Formel 1 : McLaren steckt in der Abwärtsspirale

Das frühere Formel-1-Spitzenteam McLaren fährt nur noch hinterher – und es könnte so bleiben. "Dass wir in Australien überhaupt zwei Punkte geholt haben, hat mich überrascht", gab selbst Teamchef Martin Whitmarsh zu.

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Rätselraten in der Garage. Jenson Button versteht sein Auto nicht.
Rätselraten in der Garage. Jenson Button versteht sein Auto nicht.Foto: Reuters

Als Lewis Hamilton im vergangenen Herbst seine Entscheidung traf, von McLaren zu Mercedes zu wechseln, da hielten das viele Experten für einen großen Fehler. Er riskiere seine Karriere, sagten vor allem seine britischen Landsleute, unter ihnen die früheren Piloten Martin Brundle und David Coulthard. Schließlich hatte McLaren da neben Red Bull das schnellste Auto im Feld, Mercedes fuhr zeitweise gnadenlos hinterher. Jetzt grinst Hamilton und sagt: „Seht ihr, so falsch war meine Entscheidung wohl doch nicht.“

Denn vor dem Großen Preis von Malaysia am Sonntag lässt sich eine Umkehr der Kräfteverhältnisse erkennen. Mercedes scheint auf dem Weg nach vorn, während sich beim langjährigen Top-Team McLaren eine Baustelle nach der anderen auftut. Die erste deutete sich schon im vergangenen Jahr an, als der Rennstall als Ersatz für Hamilton den Mexikaner Sergio Perez verpflichtete. Dass dabei nicht nur Perez’ ausbaufähiges Talent eine Rolle spielte, wurde vor einer Woche Gewissheit. Der Team-Hauptsponsor Vodafone steigt Ende 2013 aus, künftig wird wohl das Logo des Telekommunikationskonzerns Telmex auf den Wagen prangen. Telmex gehört dem Mexikaner Carlos Slim, der erstens der reichste Mann der Welt ist und zweitens der größte Unterstützer von Sergio Perez. Das klingt nach einer klassischen Bezahlfahrer-Konstellation, mit der sich sonst die kleinen Teams über Wasser halten. Ist McLaren, nach Ferrari der zweiterfolgreichste Formel-1-Rennstall, gerade auf dem Weg dahin?

Zumindest in der aktuellen Saison ist der stolze Rennstall aus Woking in England schon im Mittelfeld angekommen. Im Gegensatz zu den meisten Spitzenteams setzte McLaren nicht auf eine Weiterentwicklung des erfolgreichen letztjährigen Autos, sondern baute ein komplett neues. Doch der Aufwand lohnte sich nicht. „Dass wir in Australien überhaupt zwei Punkte geholt haben, hat mich überrascht“, gab Teamchef Martin Whitmarsh zu. Bisher versteht niemand im Team das neue Auto – und der einzige, der helfen könnte, darf nicht. Technikchef Paddy Lowe, hauptverantwortlich für die Entwicklung des Autos, ist inzwischen kaltgestellt. Auch er wechselt Ende des Jahres zu Mercedes und soll keine Betriebsgeheimnisse mitnehmen.

In den Trainings in Malaysia hat der Starpilot Jenson Button zwar leichte Verbesserungen ausgemacht. Merkwürdigerweise ist das Auto im Regen offenbar etwas schneller, „aber unser Ziel muss es sein, auch auf den Trockenreifen besser zu werden“. Auf diesen fühlte sich das Auto diesmal zwar etwas besser als in Melbourne an, „das Tempo fehlt aber weiterhin“.

Das Rätselraten um den neuen Wagen bringt sogar Gerüchte hervor, dass McLaren bald zum alten Auto zurückwechseln könnte. Perez heizte diese Spekulationen an. „Wenn wir mit dem alten Auto schneller sein sollten, dann könnte das eine Option sein“, sagte er. Button dagegen baut auf die Stärke der Entwicklungsabteilung in Woking. Schließlich gelang McLaren nach schlechtem Saisonstart schon öfter eine Aufholjagd. „Ich habe schon schlimmere Situationen erlebt“, sagt der Weltmeister von 2009. „Als Panik würde ich das momentan nicht bezeichnen, aber wir müssen schon verdammt hart arbeiten.“

Denn wenn es nicht bald vorangeht, dann sinken nicht nur die Chancen in der diesjährigen WM. Es würde auch die Zukunftsplanung des Teams, die Suche nach Sponsoren und qualifiziertem Personal, sicher nicht einfacher machen. Ähnliches gilt in der Motoren-Frage. Bis 2014 fährt McLaren noch mit Mercedes-Antrieben, für die Zeit danach ist noch nichts geklärt.

Ein warnendes Beispiel ist das benachbarte Team von Williams, das in kürzester Zeit vom Spitzenteam zum Pflegefall mit großen Finanzproblemen abstieg. Auch der Weg in die Abwärtsspirale ist in der Formel 1 ein schneller.

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