Sport : FORMEL 1 IN HOCKENHEIM: Mercedes-Sportchef fordert Platz vor Deutschen

HARTMUT MOHEIT

Haug setzt Coulthard und Häkkinen unter Druck / Mittelpunkt: Schumacher-Brüder und FrentzenVON HARTMUT MOHEIT BERLIN.Michael Schumacher verschlug es für einen Augenblick die Sprache."Ich weiß nichts davon, daß ich Michael Jackson treffen soll", flüsterte er den Umstehenden zu.Doch plötzlich schien er Gefallen an "Michael meets Michael" zu finden: "Ich bin ein Fan von ihm.Dies wäre schon ein großer Augenblick für mich." Ob es dazu am Sonnabend vor dem Zeittraining zum Großen Preis von Deutschland in der strengbewachten Ferrari-Box auf dem Hockenheimring tatsächlich kommt - es wird auch über einen PR-Gag des US-Pop-Stars gemutmaßt -, wird die Massen am Rande des 6,823 km langen Kurses wohl nur Rande interessieren können.Sei denn, es käme zur angekündigten Runde beider Stars in einem Cabriolet ... Im Mittelpunkt wird die Jagd über 45 Runden am Sonntag (14 Uhr/live in RTL) stehen, wenn mit dem 20.Grand Prix in Hockenheim zugleich der zehnte von 17 WM-Läufen in der Formel 1 auf dem Programm steht.Die 129 000 Tickets für das PS-Spektakel sind seit einem Jahr ausgebucht, doch nach einigen Stornierungen waren in dieser Woche noch einmal 300 Karten zu haben.Der Boom um Michael und Ralf Schumacher sowie Heinz-Harald Frentzen, die drei Deutschen im Feld, um die sich nahezu alles drehen wird, ist kaum noch zu steigern: Für 1998 liegen schon 60 000 Anfragen vor. Die drei Deutschen werden mit unterschiedlichen Ambitionen auf die 307,035 km lange Distanz gehen, hinter denen natürlich jeweils der Wille zum Erfolg steht."Nach dem Ausfall in Silberstone mache ich mir ein paar Sorgen um die Technik meines Ferrari.Wir werden mit ziemlicher Sicherheit wieder den alten Motor einsetzen", meinte WM-Spitzenreiter Michael Schumacher (47 Punkte vor Villeneuve/Williams 43 und Alesi/Benetton 21)."Vor Villeneuve ankommen und viel Spaß haben", lautet seine Devise.Bruder Ralf (7 Punkte) im Jordan-Peugeot geht es ganz klar um einen Platz auf dem Siegerpodest: "Im vorigen Jahr war ich nur Zuschauer bei diesem Grand Prix, von dem eine tolle Atmosphäre ausgeht.Mein Traum wäre daher, mich beim Heimspiel in der Spitzengruppe zu plazieren." Und dann ist da noch Heinz-Harald Frentzen im Williams-Renault.Während sein Teamgefährte Villeneuve schon mal vorsorglich tiefstapelte ("Hockenheim liegt unseren Autos nicht besonders"), kann sich der bisherige Pechvogel der Saison (Sieg in Imola, davor und danach Ausfälle nach technischen und eigenen Fehlern) derartige Spielchen nicht mehr leisten."Die Talsohle habe ich erreicht", sagt er selbst, während aus seinem Team öffentlich der Erfolg von Nachfolger des vorjährigen Weltmeisters Damon Hill (Arrows-Yamaha) gefordert wird.Für Frentzen geht es längst um seine Zukunft in der Formel 1. Während das deutsche Trio in diesen Tagen die Schlagzeilen bestimmt, ist vom Rennstall mit deutscher Beteiligung (McLa ren-Mercedes) weniger zu hören.Der Aufwärtstrend des Teams ist 1997 unverkennbar, wenn dies auch durch vierten Rang mit 24 Punkten in der Konstrukteurswertung hinter Ferrari (65) Williams-Renault (62) sowie Benetton-Renault (35) nicht untermauert wird.David Coulthard (Sieger in Melbourne und in Hockenheim Rundenrekord-Halter in 1:46,211 Minuten) und Mika Häkkinen wurden von Mercedes-Sportchef Norbert Haug nunmehr unter Druck gesetzt, nachdem die sicher gelaubten Erfolge in Montreal (Coulthard) und in Silverstone (Häkkinen) durch Defekte verpaßt wurden: "Unsere Piloten haben die Vorgabe, vor den drei Deutschen ins Ziel zu kommen.Wenn sie im Kiesbett landen, ist das für die Zusammenarbeit nicht förderlich." Vielleicht hilft die Erinnerung: Den ersten Deutschland-Grand-Prix, der 1926 auf der Avus ausgetragen wurde, gewann mit Rudi Caracciola einer der ersten Mercedes-Stars ...

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