Formel 1 in Hockenheim : Die Angst um die Zukunft fährt mit

Der Grand Prix auf dem Hockenheimring könnte in absehbarer Zeit das letzte Formel-1-Rennen in Deutschland sein.

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Ob die Formel-1-Teams nach dem diesjährigen Grand Prix noch mal in Hockenheim Station machen, ist fraglich.
Ob die Formel-1-Teams nach dem diesjährigen Grand Prix noch mal in Hockenheim Station machen, ist fraglich.Foto: dpa

Die Formel 1 ist zwar nach einem Jahr Pause zurück in Deutschland, aber das Zittern geht weiter: Ist der Grand Prix 2016 auf dem Hockenheimring der letzte in absehbarer Zeit in Deutschland? Viel wird von den tatsächlichen Zuschauerzahlen an diesem Wochenende abhängen. Bis jetzt sind die Zahlen nicht schlecht, aber auch nicht wirklich gut: Für Sonntag wurden 52 000 Tickets verkauft. Um alle Kosten zu decken, bräuchte Hockenheim 60.000 Besucher. Das wäre zwar von Top-Werten um die 100.000, die es zu Michael Schumachers Zeiten gab, noch weit entfernt, würde aber wohl reichen, um auch 2018 wieder ein Rennen zu veranstalten – für das es ja noch einen Vertrag gibt.

„Wir wollen keine Verluste und müssen kämpfen, dass es weitergeht“, sagt Georg Seiler, der Geschäftsführer des Hockenheimring. „Alle Verträge der Zukunft, das sage ich ganz bewusst, müssen sich rechnen. Deshalb hoffen wir auf ein erfolgreiches 2016.“ Das heißt: Macht man dieses Jahr wieder ein Minus wie 2014, ist 2018 mehr als fraglich. Seiler hofft auf ein paar positive Faktoren, die die Formel 1 in diesem Jahr zu bieten hat: „Der WM-Kampf ist spannend. Rosberg fährt im Mercedes um den Titel, Vettel hat sein erstes Heimspiel mit Ferrari.“

Hockenheim ist auf viele Zuschauer angewiesen

Allgemein leidet die Formel 1 unter dem Problem, dass es immer weniger gelingt, junge Fans zu begeistern. „Die Basis der Motorsportzuschauer wird älter“, bestätigt Seiler. Um den Nachwuchs zusammen mit den Eltern an die Strecke zu holen, versucht man in diesem Jahr massiv, die Preise gerade für Familien erschwinglicher zu machen.

Noch mehr Preissenkungen und Rabatte sind in Hockenheim angesichts der hohen Antrittsgebühren, die Bernie Ecclestone von den Rennstrecken fordert, aber nicht zu machen. Von Eintrittspreisen wie bei der Langstrecken-WM WEC, wo am letzten Wochenende am Nürburgring für 35 Euro – einschließlich Fahrerlagerzugang – knapp 60 000 Zuschauer kamen, können Formel-1-Veranstalter nur träumen. Selbst Silverstone, das mit dem britischen GP immer als Musterbeispiel gilt, musste das 2015 erfahren. Damals liefen dort gewaltige Rabattaktionen. Die Strecke stand danach vor der Pleite.

Im Gegensatz zu Ländern im arabischen Raum oder auch Singapur, Sotschi oder Baku, wo enorme Summen durch Regierungsgelder zugeschossen werden, ist der Hockenheimring allein auf die Zuschauer angewiesen: „Für uns gibt es so einen öffentlichen Topf eben nicht.“ Die Zahlen von Hockenheim werden sicher auch Einfluss auf die Verhandlungen der Nürburgring-Verantwortlichen mit Ecclestone haben. 2017 wäre der Eifel-Kurs ja eigentlich wieder an der Reihe, doch die Vertreter des russischen Milliardärs Viktor Charitonin lehnten ja bereits im Vorjahr wegen der wirtschaftlichen Bedingungen ab.

Im Rahmen des WEC-Rennens letztes Wochenende hieß es zwar aus Kreisen des neuen dortigen Geschäftsführers Mirco Markfort, man wolle die Formel 1 sehr gerne in die Eifel zurückholen und werde sich auf jeden Fall wieder mit Ecclestone an einen Tisch setzen. Ob dabei diesmal freilich mehr heraus kommt als 2015, steht in den Sternen.

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