das sind zwei verschiedene Dinge. Michael fährt eben nun mal ganz besonders hart - aber deswegen ist er auch so erfolgreich.

Ist für Sie seine Fahrweise bei seinem gleichzeitigen Einsatz für Sicherheit nachvollziehbar?

Ich kann die Frage gut verstehen. Aber ich kann die Welt nicht durch seine Brille sehen. Was ich weiß, ist, dass wir im Auto alle zu anderen Menschen werden.

Wie meinen Sie das?

Wissen Sie, es ist eine sehr große Herausforderung, einen Grand Prix zu fahren. Ich glaube, alle Spitzensportler verändern sich im Wettkampf. Man kann diese Intensität außerhalb nicht aufrecht erhalten.

Jetzt kommen Sie zum Großen Preis von Deutschland nach Hockenheim - haben Sie eine besondere Beziehung zu dieser Strecke?

Ja. Ich habe da noch nie gewonnen.

Das Publikum besteht hauptsächlich aus Schumacher-Fans...

Also, in erster Linie sind sie Motorsport-Fans, sehr leidenschaftliche, sie kommen am nächsten an das Publikum von Monza heran. Zum Glück gibt es im Motorsport keine Hooligans wie beim Fußball, es ist viel weniger Gewaltpotential da. Deswegen beunruhigt mich das überhaupt nicht, dass es in Hockenheim so viele Schumacher-Fans gibt. Ich freue mich auf das Rennen.

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