Formel 1 : Investor bei Sauber: Wenn der Rubel rollt

Der Rennstall Sauber findet einen Investor, der dem Formel-1-Team einen Fahrer aufzwingt – das muss kein Nachteil sein.

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Risikoreich. Ab 2014 wird der 18-jährige Sergej Sirotkin für Sauber fahren. Foto: dpa
Risikoreich. Ab 2014 wird der 18-jährige Sergej Sirotkin für Sauber fahren. Foto: dpaFoto: picture alliance / dpa

Spa - 2005 war es, als ein russischer Oligarch erstmals vorsichtig Kontakt zum Formel-1-Rennstall Sauber aufnahm. Er sondierte damals, ob ein Einstieg als Investor möglich sei. Nein, hieß es damals, da das Schweizer Team kurz vor einer Übernahme durch BMW stand. Sieben Jahre später war es Roman Abramowitch, der erklärte, dass er sich neben seiner fußballerischen Spielerei beim FC Chelsea auch ein Engagement im Motorsport vorstellen könne. Zumindest drückte er seine Bewunderung aus für Peter Sauber und das Team, für ihre Organisation, den Einsatz und das Interesse an der Nachwuchsförderung. Da Investoren aber immer einem Eigeninteresse folgen, wurde im Februar 2013 auf höchster politischer Ebene zunächst beschlossen, dass man einen russischen Fahrer für den Grand Prix in Sotschi 2014 brauche – der langsam aufgebaute Kontakt zu Sauber sollte dabei helfen.

Zunächst wurde aber ein geeigneter Fahrer gesucht. Die Wahl fiel auf Sergej Sirotkin, damals 17 Jahre alt, um den in der Folge ein Netz an Investoren gebildet wurde: zwei regierungsnahe Fonds und das Luft- und Raumfahrttechnik-Institut NIAT, dessen Chef praktischerweise Sirotkins Vater Oleg ist. Es fehlte nur noch einen Rennstall, also wurde Sauber kontaktiert – und das zu einem denkbar passenden Zeitpunkt: Seitdem Peter Sauber das Team nach dem BMW-Ausstieg 2009 zurückgekauft hatte, stand es um die Finanzen nie gut. Hohe Schulden bei den Banken, dazu ein notwendiger Etat von mindestens 120 Millionen Euro im Jahr. Besonders in dieser Saison wurde es besonders eng.

Doch da waren Peter Sauber und seine Teamchefin Monisha Kaltenborn schon mehrfach in Moskau gewesen, hatten die Weichen für einen Deal gestellt – und das in einer Zeit, in der große Sponsoren aus der Privatwirtschaft für die Formel 1 kaum noch zu finden sind.

Am Ende dauerte es allerdings doch länger als gedacht, bis die Kooperation besiegelt wurde. Das ist nicht ungewöhnlich. Mit dem Gegenwind, der dann noch kam, hatte Kaltenborn jedoch nicht gerechnet.

Der Rennstall ärgert sich vor allem über die Berichterstattung einiger Medien. Immer wieder hieß es, der Deal käme nicht zustande und sei geplatzt.

„Was mich am meisten überrascht hat, war die hohe Anzahl der Falschmeldungen, die es gab, die leichtfertig in die Welt gesetzt wurden und die dann auch noch von so vielen anderen Medien ungeprüft übernommen wurden“, sagt Kaltenborn. Selbst als es von Sauber ein für die Formel 1 in der Wortwahl ungewöhnlich deutliches Dementi gab, hörten die Meldungen nicht auf.

Dabei ist inzwischen Geld entsprechend der geschlossenen Vereinbarungen geflossen. Kaltenborn ist deshalb sehr zuversichtlich,dass 2014 alles genau wie geplant laufen wird: „Davon kann man ausgehen, aber man darf auch keine Wunder erwarten“, sagt sie. „Das ist eine Partnerschaft, die es uns erlauben soll, uns langfristig auf eine gute Basis zu stellen, aber alles braucht seine Zeit und es geht Schritt für Schritt.“

Diese Geduld müsse man jetzt aufbringen, so die Teamchefin. Dabei stellt sie klar, dass die zeitweise kolportierten Zahlen von einem russischen Engagement in Höhe von bis zu 400 Millionen von Anfang an Unsinn waren. Immerhin 20 bis 30 Millionen Euro pro Jahr soll es allerdings laut Vater Sirotkin allein für den Fahrerdeal geben.

Zwei Tage war sein Sohn Sergej zuletzt im Sauber-Standort Hinwil bei Zürich. Viele, die bei dem Youngster vorher skeptisch waren, waren anschließend beeindruckt von der Persönlichkeit und der Reife des Moskauers, der am gestrigen Samstag seinen 18. Geburtstag feierte. Derzeit fährt Sergej Sirotkin erfolgreich in der Renault-World-Serie. Sollte der junge Mann bei den Wintertests auch noch auf Anhieb Formel-1-Reife zeigen, dann wäre der Deal nicht nur aus russischer Sicht sinnvoll. Dann hätten sich auch die monatelangen Verhandlungen für Sauber gelohnt. Karin Sturm

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