Formel 1 : Indien statt Indianapolis

Die Formel 1 steht in Amerika vor dem Aus, dafür will Bernie Ecclestone 2009 in Indien durchstarten. Die Entscheidung kommt pikanterweise drei Tage vor dem Großen Preis der USA.

Indianapolis/Neu DelhiDie Formel 1 kommt in Amerika möglicherweise zum Stillstand, dafür will Bernie Ecclestone 2009 auch in Indien durchstarten. Pikanterweise drei Tage vor dem Großen Preis der USA in Indianapolis traf der Herrscher der "Königsklasse" mit dem Nationalen Olympische Komitee von Indien (IOA) eine entsprechende Übereinkunft. Allerdings ist diese vorläufig und an die Bedingung einer Formel-1-tauglichen Strecke geknüpft. Dies erklärte IOA-Präsident Suresh Kalmadi am Donnerstag in Neu Delhi. In der Hauptstadt soll dann die Formel-1-Premiere auch stattfinden.

Allerdings soll es keinen Stadtkurs geben, wie bei den kommenden Neulingen Singapur, Valencia (ab 2008) und Abu Dhabi (ab 2009). Kalmadi erklärte, dass das IOA und die indische Regierung eine Rennstrecke nahe der Stadt errichten wollen. Aller Voraussicht nach dürfte dies wieder den deutschen Formel-1-Architekten Hermann Tilke auf den Plan rufen.

Auch europäische Traditionskurse kämpfen ums Überleben

Das Interesse des IOA an der nicht-olympischen Disziplin Formel 1 hat einen Grund: 2010 richtet Indien die Commonwealth Games aus. Bis dahin will das Land so viele hochkarätige Sportevents wie nur möglich ausrichten, um das Interesse der Welt auf Indien zu lenken.

 Indes kämpfen europäische Traditionskurse wie der am Montag 80 Jahre alt werdende Nürburgring oder der Hockenheimring sowie auch die englische Strecke in Silverstone um ihre Anerkennung und Existenz in der Formel 1. Ebenso wie Indianapolis, das am Sonntag Schauplatz des PS-Spektakels ist. Nach Long Beach, Las Vegas oder Dallas hat es auch "Indy" nicht geschafft, die Amerikaner für die Formel 1 zu begeistern. Stattdessen jubeln sie im Land der unbegrenzten Möglichkeiten lieber den Piloten der Indy-Cars, Nascars oder Champcars zu.

Immerhin wird diesmal der Grand Prix am Sonntag (19.00 Uhr/RTL und Premiere) auch in den USA im landesweiten Fernsehen übertragen. Zwei Jahre nach dem Reifen-Fiasko von Indianapolis kommt das Rennen nun der Bewährungsprobe für die Formel 1 gleich. Denn der Vertrag mit dem berühmten Nudeltopf, in dem seit 2000 der US-Grand-Prix ausgetragen wird, läuft in diesem Jahr aus.

"Ich persönlich mag diese Strecke nicht"

Daher will sich Speedway-Besitzer Tony George mit Ecclestone zusammensetzen. Er erhofft sich, dass bei dem Gespräch die Frage beantwortet wird, ob es in Indianapolis weiter geht mit der Formel 1 oder nicht. "Ich denke, beide Parteien wollen abschließend ein Resultat, damit wir den Fans sagen können, wie es weiter geht", erklärte Speedway-Präsident Joie Chitwood.

Doch Ecclestone zeigte sich bislang ausgesprochen zurückhaltend. "Dort riskiert doch kein Geschäftsmann einen Dollar, ohne dass er sicher weiß, dass er ihn zurückbekommt. Und glaube keiner, dass die US-Regierung Gelder für die Formel 1 bereitstellen würde", sagte der Brite. "Warum sollen wir in Amerika für die Hälfte des Geldes fahren, das wir anderswo bekommen?"

Und es den Fahrern möglicherweise auch noch mehr Spaß macht. "Ich persönlich mag diese Strecke nicht", sagte der zwei Mal in Indianapolis schwer verunglückte Ralf Schumacher (Toyota/Kerpen) über den Kurs mit der längsten Vollgaspassage der Saison - 23 Sekunden lang wird das Gaspedal durchgedrückt. Im Formel-1-Wagen vielleicht am Sonntag das vorerst letzte Mal. (Von Volker Gundrum und Jens Marx, dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben