Formel 1 : Räikkönen siegt in Ungarn

Der McLaren-Mercedes-Pilot Kimi Räikkönen hat den Großen Preis von Ungarn gewonnen. Auf den Plätzen zwei und drei landeten die Schumacher-Brüder.

Budapest (31.07.2005, 18:29 Uhr) - Michael Schumacher ist wieder im Kommen, auch wenn sich sein Traum vom ersten «echten» Saisonsieg nicht erfüllt hat. Bei seinem zweiten Platz beim Großen Preis von Ungarn musste der Ferrari-Pilot am Sonntag nur Kimi Räikkönen im McLaren-Mercedes den Vortritt lassen. «Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, auf dem wir aufbauen können, und die richtige Motivation für alle im Team, um noch einmal Kräfte frei zu setzen», sagte der Formel-1-Rekordweltmeister, der in diesem Jahr bisher nur beim Skandalrennen in Indianapolis gegen lediglich fünf Konkurrenten gewann.

Nach dem Erfolg des finnischen «Iceman» in der Gluthitze von Budapest und dem zweiten Rang von Michael Schumacher ist die Solofahrt des Spaniers Fernando Alonso zum WM-Titel vorerst gestoppt. Der WM-Spitzenreiter erlebte im Renault ausgerechnet auf seiner Lieblingsstrecke eine große Pleite. Nach einer Kollision schon in der ersten Kurve musste er an die Boxen fahren und verlor früh alle Siegchancen. Zum dritten Mal in dieser Saison nach seinem Aus in Montréal und dem Startverzicht in Indianapolis blieb der 24-Jährige mit Platz elf ohne Punkte und wurde sogar überrundet.

«Es sieht jetzt besser aus. Es sind noch sechs Rennen, und wir kämpfen noch um die WM», sagte der 25 Jahre alte Räikkönen nach seinem vierten Saisonerfolg, den er einen Tag vor seinem ersten Hochzeitstag seiner Gattin Jenni widmete. Doch auch sein Team blieb wieder nicht von einer Panne verschont. In der 41. Runde schied der Kolumbianer Juan Pablo Montoya in Führung liegend wegen eines Antriebsschadens aus und vermasselte einen Silberpfeil-Doppelerfolg.

Durch Montoyas Pech fuhr Ralf Schumacher erstmals im Toyota auf das Podium und machte am Ende sogar noch Druck auf seinen Bruder Michael. «Wir sind fähig, das Tempo der Konkurrenten bis auf das von McLaren-Mercedes mitzugehen», stellte Ralf Schumacher zufrieden fest. Der Mönchengladbacher Nick Heidfeld rundete im BMW-Williams als Sechster das starke deutsche Ergebnis ab.

Räikkönen gewann das Rennen nach 70 Runden (306,663 Kilometer) auf dem 4,381 Kilometer langen Hungaro-Ring souverän in 1:37:25,552 Stunden. Michael Schumacher lag 35,581 Sekunden hinter ihm. «Ich bin zufrieden mit dem zweiten Platz, auch wenn ich gehofft habe, bis zum Ende um den Sieg mitkämpfen zu können. Ich haben aber zu viel Grip verloren», meinte der Ferrari-Pilot, der seiner Frau Corinna gern am Montag seinen 85. Grand-Prix-Sieg zum zehnten Hochzeitstag präsentiert hätte.

Vor der Sommerpause, die mit dem Grand Prix in der Türkei am 21. August endet, führt Alonso weiter mit 87 Punkten die WM-Wertung an. Der 24-jährige Asturier weist sechs Rennen vor Saisonende 26 Punkte Vorsprung auf Räikkönen (61). Dritter ist Michael Schumacher (55). Ralf Schumacher rückte mit 32 Punkten auf Rang sechs, Heidfeld (28) ist Neunter.

Michael Schumacher stand zum 64. Mal auf der Pole Position und verteidigte seine Führung nach dem Start. Hinter ihm ging es in der ersten Kurve vor nur spärlich besetzten Rängen turbulent zu: Red-Bull-Pilot Christian Klien überschlug sich nach einer Kollision mit Jacques Villeneuves Sauber. Alonso berührte den Toyota von Ralf Schumacher und verlor wenig später den Frontflügel.

David Coulthard fuhr im zweiten Red Bull über die Trümmerteile von Alonsos Frontflügel und flog wie sein Teamkollege Klien von der Strecke. Auch Rubens Barrichello kam nicht unbeschadet durch die erste Kurve und beschädigte den Frontflügel seines Ferraris bei einer Berührung mit Jarno Trullis Toyota.

Hartnäckig verfolgt von Räikkönen, der sich beim Start von Rang vier auf zwei vorgeschoben hatte, fuhr Michael Schumacher zunächst an der Spitze. Der Finne war auf derselben Drei-Stopp-Strategie wie der Kerpener und bog nach Runde 12 erstmals zum Tanken ab. Schumacher kam nach der 15. Runde erstmals an die Box. Montoya ließ sieben Runden später seinen Silberpfeil auftanken. Danach lag Michael Schumacher wieder vor den beiden McLaren-Mercedes.

Die Schlüsselszene des Rennens waren die zweiten Boxenstopps von Schumacher und Räikkönen: Der Rekordchampion tankte in der 36. Runde und kam als Dritter auf die Strecke zurück. Räikkönen nahm eine Runde später weniger Benzin auf und blieb vor dem Ferrari-Fahrer. Der Finne legte einen Zwischenspurt ein und baute den Vorsprung kontinuierlich aus. Als Montoya in der 41. Runde ausfiel, war für Räikkönen der Weg frei. Michael Schumacher konnte mit seinen immer stärker abbauenden Bridgestone-Reifen nicht mehr folgen, so dass sogar sein Bruder Ralf noch einmal nah an ihn heranrückte. (Von Elmar Dreher, dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben