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Formel 1: Reifentest-Affäre : Das Internationale Tribunal der Fia verhandelt über Mercedes

Das Formel-1-Team Mercedes muss sich an diesem Donnerstag wegen der Reifen-Affäre vor dem Tribunal des Weltverbandes Fia verantworten.

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Mit heißem Reifen. Mercedes-Pilot Lewis Hamilton bei einer genehmigten Testfahrt. Ob das auch für die 1000 Extrakilometer in Barcelona gilt, wird an diesem Donnerstag entschieden.
Mit heißem Reifen. Mercedes-Pilot Lewis Hamilton bei einer genehmigten Testfahrt. Ob das auch für die 1000 Extrakilometer in...Foto: dpa

Jetzt wird es ernst für Mercedes. Am heutigen Donnerstag muss sich das Formel-1-Team wegen der Reifentest-Affäre in Paris vor dem Internationalen Tribunal des Weltverbandes Fia verantworten. Was dabei herauskommen wird, sei es in Sachen Strafen, sei es in Sachen interner Konsequenzen bei den Silbernen, ist kaum vorhersehbar. Zumal die Wege der Rechtsprechung bei der Fia nicht immer transparent sind.

Früher landeten Fälle wie die Reifentest-Affäre vor dem Fia World Council, in dem neben Vertreten der Fia auch Teamvertreter, Renn-Veranstalter und Organisatoren saßen. 2010 schuf Fia-Präsident Jean Todt dann das neue Internationale Tribunal – zunächst einmal sehr im Verborgenen. Als die Rennkommissare in Monaco nach dem Protest von Ferrari und Red Bull gegen den Mercedes-Test den Fall an diese Institution überwiesen, mussten auch Formel-1-Insider erst einmal nachfragen, was es denn mit diesem Internationalen Tribunal genau auf sich habe.

Tatsächlich besteht es aus zwölf unabhängigen Sportrechtsexperten, die mit der Fia und der Formel 1 zumindest nicht direkt etwas zu tun haben. Darunter sind auch zwei Deutsche. Waltraud Wünsch, die allerdings schon mehrfach bei deutschen Grand Prix als Sportkommissarin im Einsatz war, und der Sportanwalt Dirk-Rainer Martens. Eines der Ziele von Todt bei der Einführung des neuen Systems war es ja, für mehr Transparenz und Unabhängigkeit zu sorgen. Zumindest in einem Punkt ist das erreicht: Die Verhandlung in Paris soll im Gegensatz zu früheren World Council Meetings öffentlich sein, Medien sind zugelassen.

So wird also Mercedes-Teamchef Ross Brawn, der die Silbernen allein vor Gericht vertritt – Sportchef Toto Wollf und auch der Aufsichtsratsvorsitzende Niki Lauda sparen sich die Reise nach Frankreich – nun endlich mit allen Details herausrücken müssen. Etwa warum er die 1000 Testkilometer mit einem 2013er-Auto in Barcelona nach dem Grand Prix in Spanien für reglementkonform hielt – obwohl die „Sporting Regulations“, das Sportliche Reglement der Fia, solche Tests eindeutig untersagen? Brawn selbst hat ein zusätzliches Dokument unterschrieben, in dem alle Teamchefs noch einmal vereinbarten, dass eventuelle Tests mit 2014er-Reifen zwischen allen Teams abgesprochen und von der Fia genehmigt werden müssen.

Mercedes beruft sich auf einen Zusatzvertrag zwischen Fia und Hersteller Pirelli, der unter bestimmten Umständen solche 1000 Extra-Kilometer erlaube. Und darauf, dass Fia-Rennleiter Charlie Whiting die Erlaubnis gegeben habe, immer wieder wird da die Existenz einer entsprechenden E-Mail kolportiert. Whiting distanziert sich davon allerdings. Bei der Fia heißt es, es habe nur einen Hinweis gegeben, dass so ein Test möglich sei, wenn alle anderen Teams auch darüber informiert und dazu eingeladen würden. Was aber nicht passiert ist. Und selbst Formel-1-Chef Bernie Ecclestone, der Gerüchten zufolge in die Testpläne eingeweiht war, attackierte jetzt Mercedes: „Selbst wenn Pirelli ihnen den Test so angeboten hat – dann hätten sie eben ablehnen müssen.“

Sollten die Fia-Richter eine Strafe aussprechen, dann wäre eine Geldbuße, ein Punktabzug oder eine Rennsperre denkbar. Was bei Mercedes passieren könnte, ist eine andere, spannende Frage. Denkbar ist, dass Teamchef Brawn gehen muss. Mit dem von McLaren abgeworbenen Paddy Lowe steht schon ein Nachfolger bereit. Und in der Mercedes-Zentrale in Stuttgart werden die Stimmen, die einen kompletten Ausstieg von Mercedes aus der Formel 1 fordern, ob vom Betriebsrat oder von Aktionären wie zuletzt, sicher nicht leiser werden. Reifenhersteller Pirelli, der in Paris offiziell auch mit auf der Anklagebank sitzt, hat weniger zu befürchten. Die Italiener haben als Zulieferer nicht den Status eines offiziellen Wettbewerbers - damit hat die Fia keine eine Handhabe gegen Pirelli.

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