Formel 1 : Lewis Hamilton glänzt nicht mehr

Noch ist Lewis Hamilton Weltmeister in der Formel 1. Doch in der aktuellen Saison fährt der Brite bislang hinterher. Das soll sich in Monaco ändern.

Karin Sturm[Monte Carlo]
Formel 1 - GP Malaysia - Hamilton
Lewis Hamilton -Foto: dpa

Die Diamanten auf seinem Spezialhelm für Monaco glitzern, wie sie auch im letzten Jahr glitzerten. Doch das ist schon so ziemlich das einzige, was sich für den amtierenden Weltmeister Lewis Hamilton seit 2008 bei seinem Auftritt im Fürstentum nicht verändert hat. Der strahlende Held der vergangenen Saison, damals als großer Sieger in der Fürstenloge, ist mit einem wenig konkurrenzfähigen Auto in den ersten fünf Saisonrennen sportlich in der Versenkung verschwunden – und hat durch die Lügenaffäre von Australien und Malaysia in der Öffentlichkeit auch persönlich an Ansehen verloren.

Monaco soll nun wenigstens ein Zwischenhoch bringen – auf einer Strecke, die Hamilton selbst als seinen absoluten Lieblingskurs bezeichnet. „Das Gefühl, wenn du mit 280 Stundenkilometern den Hügel zum Casino hinauffährst, wenn du versuchst, eine möglichst gerade Linie zwischen den Leitplanken zu finden und sie dabei mit den Reifen streifst – das ist einfach unglaublich“, sagt Hamilton. Auf dem Kurs im Fürstentum kann aber auch das McLaren-Team auf eine große Erfolgsbilanz zurückblicken. „Wir haben hier in den letzten beiden Jahren gewonnen und waren insgesamt 15 Mal vorn, öfter als jedes andere Team“, sagt McLaren-Boss Martin Whitmarsh. „Wir starten deshalb optimistischer als zuletzt in Barcelona.“

Allerdings nicht nur wegen der Tradition. Vor allem auch deshalb, weil in den engen Straßenschluchten Monte Carlos andere Qualitäten als auf den meisten anderen Kursen gefragt sind. „Wir erwarten, dass Monaco unserem technischen Paket liegt, da es auf diesem Kurs keine wirklichen Hochgeschwindigkeitskurven gibt“, hofft Hamilton. Die Aerodynamik, große Schwachstelle des McLaren, ist hier nicht das große Thema, viel wichtiger ist guter Grip und ein gut fahrbarer Motor. Schon beim Rennen in Bahrain und in Barcelona hatte sich ansatzweise gezeigt: Wo es keine langgezogenen Kurven gibt, dafür aber viel Stop-and-Go, ist der McLaren schnell. „Das Auto ist gut auf der Bremse, und es hat eine sehr gute Traktion“, stellte Konkurrent Sebastian Vettel fest, der beim Freien Training von einem Motorschaden gebremst wurde. Lewis Hamilton aber landete knapp hinter Williams-Pilot Nico Rosberg auf Rang zwei.

Ein Grund mehr, warum man bei McLaren an einen Podestplatz glaubt. Für Hamilton wäre ein Erfolgserlebnis extrem wichtig. Die Lügenaffäre und die Gewissheit, zum ersten Mal in seiner Karriere in einem Auto zu sitzen, mit dem er keine Siegchancen hat, setzen dem jungen Weltmeister zu. „Das Gefühl, morgens aufzustehen und zu wissen, dass man nicht gewinnen kann, egal wie hart man fährt oder wie gut das Team arbeitet, ist nicht so toll“, sagt der 24-Jährige. Aus dem früher so selbstbewussten Hamilton ist zurzeit ein etwas unsicherer junger Mann geworden, der sich immer mehr zurückzieht – gerade auch vor den englischen Medien, die ihn erst hochjubelten, dann in der Lügenaffäre aber auch sehr hart angingen. Ein Erfolg in Monaco – es muss ja nicht gleich ein Sieg sein – könnte auch Hamilton selbst wieder strahlen lassen. Und nicht nur die Diamanten auf seinem Helm.

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