Formel 1 : Krieg der Mercedes-Sterne

Lewis Hamilton reißt seinen Kollegen Nico Rosberg in Barcelona von der Strecke und ermöglicht Max Verstappen den ersten Grand-Prix-Sieg.

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Piloten im Kiesbett. Nico Rosberg (rechts) und Lewis Hamilton.
Piloten im Kiesbett. Nico Rosberg (rechts) und Lewis Hamilton.Foto: Imago

Es war der Albtraum für Mercedes beim Großen Preis von Spanien in Barcelona. Nach drei Kurven in der ersten Runde landeten beide Silberpfeile im Kiesbett, nachdem Lewis Hamilton bei einem Angriffsversuch gegen Nico Rosberg ins Gras neben der Strecke geriet, sich drehte und dabei seinen Teamkollegen mit ins Aus riss. „Rennunfall“, entschieden die Sportkommissare nach diesem Krieg der Mercedes-Sterne. Rosberg habe sich bei seinem Versuch, die Tür zuzumachen, korrekt verhalten, aber auch der Angriffsversuch von Hamilton sei legitim gewesen. Als es dann zu eng wurde, habe der Brite nicht mehr zurückstecken können.

Rosberg war in der ersten Kurve in Führung gegangen, doch dann hatte sein Motor in einen falschen Modus geschaltet, wodurch ihm 160 PS fehlten. Rosberg wies alle Schuld von sich: „Ich weiß, welche Knöpfe ich drücken muss.“ Generell wirkte der WM-Führende der Gesamtwertung der Formel 1 wesentlich frustrierter als sein britischer Rivale, der sich im Übrigen nur beim Team entschuldigte, nicht bei Rosberg. Auch die Mercedes-Bosse waren sich nicht einig. Nachdem Niki Lauda zunächst Lewis Hamilton zum Alleinschuldigen erklärt hatte, versuchte Toto Wolff diplomatisch zu glätten: „Wir machen als Team keinem der beiden einen Vorwurf, aber natürlich sind wir alle sehr enttäuscht, dass das passiert ist.“ Konsequenzen in Richtung einer Teamorder werde es aber auf keinen Fall geben: „Wir lassen unsere Piloten frei gegeneinander kämpfen.“

Max Verstappen war überglücklich.
Max Verstappen war überglücklich.Foto: AFP

Nutznießer der Mercedes-Pleite war Youngster Max Verstappen, der in seinem ersten Rennen für Red Bull nach seiner Beförderung gleich den ersten Grand Prix seiner Karriere gewann. Mit 18 Jahren und 277 Tagen – damit löste er Sebastian Vettel als jüngsten Sieger aller Zeiten ab, der als etwas unglücklicher Dritter fair gratulierte: „Das ist dein Tag, genieße ihn!“

Ein bisschen Glück war für Verstappen schon dabei, weil ja beide Mercedes ausgefallen waren und Ferrari eine falsche Strategie-Entscheidung getroffen hatte. Dennoch: Mit dem erfahrenen Kimi Räikkönen im Nacken keinen Fehler zu machen und den Sieg nach Hause zu fahren, das brachte dem Holländer die höchste Anerkennung aller Experten ein.

Verstappen besitzt diese bestimmte Eigenschaft, eine sich bietende Chance konsequent zu nutzen. Erinnerungen wurden wach. Etwa an Ayrton Senna, der 1984 in Monaco mit dem unterlegenen Toleman Alain Prost schwer zusetzte und nur durch einen vorzeitiger Rennabbruch einen Sensationssieg verpasste. An Michael Schumacher 1992 in Spa, als er im Benetton bei wechselhaftem Wetter von Pleiten, Pech und Pannen vor allem der damals überlegenen Williams-Konkurrenz profitierte. Oder zuletzt an Sebastian Vettel im Toro Rosso. 2008 im Regen von Monza, als die Bedingungen ihm in die Hände spielten und er seinen ersten Sieg herausfuhr. Einige sehen in Verstappen schon einen neuen Vettel. Der Entdecker der beiden, Red Bulls Motorsport-Koordinator Helmut Marko, sagt jedoch: „Wir haben keinen neuen Sebastian. Er ist Max Verstappen. Jeder hat seine eigene Persönlichkeit, mit der wir arbeiten und leben. Wir klonen hier nichts!“

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