Formel 1 in Istanbul : BMW kommt langsam auf Speed

Das als Mitfavorit gestartete BMW-Team kämpft um Anschluss in der Formel 1. Die Mannschaft braucht gute Ergebnisse, um ihre Zukunft zu sichern - am besten schon an diesem Sonntag in Istanbul.

Karin Sturm[Istanbul]
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Erste Hilfe. In der Box von BMW-Sauber gibt es in diesen Tagen viel zu tun. Foto: dpa

Während Sebastian Vettel über die dritte Poleposition seiner Karriere jubelte, war die Freude bei seinem ehemaligen Team, für das Vettel einst Testfahrer war, ein bisschen gedämpfter. Dabei war BMW-Motorsportchef Mario Theissen gar nicht unzufrieden mit den Plätzen zehn und elf für Robert Kubica und Nick Heidfeld im Qualifying für den Großen Preis der Türkei am Sonntag (14 Uhr, live bei RTL). Schließlich hatte BMW zum ersten Mal das neue Aerodynamikpaket mit einem Doppeldiffusor eingesetzt. Auf das Energierückgewinnungssystem Kers verzichtete BMW hingegen noch. „Wir wollten uns auf eine Sache konzentrieren“, sagte Theissen.

Er war sich sicher, einen Fortschritt gemacht zu haben. „Natürlich hatten wir uns vorgenommen, mit beiden Autos in das dritte Qualifying zu gelangen. Mit Nick hat das nicht geklappt, am Ende haben ihm sieben Hundertstel gefehlt“, sagte Theissen. „Im zweiten Qualifying betrug der Rückstand auf die Spitze 0,4 Sekunden. Obwohl das Feld extrem zusammenliegt, zeigt das, dass die Aero-Maßnahmen anschlagen.“

Nick Heidfeld wusste nicht so recht, ob er auf die Frage nach seiner Zufriedenheit mit Ja oder Nein antworten sollte. „Das Wichtigste ist, dass es wieder einen Fortschritt gab“, sagte er. „ Aber noch haben wir nicht allzu viel Erfahrung mit dem neuen Doppeldiffusor.“

Bis jetzt war das Jahr 2009 für BMW-Sauber ja eher eine Saison zum Vergessen: Das Team war als Mitfavorit in die Saison gestartet und hatte die Hoffnung, wie es im eigenen Vier-Jahresplan vorgesehen war, um den Titel kämpfen zu können. Doch dann kam alles anders – schnell musste man erkennen, zumindest gegen die Autos mit Doppeldiffusor chancenlos zu sein. Außerdem muss sich BMW die Frage stellen, ob es die richtige Strategie war, nicht wie fast alle anderen Teams schon während der ersten vier Rennen einzelne neue Teile zu bringen. Dass BMW darauf verzichetete, bringt die Beteiligten nun ins Grübeln. Erst in Barcelona kam ein neues Komplettpaket – noch ohne den Doppeldiffusor. Vor zwei Wochen in Monaco gab es für das Team einen weiteren herben Rückschlag, als Nick Heidfeld und Robert Kubica das ganze Wochenende nie wirklich auf Speed kamen. Damals verstand keiner der Verantwortlichen wirklich, woran es lag, dass der BMW-Sauber seine Reifen einfach nicht auf die richtige Temperatur brachte.

Dennoch sind sowohl die Fahrer als auch Mario Theissen davon überzeugt, dass es ein Fehler wäre, die Saison jetzt schon ganz abzuschreiben. Und der Technikchef will erst recht nichts davon hören, sich bereits jetzt auf das kommende Jahr 2010 zu konzentrieren. „Derzeit denken wir darüber noch nicht nach, ein solches Szenario wird bei uns im Moment noch nicht besprochen“ sagt Willy Rampf. „Natürlich werden wir im kommenden Jahr ein anderes Auto haben, weil die Benzinmenge größer ist.“ Das Konzept bei BMW wird sich also leicht verändern.

Auf jeden Fall aber muss das Team in punkto Aerodynamik sein Wissen aus dieser Saison für die kommende nutzen. Doch soweit denkt Technikchef Rampf erstmal nicht – für ihn geht es vor allem darum, so schnell wie möglich Fortschritte zu machen.

Und es gibt noch einen anderen Grund, warum das BMW-Sauber-Team alles daran setzen sollte, sich in der nächsten Zeit so nahe wie möglich an die Spitze heranzuarbeiten. Gute Ergebnisse sind das beste Argument gegenüber den Vorständen großer Automobilhersteller, die sich in heutigen Krisenzeiten vielleicht doch einmal überlegen, ob die Investitionen in die Formel 1 wirklich noch Sinn machen.

Offiziell heißt es bei BMW, das Formel-1-Engagement stünde nicht zur Disposition, solange die Bedingungen im Umfeld – man denke an den Budgetgrenzenstreit – stimmten. Aber teamintern gibt es gerade auf unterer und mittlerer Ebene schon den ein oder anderen, der sich die Frage stellt, ob er wohl sicher davon ausgehen kann, dass sein bisheriger Arbeitgeber auch in Zukunft noch dabei sein wird.

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