Formel 1 in Sotschi : Lewis Hamilton gewinnt, Nico Rosberg scheidet aus

Lewis Hamilton bleibt weiter auf Titelkurs. Nico Rosberg bringt ein gebrochenes Gaspedal um seine letzte WM-Chance. Mercedes gewinnt Konstrukteurs-WM.

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Lewis Hamilton ließ der Konkurrenz auch beim Großen Preis von Russland keine Chance.
Lewis Hamilton ließ der Konkurrenz auch beim Großen Preis von Russland keine Chance.Foto: Reuters

Die extra im Voraus gedruckten Weltmeister-T-Shirts waren schon weggepackt, die Mercedes-Führungsspitze mit Toto Wolff und Niki Lauda saß auch schon im Flieger auf dem Weg in die Heimat. Das Formel-1-Rennen in Sotschi war längst vorbei, als die Nachricht hereinplatzte: Mercedes ist Konstrukteurs-Weltmeister. Schuld daran war Kimi Räikkönen. Der Ferrari-Pilot, als Fünfter ins Ziel gefahren, wurde für seine wilde Attacke auf Valtteri Bottas in der allerletzten Runde bestraft. Räikkönen bekam ein 30-Sekunden-Strafe und rutschte auf Platz acht zurück – das waren am Ende die entscheidenden Punkte, die Ferrari aus dem Titelrennen warfen und Mercedes die Titelverteidigung bescherten.

Immerhin fanden sich noch ein paar Flaschen Sekt, um den in der Box bereits zusammenpackenden Mechanikern ein bisschen Feierstimmung zu liefern. „Aber das große Fest kommt morgen im Werk, da kommen dann auch die T-Shirts zum Einsatz“, sagte Technikchef Paddy Lowe.

Der Team-Titel ist also vergeben, doch auch die Entscheidung in der Fahrerweltmeisterschaft ist in Sotschi praktisch schon gefallen. Lewis Hamilton hat nach seinem überlegenen Sieg schon 66 Punkte Vorsprung auf Sebastian Vettel, der nicht nur im Rennen Zweiter wurde, sondern sich auch in der WM auf Rang zwei nach vorne schob. Und sogar 73 Punkte Vorsprung auf Nico Rosberg, der mit einem Bremsdefekt kurz nach dem Start ausfiel. Schon beim nächsten Rennen in den USA kann Hamilton nun seinen dritten WM-Titel einfahren. In Austin muss Vettel auf jeden Fall Zweiter werden, um die Entscheidung noch zu vertagen. Rosberg wäre bei einem Sieg Hamiltons in jedem Fall bereits aus dem Rennen.

„Die letzten fünf Runden waren unglaublich, ich habe versucht, alles aufzunehmen, alle Empfindungen, alle Eindrücke, ich weiß nicht, wie oft ich noch in dieser Position sein werde“, sagte Hamilton. „Das ist natürlich eine traumhafte Situation für mich, aber es tut mir für das Team sehr leid, dass wir ein Auto verloren haben.“

Rosberg: "In meiner ganzen Formel-1-Karriere ist das noch nie vorher passiert."

Dieses Auto gehörte wieder einmal Nico Rosberg. Der Deutsche hatte an diesem Wochenende selbst eigentlich alles richtig gemacht. Er hatte die Poleposition geholt und diesmal die Führung auch beim Start behauptet. Auch eine frühe Safetycar-Phase, die Nico Hülkenberg mit einem Dreher ausgelöst hatte, bei dem er auch noch Marcus Ericsson im Sauber mitnahm, brachte ihn nicht aus der Ruhe. „Aber direkt danach ist der Dämpfer vom Gaspedal kaputtgegangen“, sagte Rosberg. „Das Gaspedal ist dann immer weiter in meine Richtung gekommen, bis ich mein Bein anheben musste, um überhaupt vom Gas zu kommen – und dann konnte ich nicht mehr lenken, weil meine Hände gegen die Knie geschlagen haben. In meiner ganzen Formel-1-Karriere ist das noch nie vorher passiert. Unglaublich!“ Auch wenn Rosberg ein fast trotziges „Ich gebe aber niemals auf“ hinterherschickte, ist ihm natürlich klar, dass der WM-Titel nun natürlich praktisch weg ist.

Rosbergs Pech war Vettels Glück. Der viermalige Weltmeister konnte sich wieder einen zweiten Platz sichern, obwohl er nach dem Start bis auf Platz fünf zurückgefallen war. „Danach bin ich aber in einen guten Rhythmus gekommen“, sagte Vettel. Er überholte Räikkönen und Bottas, zu einem Angriff auf Hamilton reichte der Speed des Ferrari aber nicht mehr: „Wir machen zwar Schritte nach vorn und kommen schon näher an Mercedes heran, aber ganz reicht es eben doch noch nicht.“ Nur eine Schrecksekunde hatte Vettel noch zu überstehen, als plötzlich vor seinem Auto ein Streckenposten über den Kurs lief. Der wollte ein Teil des mit Bremsproblemen gestrandeten Toro Rosso von Carlos Sainz jr. aufsammeln.

Dass der Spanier überhaupt hatte am Rennen teilnehmen können, grenzte an ein kleines Wunder. Am Samstag hatte er einen haarsträubenden Unfall gehabt und war mit gut Tempo 140 in die Leitplanken eingeschlagen. Nach sieben Stunden zur Beobachtung im Krankenhaus und einer erneuten Untersuchung am Sonntagmorgen hatte er die Startfreigabe bekommen – und wollte auch unbedingt am Rennen teilnehmen: „Ein paar Muskelpartien sind zwar ein bisschen steif und tun etwas weh“, sagte Sainz jr. vor seinem Ausfall, „aber alles nicht so wild.“

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