Formel-1-Rekordweltmeister : Michael Schumacher: Abgefahren wie ein Reifen

Vor dem Rennen in Barcelona gibt es nicht nur sportliche Fragen. Und das liegt auch Michael Schumacher. Verlängert der Rekordweltmeister bei Mercedes oder hat er den Spaß an der Formel 1 schon verloren?

Karin Sturm
So beliebt wie die Sagrada Familia. Vor dem Formel-1-Rennen in Barcelona ist Michael Schumacher (links) ein fast so beliebtes Fotomotiv wie die berühmte Gaudí-Kirche in der Innenstadt.
So beliebt wie die Sagrada Familia. Vor dem Formel-1-Rennen in Barcelona ist Michael Schumacher (links) ein fast so beliebtes...Foto: dpa

Seit mindestens drei Wochen, seit dem Grand Prix von Bahrain, hat Michael Schumacher in der Formel 1 offiziell einen Feind: Er ist rund und schwarz – und für Schumacher Schuld daran, dass er in diesem Jahr nicht mehr richtig attackieren könne. Die Pirelli-Reifen sind dem siebenmaligen Weltmeister zu wenig haltbar: „Es fühlt sich an, als ob wir auf rohen Eiern fahren“, beklagte er sich inzwischen mehrfach: „Ich kann und will den Reifen gar nicht erst belasten. Andernfalls übertreibst du es und landest im Nirgendwo.“

Ob der Ärger auch daran liegt, dass Schumachers Teamkollege Nico Rosberg mit einer anderen Einstellung an die Sache herangeht und dabei mehr Erfolg hat? Mit einem Sieg in China und Platz fünf in Bahrain konnte sich Rosberg in Szene setzen. Schumacher, zugegeben auch von ein paar technischen Problemen geplagt, hat bis jetzt nur einen einzigen Punkt zu Buche stehen, für Platz zehn. Rosberg sieht das Thema ganz anders. Er fühle sich wohl mit den Reifen, das sei für ihn eine Herausforderung. „Es geht ums Reifenmanagement“, sagt Rosberg. „Man muss vorsichtig damit umgehen und sie durch das Rennen tragen.“

Auch die meisten anderen Fahrer liegen eher auf der Rosberg-Linie, viele Experten finden zudem, dass es jetzt eben mehr darum ginge, dass sich der Fahrer an den Reifen anpasse, als dass der Reifen dem Fahrer angepasst wird. So war das früher noch der Fall, in den langen Jahren der Zusammenarbeit zwischen Schumacher, Ferrari und dem japanischen Reifenhersteller Bridgestone. Damals war Schumacher es eben gewöhnt, bei der Reifenentwicklung die Federführung zu haben. Die Reifen fielen dann so aus, wie er sie sich wünschte – jetzt muss er mit dem zurechtkommen, was Pirelli liefert. Wie alle anderen auch. Im privaten Gespräch sagt das auch der ein oder andere Fahrer, sogar einer von den ganz, ganz jungen: „Der Schumacher ist doch einfach schon zu alt, um sich noch an etwas Neues anzupassen.“

So oder so – es gibt allmählich immer mehr Gerüchte. Schließlich läuft Schumachers Dreijahresvertrag mit Mercedes am Ende dieser Saison aus. Über die Verlängerung wird an vielen Ecken spekuliert, auch und gerade, weil beide Parteien das Thema immer mit der Bemerkung vom Tisch wischen, es sei im Moment kein Thema und man werde bei passender Gelegenheit, frühestens irgendwann im Sommer, darüber reden. Wobei die Frage lautet: Wenn Schumacher weiterhin Probleme hat, mit seinem Teamkollegen Rosberg mitzuhalten und an der heutigen Formel 1 keinen großen Spaß mehr hat – tut er sich dann noch ein Jahr an? Und wie geht es überhaupt bei Mercedes weiter? Kann man sich als potenzielles Siegerteam bestätigen und Schumacher damit noch einmal einen zusätzlichen Anreiz bieten?

Niki Lauda glaubt jedenfalls daran – und damit wohl auch an eine weitere Karriere: „Schumi wird dieses Jahr noch gewinnen. Mercedes ist endlich gut genug, um die Spitze angreifen zu können.“ Und weder durch das Reifenthema noch durch seinen erfolgreichen Teamkollegen werde er endgültig den Spaß an der Sache verlieren: „Schumi lässt sich die Lust an der Formel 1 nicht verderben!“, sagt der dreimalige Weltmeister. „Er ist so viele Jahre im Geschäft, der weiß, wie der Laden funktioniert. Rosbergs Erfolg stachelt ihn eher an, als dass es ihn frustriert. Er kämpft sich durch.“

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