Sport : Formel 1: Rasante Fahrt der Sauber-Piloten auf der Rasierklinge

Hartmut Moheit

Genussvoll pafft Peter Sauber den Rauch seiner Davidoff-Zigarre in den blauen Himmel über der Steiermark. "Wahnsinn", sagt der Chef des gleichnamigen Formel-1-Rennstalls zu einem Teamkollegen nach dem Qualifikationstraining - "Wahnsinn". Seit 1993 ist der Schweizer aus dem kleinen Hinwil in dieser Szene dabei, aber solche Glücksgefühle wie in dieser Saison, hatte der 57-Jährige noch nie. "Was meine Fahrer leisten, das ist unglaublich", meint er beim Formel-1-Grand-Prix von Österreich in Spielberg. Der eine, Kimi Räikkönen aus Finnland, wurde gestern Vierter, der andere, Nick Heidfeld aus Mönchengladbach, wurde nach einer sensationellen Aufholjagd noch Neunter. Obwohl er am Start stehen geblieben war und nur mit riesigen Rückstand auf den Vorletzten noch ins Rennen einsteigen konnte. "Für seinen Superjob, den er in dieser Saison macht, kann man Nick nicht oft genug loben", sagt sogar Mercedes-Sportchef Norbert Haug über den Mönchengladbacher, der am Donnerstag Prix seinen 24. Geburtstag feierte. "Wir haben uns vertraglich gesichert", sagt der Stuttgarter, "dass wir später einmal mit ihm zusammenarbeiten könnten."

Gerade mal 23 Grand-Prix-Rennen hat Heidfeld bis gestern bestritten, aber ihm ist es gelungen - nach einer total frustrierenden Saison bei Prost - selbst den bisher als Wunschfahrer von Peter Sauber geltenden Jordan-Pilot Heinz-Harald Frentzen in den Schatten zu stellen. "Heute möchte ich keinen meiner Fahrer mehr mit Frentzen tauschen", sagt Sauber. Frentzen sollte eigentlich erneut verpflichtet werden, nachdem er zwischen 1994 und 1996 schon 29 WM-Punkte für Sauber erreicht hatte. "Doch Heinz-Harald setzte plötzlich auf den neuen Honda-Motor bei Jordan und gab uns einen Korb", sagt Sauber. "Was Heidfeld betrifft, so braucht mich bis Ende 2002 kein Teamchef wegen eines Transfers ansprechen", fügt er hinzu und verweist zudem auf die anschließende "Option auf ein weiteres Jahr Zusammenarbeit", das sein Stall besitze.

Mit Kimi Räikkönen aus Finnland verfügt Sauber zudem über einen Fahrer, der mit seiner jugendlichen Unbekümmertheit (Räikkönen ist 21 und hat erst sieben Formel-1-Rennen bestritten) für Druck auf den Deutschen sorgt. Sauber-Petronas ist mit diesem Duo plötzlich zu einem vielbeachteten Team geworden. Dabei muss Sauber mit der Hälfte des Jahresetats auskommen, den die großen Teams besitzen. Rund 150 Millionen Mark stehen Sauber zur Verfügung. Räikkönen ließ schon eine seitengroße Anzeige in einem finnischen Fachmagazin schalten: "Persönlicher Sponsor gesucht."

Es spricht für den bescheidenen Heidfeld, der den sonst in der Formel-1-Szene grassierende Hang zur Selbstdarstellung absolut nicht hat, dass er sich von keinerlei Euphorie anstecken lässt. Der Spitzname "Quick Nick" (Schneller Nick) macht ihn eher verlegen. "Das ist doch übertrieben", meint er nur. "Wer meint, dass wir über dem Berg sind, der irrt. In der Formel 1 muss man ständig Druck machen." Daran hält er sich, selbst sein dritter Platz beim Grand Prix in Brasilien war für Heidfeld kein Grund zum Abheben. "Es war schon ein schönes Gefühl neben David Coulthard und Michael Schumacher auf dem Siegerpodest zu stehen", sagt der mit 1,64 m kleinste Fahrer unter den Formel-1-Fahrern, "aber mehr auch nicht."

Heidfeld weiß, dass er keinesfalls nur für sein eigenes Renommee fährt. Sauber als reines Privatteam kann auf Dauer gegen die finanzstarke Konkurrenz nicht überleben. "Natürlich müssen wir jetzt, da sportliche Erfolge da sind, viele Kontakte knüpfen", bestätigt Peter Sauber. Gemunkelt wird bereits, dass die VW-Gruppe offenbar den stolzen Namen Bugatti im Rennsport wieder aufleben lassen möchte. Bugatti war vor mehr als 70 Jahren die Marke der Fürsten, Grafen, Bankdirektoren und Schürzenjäger. Tatsache ist, dass von der kommenden Saison an sieben große Hersteller definitiv dabei sein werden. Da wird die Luft für Sauber-Petronas garantiert noch dünner, selbst wenn Nick Heidfeld oder Kimi Räikkönen in diesem Jahr für weitere Schlagzeilen sorgen können. Sicher ist im Prinzip nur, dass Peter Sauber die Zigarren nicht ausgehen werden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar