Sport : Formel 1: Im Rückspiegel: Wie der Zirkus nach Malaysia kam

Hans Schmalbach

Jeder Große Preis hat seine ganz eigene Geschichte. Hier wird sie erzählt.

17. Oktober 1999: Der Ferrari-Pilot Eddie Irvine gewinnt den ersten Grand Prix von Malaysia vor seinem Teamkollegen Michael Schumacher. Die Premiere auf dem 5,542 km langen Kurs in Sepang begeistert Teamchefs, Fahrer und Medienvertreter, nur die Veranstalter sind besorgt: Das Rennen findet vor nur halb gefüllten Tribünen statt. Die Malaysier können sich die Karten nicht leisten, für die sie einen halben Monatslohn opfern müssten. Aus Angst vor einem Desaster werden sogar Gratis-Tickets ausgegeben. Dennoch kommen nur 80 000 Zuschauer an die Strecke, Platz wäre für 130 000.

Nicht gerade der Erfolg, den man damals in den obersten Etagen des Petronas-Towers, des höchsten Gebäudes der Welt, erwartet hatte. Hier verhandelten 1996 der namensgebende Ölkonzern, die malaysische Regierung und Formel-1-Chef Bernie Ecclestone über Rahmenbedingungen eines Rennens in Malaysia. Vor allem das große Finanzpaket dürfte geholfen haben, Ecclestones Zustimmung zu erlangen. Mit dem Geld von Petronas (angeblich mehrere hundert Millionen Dollar) wurde nicht nur der Architekt Hermann Tilke bezahlt, der vor den Toren Kuala Lumpurs eine der schönsten Rennstrecken baute. Das Firmenlogo ziert seitdem auch die Autos des Sauber-Teams, dem Petronas dafür Ferrari-Motoren aus der Vorsaison einkauft, und die Werbeflächen fast aller Formel-1-Strecken. Der sportliche Erfolg lässt sich allerdings nicht erkaufen: Bisher hat in Malaysia immer Ferrari gewonnen.

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