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Formel 1 in Monaco : Nico Rosberg und sein Wirkungstreffer

Nico Rosberg hat zum zweiten Mal den Formel-1-Klassiker in Monte Carlo gewonnen. Er hat damit die Führung der Gesamtwertung zurückerobert und auch im Team-internen Machtkampf gegen Lewis Hamilton ist ihm damit ein Erfolg gelungen.

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Sieg beim Heimrennen: Nico Rosberg gewinnt zum zweiten Mal den Prestigeträchtigen Großen Preis in seiner Heimatstadt.
Sieg beim Heimrennen: Nico Rosberg gewinnt zum zweiten Mal den Prestigeträchtigen Großen Preis in seiner Heimatstadt.Foto: dpa

Es war, als wäre die Zeit stehen geblieben. Im Hintergrund mühte sich der Fürst ab, doch fröhliche Stimmung mochte nicht aufkommen in der Loge. Da standen sie, die Teamkollegen, nach dem Doppelsieg, kein Händeschütteln, kein Wort, kein Blick, nichts. Doch das waren nicht Ayrton Senna und Alain Prost, die sich vor mehr als 25 Jahren den wohl erbittertsten Kampf geliefert hatten, den die Formel 1 unter Teamkollegen je gesehen hat. Es waren ihre modernen Wiedergänger, die Mercedes-Piloten Nico Rosberg und Lewis Hamilton, die sich da vor Monacos Fürst Albert aggressiv ignorierten wie sonst nur verstrittene Blaublütige auf dem Familienfoto.

Als Rosberg die Siegertrophäe in die Höhe stemmte, ging Hamilton noch einen Schritt weiter nach links. Der in Monaco aufgewachsene Deutsche hat sein Heimrennen zum zweiten Mal in Folge gewonnen. Das ist ein schöner Nebeneffekt, doch das Wichtigste an diesem Tag war, dass Rosberg seinem Mercedes-Teamkollegen und Hauptrivalen im Kampf um die WM einen schweren Wirkungstreffer verpasst hat. Das wurde nach zuletzt vier Siegen Hamiltons nicht allein am Ergebnis ersichtlich, sondern vor allem an der Art und Weise. Während Rosberg einen souveränen Start-Ziel-Sieg einfuhr, kam Hamilton geradezu entnervt als Zweiter ins Ziel.

„Ich habe alles gegeben und bin das ganze Wochenende über fair gefahren“, sagte er. „Aber Nico hat keinen Fehler gemacht.“ Das vergiftete Lob war wohl das Äußerste an Gratulation, das ihm abverlangt werden konnte. Auf die direkte Frage, ob er Rosberg gratuliert habe, antwortete Hamilton knappstmöglich: „No.“

Rosberg übernimmt die WM-Führung

Rosberg nahm das alles mit einem zufriedenen Lächeln auf. „Ein sehr spezieller Tag“, sagte er. „Der Druck war die ganze Zeit da. Doch ich bin cool geblieben und habe gewonnen.“ Auch in der WM-Wertung hat der Deutsche seinen britischen Rivalen nun wieder überholt und übernahm mit vier Punkten Vorsprung die Spitze. Nach dem sechsten Silberpfeil-Sieg im sechsten Saisonrennen läuft nun alles auf eine interne Weltmeisterschaft zwischen Rosberg und Hamilton hinaus.

Für den Weltmeister ist der Titelkampf dagegen fast schon beendet. Sebastian Vettel hatte mal wieder mit seinem defektanfälligen Red Bull zu kämpfen und schied schon früh mit Motor- und Getriebeproblemen aus.

