Formel 1 : Kein Gehalt mehr für Spione

Die Formel 1 beschließt einen radikalen Sparkurs: Keine Testfahrten mehr, die Lebensdauer der Motoren wird verdoppelt, Personal abgebaut. Die Maßnahmen im Einzelnen.

Christian Hönicke

BerlinBerlin - Nach dem Ausstieg von Honda infolge der weltweiten Finanzkrise hat sich die Formel 1 einen radikalen Sparkurs verordnet. Am Freitag beschlossen der Automobil-Weltverband (Fia) und die Teamvereinigung Fota für die kommende Saison einschneidende Einsparungen. Damit sollen die Ausgaben der großen Hersteller um etwa 30 Prozent, die der unabhängigen Teams sogar noch stärker sinken. Derzeit liegen die Budgets der Teams bei durchschnittlich 200 bis 250 Millionen Euro pro Jahr. Die Maßnahmen für 2009 im Einzelnen:

MOTOREN LEBEN LÄNGER: Künftig dürfen pro Saison nur noch acht Motoren pro Fahrer und insgesamt 20 pro Team eingesetzt werden. Außerdem muss ein Motor drei Rennwochenenden halten und darf nur noch maximal 18 000 Umdrehungen pro Minute leisten. Die Fia spricht von einer „Verdopplung der Lebensdauer“. Die Motoren dürfen für 2009 nicht verändert werden – teure Neuentwicklungen werden überflüssig. Das kostspielige Hybridsystem Kers darf – muss aber nicht – 2009 eingesetzt werden.

TESTVERBOT: Während der Saison dürfen künftig keine Testfahrten mehr durchgeführt werden.

FABRIKRUHE: Die Formel-1-Fabriken müssen nun während eines Jahres sechs Wochen lang geschlossen bleiben. Die gesamte Entwicklung des Autos soll in diesem Zeitraum stillstehen. Außerdem wurde der kostentreibende Einsatz von bis zu zwei Windkanälen pro Rennstall rund um die Uhr deutlich eingeschränkt.

PERSONALABBAU: Um die Kosten für die bis zu 1000 Mitarbeiter pro Rennstall zu reduzieren, darf sich künftig nur noch eine begrenzte Zahl an Teammitgliedern bei den Rennen aufhalten. Außerdem müssen alle Teams ihre Reifen- und Benzindaten offenlegen. Damit entfällt die Notwendigkeit des Einsatzes unzähliger Spione, um die Rennstrategie der Konkurrenten herauszufinden.

Ab 2010 sollen die Privatteams Motoren für weniger als fünf Millionen Euro pro Saison bekommen – entweder von einem der Automobilhersteller oder einem unabhängigen Produzenten (im Gespräch ist Cosworth). Diese Motoren dürfen bis 2012 nicht verändert werden. Auch ein Standardgetriebe wird diskutiert. Fia und Fota loten derweil Möglichkeiten aus, ein kostengünstiges Standard-Kers-System für alle Teams einzuführen. Der Einsatz teurer Materialien und Extras am Chassis sollen durch strengere Regeln eingeschränkt werden. Ein einheitliches Telemetrie- und Boxenfunksystem wird vorgeschrieben, Reifenwärmer werden ebenso verboten wie das Nachtanken. Sogar eine Verkürzung der Rennen steht im Raum – hier sollen jedoch zunächst die Ergebnisse einer Marktanalyse abgewartet werden. Diese Umfrage soll ebenfalls darüber Aufschluss geben, ob verschiedene Ideen zur Verbesserung der Show wie ein K.-o.-Modus in der Qualifikation oder eine Änderung des Punktesystems in Richtung einer Medaillenvergabe Sinn machen.Christian Hönicke

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