Formel-1-Pilot Felipe Nasr im Interview : "Im Kart hat es Klick gemacht"

Felipe Nasr feierte beim Saisonauftakt in Australien das bisher beste Debüt eines Brasilianers in der Formel 1. Der 22 Jahre alte Sauber-Pilot über eine begeisterte Rennsportfamilie, Schulabschlüsse und Auslandserfahrungen.

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In der Qualifikation für den Großen Preis von Malaysia belegte Felipe Nasr am Sonnabend einen abgeschlagenen 16. Rang.
In der Qualifikation für den Großen Preis von Malaysia belegte Felipe Nasr am Sonnabend einen abgeschlagenen 16. Rang.Foto: dpa

Felipe Nasr, nach Ihrem fünften Platz in Australien sind Sie der beste Formel-1-Debütant aus Brasilien aller Zeiten. Wie lange hat es gedauert, bis Sie realisiert haben, was da passiert ist?

Ich denke, so nach zwei Tagen ist es so allmählich eingesickert. Es ist schon toll gewesen, klar – gerade unter den schwierigen Umständen dort, die Konzentration zu behalten, mich nicht ablenken zu lassen. Das war sicher das schwierigste Rennwochenende meiner Karriere.

Wie ist Ihre Leistung unter den Fahrern aufgenommen worden? Gab es Glückwünsche von den Kollegen?

Insgesamt schon sehr positiv. Ein paar Fahrer sind nach dem Rennen zu mir gekommen und haben mit mir geredet. Ich denke, einen gewissen Respekt habe ich mir damit schon erarbeitet, auch bei anderen Teams, wirklich einen Fuß in die Tür zu bekommen in dieser Welt. Aber das wichtigste ist jetzt, auf dem Boden zu bleiben, mit den Möglichkeiten, die ich habe, weiter zu arbeiten, versuchen, weiter Punkte zu holen.

Sie kommen ja aus einer totalen Rennsport-Familie, Vater und Onkel waren und sind Teamchefs zum Beispiel in der brasilianischen Formel 3. War es für Sie immer logisch, Rennfahrer werden zu wollen?

Erst einmal gar nicht. Ich habe zwar immer sehr gern zugeschaut als kleines Kind, die Atmosphäre in den Boxen genossen, kam aber nie auf die Idee, selbst fahren zu wollen. Erst als ich dann so mit sieben, acht Jahren zum ersten Mal ein Kart ausprobiert habe, da hat es plötzlich Klick gemacht, da war der Wunsch dann auf einmal da. Danach hat mich meine Familie zwar nie zu irgendetwas gedrängt, mir aber immer mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Das war auf jeden Fall sehr wichtig für meine Entwicklung.

Mit noch nicht mal 16 Jahren sind Sie dann wegen der Karriere nach Europa gekommen, konnten dadurch nicht einmal einen Schulabschluss machen.

Da hat mir ein Jahr gefehlt, das stimmt, das ist auch etwas, was ich vielleicht noch einmal nachholen möchte. Aber andererseits habe ich auch viele Dinge gelernt und Erfahrungen gemacht, die andere nicht machen. Ich habe zuerst in Italien gelebt, dort gut Italienisch gelernt, bin dann nach England gezogen, habe dort mein Englisch weiter verbessert. Dieses Leben in der Fremde ist einerseits nicht einfach, gerade, wenn man so jung ist, andererseits bringt es einem eben auch so viele kulturelle Erfahrungen und Erkenntnisse, die man sonst nie gewinnen würde. Ich habe vieles zurückgelassen, aber dafür auch vieles gewonnen.

Glauben Sie, dass sie dadurch heute reifer sind als viele Gleichaltrige?

Auf jeden Fall. Ich nehme meine Umgebung viel bewusster auf, kann mit Schwierigkeiten umgehen. Um in die Formel 1 zu kommen, muss man sehr hart arbeiten, viel härter, als sich viele vorstellen können. Ich fühle mich dadurch jetzt auch viel besser vorbereitet auf meine Aufgaben als noch vor drei, vier Jahren. Damals war ich zwar auch schon ein schneller Rennfahrer, aber kein kompletter, der auch mit Rückschlägen und Problemen umgehen kann. Das habe ich gerade in meinen schwierigen Jahren in der GP2 gelernt.

Wie würden Sie sich persönlich charakterisieren, was sind ihre Stärken und Schwächen?

Meine Stärke ist wohl meine Entschlossenheit und Zielstrebigkeit. Wenn ich etwas will, dann arbeite ich mit hundertprozentigem Einsatz dafür, halbe Sachen gibt es bei mir nicht. Über Schwächen zu sprechen, ist immer schwierig, aber ich denke, jeder Mensch hat welche (lacht).

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