Aber auch dass Rosberg und Hamilton überhaupt ins Ziel kamen, war keinesfalls selbstverständlich. Schließlich hatte Lewis Hamilton nach der Kontroverse um Rosbergs Poleposition am Vortag ankündigt, sich „etwas bei Senna abzuschauen“, jenem Brasilianer, der 1990 seinen Intimfeind Prost in Suzuka absichtlich in der ersten Kurve von der Strecke rammte. Die Frage war nun: Würde er sich dafür rächen wollen, dass ihn Rosberg seiner Meinung nach mit einem absichtlichen Fahrfehler eingebremst und so um die beste Startposition gebracht hatte? Rosberg schwor auch vor dem Start noch einmal Stein und Bein, dass sein Fahrfehler keine Absicht gewesen sei, sondern er sich schlicht verbremst habe. Dennoch schärften die Mercedes-Verantwortlichen um Aufsichtsratschef Niki Lauda den Piloten ein, es auf keinen Fall auf einen Unfall ankommen zu lassen. Schließlich war auch der Daimler-Boss Dieter Zetsche eingeflogen worden, und der wollte einen Sieg seiner Silberpfeile sehen und kein Kleinholz. Am Start hielt sich Hamilton auch brav zurück und sortierte sich hinter Rosberg ein. Der Vergleich mit Senna sei „nur ein Witz“ gewesen, erklärte Hamilton später. „Offensichtlich habe ich es ja nicht gemacht.“

Der Haussegen bei Mercedes hängt schon länger schief

Für einen vorsätzlichen Crash war es in der Tat noch zu früh in der Saison, doch die Animositäten zwischen den beiden Stallrivalen haben inzwischen ein gefährliches Niveau erreicht. Im Nachgang der Qualifikation war bekannt geworden, dass der Haussegen zwischen den beiden Wohnungsnachbarn schon länger schief hängt. Beim Rennen in Bahrain fühlte sich Rosberg von Hamilton abgedrängt, in Barcelona soll der Brite im Zweikampf mit dem Deutschen entgegen den Absprachen eine Motoreinstellung mit Extra-PS verwendet haben. „Ich wollte seinen Lauf brechen“, sagte Rosberg, „und irgendwie habe ich das geschafft.“ Ob nun absichtlich oder nicht: Ironischerweise ist ihm das offensichtlich am Sonnabend durch seinen eigenen Fahrfehler gelungen.

In Monaco zeigte Hamilton, der in den vergangenen Rennen so traumwandlerisch sicher fuhr, nun erstmals in dieser Saison Nerven. Schon nach der Qualifikation wirkte er äußerst übellaunig, bei dem Weg zur Pressekonferenz soll er sogar einen Journalisten mit dem Ellbogen zur Seite gerempelt haben. Tags darauf schimpfte und zeterte er via Boxenfunk das halbe Rennen über, dass es eine wahre Pracht war. Nachdem er direkt nach Rosberg während einer Safetycar-Phase an die Box geholt wurde und damit hinter dem Deutschen blieb, spann er Verschwörungstheorien bei 250 Stundenkilometer. „Ich wusste, ich hätte vorher in die Box kommen sollen, aber ich wusste auch, dass ihr mich nicht hereinholen würdet“, giftete er. Dabei war doch vor dem Rennen ausgiebig thematisiert worden, dass der führende Mercedes-Pilot auch das Privileg der besten Boxenstrategie genießt. Danach ließ er sich quasi minütlich über die Strategie und Fahrweise seines Kontrahenten informieren, bis hin zur Wahl der Bremspunkte. Diese Herangehensweise hatte Rosberg schon in Barcelona registriert und sie als Nervosität in seinem Sinne interpretiert.

Hamilton musste abreißen lassen

Während Hamilton Rosberg zu Beginn noch in Schlagdistanz gefolgt war, musste er mit zunehmender Renndauer abreißen lassen. Später erklärte er dies damit, dass ihm durchs Visier Schmutz ins linke Auge geflogen sei. Als sein Boxenteam ihm den schmelzenden Vorsprung auf den herausstürmenden drittplatzierten Red-Bull-Piloten Daniel Ricciardo mitteilte, blaffte Hamilton zurück: „Das interessiert mich nicht, ich will nur den Abstand zu Nico wissen.“ An diese kleinen Ausraster konnte sich Hamilton nach dem Rennen angeblich nicht mehr erinnern.

Nico Rosberg lächelte leise, als sein Kollege dies sagte. In Monaco hat er gezeigt, wie er Lewis Hamilton schlagen kann. In zwei Wochen, in Kanada, steigt die nächste Runde. Eine historische Saison bahnt sich a

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