Formel 1 : Mercedes und das Startproblem

Beim Formel-1-Sieg von Ferrari beim Großen Preis von Ungarn erlauben sich die Mercedes-Piloten Lewis Hamilton und Nico Rosberg zu viele Fehler.

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Zu viele Fehler: Nico Rosberg (l.) und Lewis Hamilton (2.v.l.) patzten bereits beim Start am Hungaroring.
Zu viele Fehler: Nico Rosberg (l.) und Lewis Hamilton (2.v.l.) patzten bereits beim Start am Hungaroring.Foto: rtr

Bernie Ecclestone habe ihm vor dem Rennen gesagt, sein Team dürfe diesen Grand Prix „im Interesse der Spannung auf keinen Fall gewinnen“, erzählte Mercedes-Sportchef Toto Wolff und versuchte damit die Pleite der Silberpfeile auf dem Hungaroring wegzulächeln. Doch wirklich zu Scherzen waren weder er noch sein österreichischer Landsmann Niki Lauda nach der heftigen Niederlage mit den Plätzen sechs für Lewis Hamilton und acht für Nico Rosberg aufgelegt. Zuviel war schiefgegangen, zu viele eigene Fehler hatten es der Konkurrenz diesmal leicht gemacht, Mercedes hinter sich zu lassen.

„Wir müssen aufpassen, dass Ferrari uns nicht einholt und noch abfängt“, sagte Wolff sogar, was natürlich übertrieben ist. Bei den Roten selbst weiß man, „dass wir zwar im richtigen Moment da waren, um eine Chance zu nutzen, die Mercedes uns eröffnet hat. Das heißt aber noch lange nicht, dass wir zu ihnen aufgeschlossen haben“, sagte Teamchef Maurizio Arrivabene. Auch Sebastian Vettel, der das Rennen gewonnen hatte, relativierte: „Im Qualifying hatten wir keine Chance – und im Rennen konnte zumindest Lewis bei seiner Aufholjagd immer noch schneller fahren als ich, wenn er mal freie Bahn hatte.“

Mercedes hat Startprobleme

Der Speed und das Potenzial der Antriebseinheit sind top bei den Silberpfeilen. Die kritischen Punkte liegen in anderen Details. So scheint das komplizierte Startprogramm bei Mercedes Schwierigkeiten zu haben, auf veränderte Bedingungen zu reagieren. Schon in England, als die Gripverhältnisse der Strecke durch tiefere Temperaturen anders waren, gingen die Starts daneben. In Ungarn war die Strecke durch den heftigen Regen gekennzeichnet. „Durch den Startabbruch war beim zweiten Start hier sowieso noch einmal alles anders, da war die Kupplung auch schon mal zusätzlich benutzt“, sagte Nico Rosberg. Wobei dieses Problem nach der Sommerpause in Spa eigentlich keines mehr sein sollte – oder zumindest ein anderes. Dann sind die meisten der elektronischen Hilfen beim Start verboten. Die Starts sind dann wieder mehr vom Können und vom Gefühl der Fahrer abhängig.

Lewis Hamilton: "Eines der schlechtesten Rennen meiner Karriere"

Lewis Hamilton neigt trotzt der Souveränität, die er zeitweise an den Tag legt, immer mal wieder zum Übereifer. Die Zahl der Fehler, die sich der Brite am Sonntag nach dem verpatzen Start leistete, erinnerte an seine wildesten Anfangszeiten. „Ich weiß auch nicht, was das war, vielleicht ein Konzentrationsproblem“, sagte Hamilton nach einem der „schlechtesten Rennen meiner Karriere“. Doch selbst aus so einem verkorksten Rennen punktete er im WM-Duell gegen Rosberg. Kurz vor Schluss hatte es noch so ausgesehen, als müsse er seine WM-Führung an den Deutschen abgeben, doch am Ende baute er sie sogar um weitere vier Zähler auf 21 Punkte aus.

Nico Rosberg konnte das Tempo von Hamilton nie mitgehen

Nico Rosberg agierte am Ende unglücklich. Der gebürtige Wiesbadener hatte das Wochenende massive Probleme mit der Abstimmung seines Autos, konnte das Tempo von Hamilton nie mitgehen. Auch im Rennen klagte er über massives Untersteuern. Und dann verzockten er und sein Team sich noch mit der Reifenwahl. „Ein Punkt, in dem wir unsere Ablaufpläne überprüfen müssen“, sagte Rosberg. Den K.-o.-Schlag bekam der Deutsche dann von Daniel Ricciardo, der in der Hoffnung, vielleicht sogar noch gewinnen zu können, eine ziemlich heftige Attacke ritt. Der Frontflügel des Red Bull schlitzte den Reifen des Mercedes auf. Während man bei Mercedes sogar eine Strafe für Ricciardo forderte, meinten andere, neutrale Experten, Rosberg hätte in der Endphase des Zwischenfalls dem Australier auch mehr Platz lassen können und müssen. Das Team Mercedes müsse das Rennen analysieren und Lehren daraus ziehen, sagte Sportchef Toto Wolff: „Danach werden wir unsere Akkus aufladen, um in Spa zurückzuschlagen.“

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