Formel 1 : Ralf Schumacher verabschiedet sich aus Formel 1

Das war es dann wohl mit Ralf Schumacher in der Formel 1. Der als letzte Chance angedachte Versuch, beim Rennstall Force India unterzukommen, endete für den vertragslosen Ex-Toyota-Piloten im Fiasko.

Matthias Bossaller
Ralf Schumacher
In Zivil und ohne Rennstall: Ralf Schumacher spielt in der Formel 1 keine Rolle mehr. -Foto: dpa

BerlinBei den Testfahrten im spanischen Jerez war der jüngere Bruder von Rekordweltmeister Michael Schumacher langsamster Pilot. Zuerst blieb er mit einem Hydraulikdefekt liegen und anschließend hatte er eine halbe Sekunde Rückstand auf den Italiener Vitantonio Liuzzi, einem seiner insgesamt sechs Konkurrenten um den Cockpitplatz beim ehemaligen Spyker-Team.

An Karriere-Ende schon früher gedacht

Die Zeichen stehen auf Abschied, und das scheint Schumacher mittlerweile auch selbst realisiert zu haben. Vertrat er in den vergangenen Wochen nach außen noch lautstark die Überzeugung, er werde 2008 auf jeden Fall Formel 1 fahren, gab er nach dem miserablen Auftritt in Jerez kleinlaut zu Protokoll: "Es kann sein, dass das heute meine letzte Fahrt in einem Formel-1-Wagen war." Und auf einmal will er schon vor Monaten mit dem Gedanken gespielt haben, seine Karriere zu beenden. "Daran denke ich schon seit Saisonmitte", wird Schumi II beim Internetportal "motorsport-total.com" zitiert.

Eine Zusammenarbeit mit Force India, dessen Inhaber Vijay Mallya er gut kennt, schloss der 32-Jährige jedenfalls weitestgehend aus. "Ich glaube nicht, dass ich nächstes Jahr hier fahren werde", sagte Ralf, der jetzt überlegen wolle, was "am besten für mich ist". Im Januar werde er entscheiden, wie es weitergeht.

Kein Platz für Ralf

Die Gestaltung seiner Zukunft in der Formel 1 hat Ralf freilich nicht mehr selbst in der Hand. Sogar beim schlechtesten Rennstall der abgelaufenen Saison stehen Fahrer wie Christian Klien und Liuzzi vor dem zweitgeborenen Schumacher und woanders ist auch kein Platz für den Wahl-Österreicher. Teams wie McLaren oder Williams haben ihm schon wissen lassen, dass man ihn nicht will. Gerade in seinen drei Jahren bei Toyota hat der sechsmalige Grand-Prix-Sieger stark an Kredit eingebüßt. Statt Respekt schlug ihm immer mehr Spott entgegen.

Ex-Fahrer Hans-Joachim Stuck nannte Schumacher eine "Mimose" und Kollege Christian Danner forderte ihn auf, seinen Fahrstil an das Auto anzupassen. Darauf antwortete der schwächelnde Pilot, dass "man seinen Stil nur bis zu einem gewissen Punkt ändern kann". Bei den Medien erntete Schumacher heftige Kritik, weil seine Leistungen in keinster Weise ein Jahresgehalt von geschätzten 17 Millionen Euro rechtfertigten. In seiner letzten Toyota-Saison landete Schumacher mit kümmerlichen fünf Punkten auf dem 16. Rang der Fahrerwertung.

Im Schatten von Michael

Ralf stand Zeit seines Rennfahrer-Lebens im Schatten des großen Bruders Michael, der mit sieben gewonnen Weltmeisterschaften und 91 Grand-Prix-Siegen der erfolgreichste Formel-1-Fahrer aller Zeiten ist. Nicht annähernd hat Ralf ähnliches Ansehen und Erfolge verbuchen können. Obwohl Schumi II hinter Michael der erfolgreichste deutsche Rennfahrer in der Königsklasse ist, hat sich das Bild von „Rolex-Ralf“ in der öffentlichen Wahrnehmung verfestigt. Diesem Image zuträglich waren seine mitunter schnöselig und arrogant wirkende Art und seine attraktive Frau Cora, die sich medienwirksam in Szene zu setzen weiß.

Seine anfänglichen Erfolge und das zweifellos vorhandene Talent traten somit zeitweise in den Hintergrund. Dabei legte der Kerpener eine beachtenswerte Debüt-Saison hin. Der erste Platz in der japanischen Formel 3000 hatte Ralf Schumacher im Jahre 1997 einen Vertrag für die Formel 1 bei Jordan eingebracht. Bereits im dritten Rennen in Argentinien feierte der damals 22-Jährige seinen ersten Podest-Platz. Nach zwei Jahren schied Schumacher von Jordan aber im Unfrieden, weil er offen Kritik an der technischen Zuverlässigkeit und den Sicherheitskriterien des Rennstalls geübt hatte.

2001 erster Grand-Prix-Sieg in Imola

1999 wechselte er zum Williams F1-Team und gab seiner ins Stocken geratenen Karriere neuen Schwung. Ein Jahr später erreichte er drei Podiums-Ränge, und 2001 fuhr Ralf Schumacher zu seinem ersten Grand-Prix-Sieg in Imola. Diesem Erfolg ließ er in der gleichen Saison noch zwei weitere Siege in Montreal und Hockenheim folgen. Statistisch gesehen, war aber 2003 das erfolgreichste Jahr für Schumacher, als er mit 58 Punkten WM-Vierter wurde. Doch auch gegen Williams-BMW trat der jüngere Schumacher nach, als er sagte: "Williams war mal ein Topteam!".

Bereits beim englisch-deutschen Rennstall zeigte sich Schumachers Manko: Er war nicht fähig, ein durchschnittliches Auto langfristig an die Spitze zu bringen. Als er 2005 zu Toyota ging, tönte er noch: "Ich will mit Toyota versuchen, Weltmeister zu werden". Doch auch das in Köln beheimatete Team brachte er nicht voran, obwohl die Japaner einen enormen finanziellen Aufwand betrieben und das Team über einen beträchtlichen Stab von 1000 Mitarbeitern verfügte.

Seit dem 6. Juli 2003 ist Schumacher ohne Sieg. Sicherlich liegt es an seinem Namen und seinem gewieften Manager Willi Weber, von dem er sich indes 2005 trennte, dass er immer gute Verträge bei ordentlichen Teams bekam. Doch unter dem Strich stehen bei 180 Rennen kümmerliche sechs Sieg, und es bleibt zum Ende seiner Karriere das Bild des überschätzten und überbezahlten Profis im Gedächtnis haften.

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