Formel 1 : Maut für Rennpiloten

Fahrer für die Formel 1 werden nicht mehr allein nach Talent ausgewählt, sondern nach dem Geld, das sie für ihr Team einbringen. Das könnte Nick Heidfeld eine Formel-1-Rückkehr verbauen.

Karin Sturm

Sergio Perez – wer ist das eigentlich? Diese Frage stellen sich nicht wenige Formel-1-Beobachter im Fahrerlager von Suzuka. Die Verpflichtung des 20-jährigen Mexikaners durch das Sauber-Team für 2011 hatte diejenigen, die sich nicht näher mit der Nachwuchsserie GP2, in der Perez derzeit auf dem zweiten Platz liegt, ziemlich überrascht. Aber die wirtschaftliche Realität der heutigen Formel 1 lässt einem Teamchef heute eben oft keine wirkliche Wahl. Der neue Mexikaner bringt mithilfe von Telmex, der Firma des reichsten Mannes der Welt, Carlos Slim, einen zweistelligen Millionenbetrag mit.

Für Fahrer kommt es nicht mehr allein auf ihr Können an. Sie brauchen auch finanzielle Hilfe, um in der Formel 1 zu landen. Nick Heidfeld weiß das. Er hatte zwar insgeheim darauf gehofft, jetzt nicht nur die letzten fünf Saisonrennen für Sauber bestreiten zu dürfen, sondern auch im kommenden Jahr dort bleiben zu dürfen. Dennoch sieht er den Realitäten ins Auge: „Für mich war die Überraschung nicht so groß.“ Heidfeld, der sieben Jahre für Sauber gefahren ist, hatte schon geahnt, dass ein Fahrer gesucht wurde, der das Überleben des Teams sichert.

Die Tendenz, dass nun auch Mittelklasse-Teams bei der Verpflichtung ihrer Piloten massiv aufs Geld schauen, könnte Heidfeld eine Formel-1-Rückkehr verbauen. Bei Force India, wo der Mönchengladbacher zeitweise verhandelte, werden wohl Adrian Sutil und Paul di Resta fahren. Den Mercedes-Schützling aus der DTM möchte Norbert Haug gern in einem Formel-1-Cockpit sehen. Und als Motorenlieferant hat man schließlich Möglichkeiten, attraktiver für das Team zu sein – etwa über die Preise.

Auch bei Renault, Heidfelds letzter Hoffnung, wird für den zweiten Platz neben Robert Kubica inzwischen Geld mindestens so groß geschrieben wie Leistung. Was im Klartext bedeutet, dass der Russe Witaly Petrow, der zwar bislang nicht alle versprochenen Sponsorengelder aufbringen konnte, aber sehr wichtig für den gesamten russischen Markt ist, wohl ziemlich sicher bleiben darf. Zumal Renault-Teambesitzer Gerald Lopez in Russland gerade viele neue Geschäftsfelder bearbeitet.

Bei Williams, wo man sich eigentlich schon fast sicher war, mit Rubens Barrichello und Nico Hülkenberg weiterzumachen, muss jetzt auf einmal der junge Deutsche wieder zittern. Denn GP2-Meister Pastor Maldonado, der über Verbindungen zu Staatspräsident Hugo Chavez angeblich 15 Millionen Dollar von der staatlichen venezolanischen Ölgesellschaft haben will, bietet sich dort an. Wobei Maldonado diese Geldstory schon seit zwei Jahren erzählt – was manche zweifeln lässt. Aber nachdem Williams der Absprung einiger Sponsoren und damit noch größere finanzielle Sorgen drohen, denkt man über das Thema dort wohl zumindest einmal nach. Sollte man sich dort aber doch gegen die vielleicht unsicheren Millionen entscheiden, könnte es der Venzolaner freilich bei kleinen Teams wie Virgin oder HRT versuchen.

Auch junge Fahrer müssen umdenken. Bruno Senna etwa, Neffe des 1994 tödlich verunglückten dreimaligen Weltmeisters Ayrton Senna, unterschrieb 2009 noch dort, „wo man mich als Fahrer wollte“. Jetzt weiß er: „Man muss den Teams einfach unter die Arme greifen.“ Dafür ist er im Moment dabei, in Brasilien ein Sponsorenpaket zu schnüren. Möglich, dass am Ende für 2011 eine Kombination herauskommt, die eine große Historie hat: Senna mit Lotus-Renault. Schließlich gewann Ayrton Senna seinen ersten Grand Prix 1985 in einem Lotus-Renault.

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