Formel 1 : Räikkönen gewinnt

Eiskalt hat Kimi Räikkönen bei der heißen Formel-1-Premiere am Bosporus seinen fünften Saisonsieg erkämpft. Für die deutschen Fahrer war es ein schwarzer Tag.

Akfirat/Istanbul (21.08.2005, 16:12 Uhr) - Einen Bärendienst erwies dem Finnen Räikkönen ausgerechnet sein kolumbianischer Teamkollege Juan Pablo Montoya, der in der vorletzten Runde nach einem Ausritt den schon sicher geglaubten Doppelerfolg von McLaren-Mercedes verschenkte. Davon profitierte zum Leidwesen der «Silbernen» der Spanier Alonso, der beim spektakulären Großen Preis der Türkei hinter Räikkönen noch Zweiter wurde damit nur zwei Punkte auf den Finnen verlor.

Die drei Deutschen erlebten vor gut 100 000 Zuschauern im Istanbul Park einen schwarzen Sonntag. Für Michael Schumacher endete der Premieren-Grand-Prix mit einem neuerlichen Fiasko: Nach einem Dreher in der Qualifikation schied der siebenmalige Weltmeister in der 16. Rennrunde nach einer Kollision mit BMW-Pilot Mark Webber ebenso wie Nick Heidfeld im BMW-Williams nach zwei Reifenplatzern aus. Ralf Schumacher wurde im Toyota Zwölfter. Alsonso führt nach dem 14. von 19 Saisonrennen mit 95 Punkten vor Räikkönen (71) und Michael Schumacher (55).

Michael Schumacher muss schon geahnt haben, dass an diesem Chaos- Wochenende für ihn nichts zu holen war. Im letzten RTL-Interview vor dem Hitzerennen bei 30 Grad Celsius wirkte er ziemlich unterkühlt und wortkarg. Zu den Gründen für den kurzfristigen Motorwechsel, durch den er vom ursprünglich 17. noch auf Startplatz 19 strafversetzt wurde, hüllte sich der Champion in Schweigen («das müssen sie das Team fragen»), und auch sonst gab er sich nicht gerade zuversichtlich. «Es gibt leider Gottes keinen Grund, optimistischer zu sein als gestern», meinte der Ferrari-Pilot.

Der Rennverlauf bestätigte dann diese pessimistische Prognose: Nach 16 Renn-Runden war die Fahrt am Bosporus für Schumacher beendet. Eine Begegnung der unfreundlichen Art mit Webbers BMW-Williams besiegelte sein Schicksal: Nach der Kollision mit dem Australier in Runde 15 musste der Kerpener zum Reifenwechsel in die Box. Dort brauchte die Ferrari-Crew 40 Sekunden, um das Auto wieder flott zu kriegen.

Der Ferrari-Star steuerte als 19. des Feldes zwar wieder auf die Piste, doch auch mit dem neuen Reifen lief nichts mehr rund. Der 84malige Grand-Prix-Gewinner verschwand in der Box - und tauchte nach 18 Runden überraschend wieder auf. Dass der Titelverteidiger mit dem not-reparierten Auto dem Feld noch einmal hinterher jagte, war Trotzrekation und Taktik zugleich: Damit verschaffte er sich für das nächste WM-Rennen am 4. September in Monza einen Start-Vorteil im Qualifying.

Nur beim Start und auf der ersten Runde konnte der praktisch schon entthronte Weltmeister punkten. Schumacher entging kurz nach dem Start dem Trümmerregen von Felipe Massas Sauber im hinteren Feld, kämpfte sich auf den ersten 5,338 Kilometern um acht Plätze auf Position elf nach vorn und war kurz darauf sogar Zehnter. Mehr ging an diesem schwarzen Sonntag nicht.

Pole-Mann Räikkönen wurde noch vor der ersten Kurve von Giancarlo Fisichella im Renault kassiert, übernahm aber schon vor Ende der ersten Runde wieder die Spitze. Dann führte sein spanischer Teamkollege Alonso bis zu dessen erstem Boxenstopp in der 13. Runde das Feld an. Bis zur vorletzten Runde war der WM-Favorit noch dritter hinter Räikkönen und Montoya.

Großes Pech mit den Pneus hatte das Fahrerduo von BMW-Williams: Gleich vier Reifenplatzer stoppten die deutsch-englische Fahrgemeinschaft: Der auf Platz sechs gestartete Heidfeld (Mönchengladbach) schied in der 30. Runde aus, sein australischer Teamkollege Webber war schon nach 22 Runden zum zweiten Mal platt. (tso)

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