Formel 1 : Kimi Raikkönen: Der Mann, der aus der Kälte kam

Kimi Räikkönen siegt zum Formel-1-Saisonauftakt, Weltmeister Vettel wird nach Reifenproblemen Dritter.

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Mit zwei Stopps nach vorn. Kimi Räikkönens Lotus kam am besten mit den Reifen zurecht. Foto: dpa
Mit zwei Stopps nach vorn. Kimi Räikkönens Lotus kam am besten mit den Reifen zurecht. Foto: dpaFoto: dpa

Es war ein langer Arbeitstag für die Formel 1 in Melbourne. Nach der ersten halben Stunde am Vormittag dachten alle schon, es würde ein langweiliger werden. Denn da fuhren Sebastian Vettel und Red Bull im nachgeholten zweiten Teil der Qualifikation, die am Samstag dem Regen zum Opfer gefallen war, allen Konkurrenten um die Ohren. Doch am Ende des Tages stand ein anderer ganz oben auf dem Siegerpodest. Nach einem turbulenten Rennen voller Positionswechsel gewann Kimi Räikkönen im Lotus überraschend den Saisonauftakt in Australien vor Fernando Alonso im Ferrari. Der dreimalige Weltmeister Vettel musste sich mit Rang drei begnügen. Statt der befürchteten andauernden Dominanz Vettels zeigte sich im ersten Rennen ein recht ausgeglichenes Bild vom Feld. Das lag zum großen Teil an jenen Bauteilen der Autos, die wohl auch in diesem Jahr wieder vieles bestimmen werden: an den Reifen.

Genauer gesagt geht es um ein Phänomen, das in der Szene mit Reifentemperaturfenster umschrieben wird. Es bezeichnet die Temperatur, bei der die schwarzen Walzen die optimale Mischung aus Haftung auf der Straße und Haltbarkeit erreichen. Dieses Fenster, das bei den neuen Pirelli-Reifen noch schmaler geworden ist, hatte Vettels Team Red Bull mit der Rennabstimmung des Autos nicht genau getroffen. Mit dem Ergebnis, dass der Heppenheimer zwar zu Beginn noch führte, sein Auto aber in der Folge zu viel Reifengummi verbrauchte und dadurch nach wenigen Runden auch nicht mehr schnell genug war. „Man hat gesehen: Es kommt darauf an, wie man mit den Reifen haushaltet“, sagte der Weltmeister. „Natürlich will man eigentlich gewinnen, wenn man von der Poleposition startet.“ Doch schon bald habe er gemerkt, dass die Reifen stark abbauten. „Ich bin aber nicht beunruhigt. Manchmal muss man sich einfach eingestehen, dass andere besser waren.“ Seine Gelassenheit zog er vor allem aus der Tatsache, dass man vom Rennen in Melbourne „in der Vergangenheit selten einen Trend ableiten konnte“. In diesem Jahr gilt das wegen des ungewohnt nasskalten Wetters umso mehr.

Die Niederlage traf Vettel auch deswegen nicht ganz so hart, weil sein Freund Räikkönen ganz vorn lag. „Lotus hat heute einen tollen Job gemacht – und Kimi auch“, sagte Vettel. „Er hat es verdient.“ Dabei musste Vettel zugeben: „Ich habe Kimi gar nicht auf der Rechnung gehabt.“ Räikkönen fuhr in Australien sein eigenes Rennen und brachte als Einziger eine Strategie mit nur zwei Stopps optimal ins Ziel. „Es war von Anfang an unser Plan, das so zu machen – und es hat geklappt“, sagte der Weltmeister von 2007. Dass er nun die WM-Wertung anführe, „darf man nicht überbewerten, es ist schließlich erst das erste Rennen. Aber unser Ziel ist es, um den WM-Titel mitzufahren.“

Auch der Red-Bull-Teamchef Christian Horner war von der Vorstellung von Räikkönen und Lotus beeindruckt. „Vor allem am Schluss, als Kimi seine schnellste Rennrunde mit Reifen fuhr, die schon so viele Runden drauf hatten, die wir nie hätten mit einem Satz fahren können.“ Trotzdem war auch Horner nicht wirklich besorgt über die Niederlage: „Wir wissen jetzt, dass wir ein sehr schnelles Auto haben und wir haben auch viele Erkenntnisse gewonnen, die wir jetzt entsprechend umsetzen können. Das ist eine sehr gute Basis für die Zukunft.“

Von einer „guten Basis“ sprach man auch bei Mercedes. Neuzugang Lewis Hamilton behauptete nach seinem fünften Platz sogar: „Das ist besser gewesen, als ich erwartet hatte.“ So ganz wollte man das dem Engländer aber doch nicht abnehmen, schließlich hatte sein dritter Startplatz Hoffnungen auf mehr geweckt. Auch sein Teamkollege Nico Rosberg konnte am Sonntag nach guten Trainingsleistungen nicht mehr ganz mithalten und hatte am Ende auch noch Pech. Ein Elektrikdefekt bedeutete den Ausfall in der 27. Runde. „Im Regen war das Auto richtig schnell, jetzt bei den kalten Temperaturen im Trockenen war es nicht mehr so toll“, sagte Rosberg. „Aber das war hier ja auch so kalt, das ist ja nicht wirklich repräsentativ gerade für die nächsten Rennen.“

Auch Toto Wolff hatte sich wohl mehr erhofft. „Ich bin nicht zufrieden, ein technischer Ausfall ist nicht akzeptabel“, sagte der neue Mercedes-Sportchef. Hamiltons fünften Platz nannte er „ein solides Ergebnis“. Außerdem habe man eine ganze Menge gelernt, „vor allem über die Reifen“.

Den Reifen hatte auch der siebtplatzierte Formel-1-Rückkehrer Adrian Sutil sein bisheriges Karriere-Highlight zu verdanken. Der Force-India-Pilot fuhr im Gegensatz zu den meisten Konkurrenten mit den härteren und widerstandsfähigeren Reifen los, hatte dadurch einen anderen Boxenstopp-Rhythmus und konnte so seine ersten Führungsrunden in der Formel 1 sammeln. „Das war einfach der Hammer“, sagte Sutil und wurde danach philosophisch. „Das zeigt, dass alles möglich ist. Es war ein tolles Gefühl, ich war einfach besser und gelassener drauf. Vielleicht war dieses eine Jahr Auszeit gar nicht so schlecht.“

Pech hatte dagegen Nico Hülkenberg bei seinem Debüt im Sauber-Team. Kurz vor dem Start entdeckte das Team an seinem Auto ein Problem im Benzinsystem, „das ein Risiko bedeutet hätte“, so Teamchefin Monish Kaltenborn. „Deshalb haben wir aus Sicherheitsgründen entschieden, Nico nicht starten zu lassen.“

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