Sport : Formel 1: Norbert Haug im Interview: "Reichhaltige Auswahl an Tiefpunkten"

Ihre Saisonbilanz sieht sicher nicht gut aus.

Ihre Saisonbilanz sieht sicher nicht gut aus.

Die Saison hat ganz klar unsere Erwartungen nicht erfüllt. Wir haben den zweiten Platz in der Konstrukteurs-WM belegt, natürlich wollten wir den ersten, wie bei den Fahrern auch. Aber da sind wir uns einfach ein paar Mal selbst im Wege gestanden, zum Beispiel bei den Starts. Ich sehe natürlich diese Fehler, aber ich sehe auch, dass wir jetzt seit 1998 regelmäßig um den Titel fahren. In diesem Jahr zwar nur bis zum fünftletzten Rennen, aber davor haben wir zweimal gewonnen. Die Gesamtbilanz seit 1997 sieht durchaus gut aus.

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Online-Gaming: meinberlin.de sucht den Formel-1-Champion! Es gab immer wieder massive Probleme im Qualifying, wie auch hier in Japan.

Das stimmt schon. Wir haben aber oft gezeigt, dass wir im Rennen auch von schlechteren Startplätzen aus durch gute Strategie, guten Verbrauch, gute Fahrer und guten Umgang mit den Reifen sehr stark waren. Aber natürlich ist es so, dass das Rennen am Samstag im Qualifying anfängt, und deshalb muss das Ziel sein, aus den ersten beiden Reihen loszufahren, um optimale Chancen zu haben.

Was kann es an konkreten Konsequenzen für nächstes Jahr geben?

Kein seriöses Team kann versprechen, dass es keine Fehler macht, wir haben auch Fehler von anderen Teams gesehen. Motorschäden, Defekte - das gehört dazu. Wenn man nach einem schlechten Auftritt wie in Monza dann in Indianapolis gewinnen kann, dann spricht das für die Substanz des Teams und für die Kraft, sich am eigenen Schopf wieder aus dem Sumpf zu ziehen. Und darauf lässt sich aufbauen.

Was waren für Sie die Höhepunkte der Saison?

Der Sieg in Indianapolis war besonders schön, erstens, weil er unter für uns schwierigen Bedingungen erzielt wurde nach dem Ausfall von Monza. Aber auch, weil es die erste Großveranstaltung in den USA nach den Terroranschlägen vom 11. September war, die eine weltweit sehr positive Ausstrahlung hatte. Das Publikum hat sich sehr enthusiastisch gezeigt, und die Formel 1 hat dazu beigetragen, vielleicht für zwei oder drei Stunden von den Alltagssorgen abzulenken. Es war eine Botschaft, die von Amerika um die Welt ging - und deshalb auch ein ganz besonderer Sieg für uns.

Und die Tiefpunkte?

Da haben wir leider eine reichhaltige Auswahl - ob die nicht genutzte Poleposition von Monaco, Mikas Kupplungsschaden in der letzten Runde in Barcelona... Eines der beiden Ereignisse wahrscheinlich.

Jetzt soll es mit Kimi Räikkönen aufwärts gehen. War die Entscheidung für den jungen Finnen, die ein Risiko birgt, eine Konsequenz aus Ihrem nicht optimalen Abschneiden?

Das würde ich nicht so sehen. Die Entscheidung hat in diesem Fall Mika Häkkinen getroffen. Er hat um eine Pause gebeten, also mussten wir nach Ersatz schauen und haben den Fahrer gewählt, von dem wir uns im Moment das größte Potenzial versprechen. Wir haben nach wie vor auch die Verbindung zu Nick Heidfeld. Nick hat sich blendend entwickelt und kann nach seiner Sauber-Zeit, die nun mal vertraglich vereinbart ist, für uns durchaus ein Thema sein.

Glauben Sie eigentlich, dass Mika Häkkinen wirklich noch einmal zurückkommt?

Ich denke, dass er das im Kopf hat. Es wird sich zeigen, wie sich seine Pause für ihn entwickelt. Da wird er vielleicht Dinge entdecken, die er vorher nicht entdeckt hat, vielleicht wird er auch ganz schnell große Sehnsucht nach dem Rennfahren haben.

Was verlieren die Formel 1 und McLaren-Mercedes mit Häkkinen?

Ich glaube, dass er ein großer Sympathieträger für den gesamten Sport ist, ein sehr schneller und talentierter Rennfahrer, ein großer Teamplayer, einer, der genau weiß, was er will, ein sehr lustiger Bursche im Umgang mit uns, auch wenn er anderen gegenüber vielleicht manchmal verschlossen ist, weil er sich auf seine Aufgabe konzentriert. Wir haben den Unfall in Adelaide überstanden und hinterher weitergemacht, er hat gezeigt, dass er aus eigener Kraft Weltmeister werden kann gegen stärkste Gegner. Das wird ins Bewusstsein rücken.

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