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Formel-1-Rennen in Monaco : Nico Rosberg siegt vor Sebastian Vettel

Nico Rosberg hat den Großen Preis von Monaco gewonnen. Der Mercedes-Pilot setzte sich am Sonntag bei seinem zweiten Formel-1-Sieg vor Weltmeister Sebastian Vettel und dessen Red-Bull-Teamkollegen Mark Webber durch.

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Nico Rosberg mit der Siegertrophäe.
Freude über den Heimsieg: Mercedes-Pilot Nico Rosberg gelang in seiner Wahlheimat Monaco sein zweiter Formel-1-Sieg.Foto: afp

Es kommt nicht so oft vor, dass Fürst Albert einem Einheimischen zum Sieg beim Formel-1-Rennen von Monaco gratulieren kann. Am Sonntag gab er keinem temporären Einwohner die Hand, den die großzügigen Steuermodalitäten ins Fürstentum getrieben hatten, sondern einem Kind Monacos. „Unglaublich, absolut gigantisch“, sagte Nico Rosberg nach der Begegnung mit seinem Staatsoberhaupt. „Ich bin hier aufgewachsen, das ist wirklich mein Zuhause.“ Der in Wiesbaden geborene, in Monaco aufgewachsene Kosmopolit mit deutscher Rennlizenz hatte kurz zuvor im Mercedes seinen ersten Heimsieg eingefahren, vor dem Red-Bull-Duo Sebastian Vettel und Mark Webber.

 Doch er hatte auf dem Weg dahin eine Menge Hürden überwinden müssen, zeitweise muss sich der Mercedes-Pilot gefühlt haben wie ein Raumfahrer in einem Asteroidenfeld. Mehrfach war die Strecke von Trümmerteilen übersät worden, drei Ausfahrten des Safetycars und einen Rennabbruch machten ihm das Leben schwer, kurz vor Schluss warf sich ihm sogar eine Taube in den Weg (sie blieb wie alle anderen Protagonisten an diesem Wochenende unverletzt). „Es ist so leicht, hier die Konzentration zu verlieren und in der Leitplanke zu enden“, sagte Rosberg erleichtert. „Ich war extrem glücklich, als ich die Ziellinie überfahren habe.“

 Nicht unglücklich war auch Sebastian Vettel. Der Weltmeister baute beim ersten deutschen Doppelsieg in der Formel 1 seit den Schumacher-Tagen als Zweiter seinen Vorsprung an der Spitze der WM-Wertung aus. „Wir sind sehr zufrieden mit dem Resultat“, sagte der Heppenheimer. „Natürlich ist hier zu gewinnen etwas ganz Besonders, deswegen juckt es doch ein bisschen, dass ich in der Qualifikation diese eine Zehntel verloren habe. Aber es sind gute Punkte.“ Vettel konnte trotz des verpassten Siegs genug Freude aus der Tatsache ziehen, dass seine schärfsten Titelrivalen viele Punkte liegen ließen. Fernando Alonso brachte seinen Ferrari nach einem durchwachsenen Rennen nur als Siebter über die Ziellinie. Noch schlechter schnitt Kimi Räikkönen ab. Der WM-Mitfavorit wurde kurz vor Schluss von einem der vielen waghalsigen Manöver des McLaren-Piloten Sergio Perez erwischt. Räikkönens Lotus erlitt einen Plattfuß und rollte deshalb nur als zehntes Auto ins Ziel. Der Finne liegt als WM-Zweiter nun schon 21 Punkte hinter Vettel.

 Zu einem deutschen Dreifachsieg reichte es nicht ganz, aber Adrian Sutil fuhr auf einen bemerkenswerten fünften Platz. Der Force-India-Pilot zog mit zwei großartigen Manövern innerhalb weniger Runden in der engen Grand-Hotel-Haarnadel an den beiden früheren Weltmeistern Jenson Button und Fernando Alonso vorbei.

 Es war ein spektakulärer Grand Prix von Monaco gewesen. Bis zur 30. von 78 Runden hatte es nicht so ausgesehen, vom Start weg hatte der Trainingsschnellste Rosberg das Rennen dominiert. Zwar waren die Reifenprobleme, die ihn zuletzt in ähnlicher Position ereilt hatten, „schon in meinem Kopf. Ich habe gehofft, dass ich nicht wieder zurückfalle.“ Doch das passierte diesmal nicht – ob das an dem geheimen Reifentest lag, mit dem Mercedes die Konkurrenz in der Formel 1 zuvor erregt hatte?  „Kein Kommentar, da müssen Sie Pirelli fragen“, sagte Rosberg dazu nur.

Großer Preis von Monaco: In der 30. Runde nahm das rennen richtig Fahrt auf

Wie auch immer, eingangs der 30. Runde nahm das Rennen richtig Fahrt auf. Da knallte der Ferrari-Fahrer Felipe Massa zum zweiten Mal an diesem Wochenende in der Ste. Devote in die Leitplanken. Nach dem Unfall des Brasilianers kam das Safetycar erstmals auf die Strecke. Während Vettel noch rechtzeitig in die Box zum Reifenwechsel zog, um nicht wertvolle Plätze zu verlieren, wartete man bei Mercedes eine Runde zu lang. So blieb Rosberg zwar vorn, doch Hamilton kam nach seinem Boxenstopp nur auf Rang vier hinter Vettel und Webber wieder auf die Strecke und blieb dort bis zum Schluss. „Das war eine super Entscheidung vom Team, so bin ich vor Lewis gekommen“, sagte Vettel.

Angeführt von Rosberg entwickelte sich in der zweiten Hälfte ein faszinierendes Finale auf den verwinkelten Straßen des Fürstentums. In der 46. Runde versuchte der Marussia-Pilot Max Chilton den Williams-Fahrer Pastor Maldonado vor der Tabac-Kurve im Hafen zu überholen. Dabei berührten sich die beiden und Maldonados Wagen bohrte sich frontal in die Streckenbegrenzung und riss die kompletten Plastikpuffer vor der Leitplanke heraus. Es war ein heftiger Unfall, der zum Abbruch des Rennens führte. Der Venezolaner konnte aber aus eigener Kraft aussteigen und zur medizinischen Untersuchung gehen.

Der Rest des Feldes fand sich wieder auf der Geraden ein, wo es auf den Neustart wartete. Fernando Alonso verlor dabei einen Platz. Er reihte sich nach einer langen Diskussion mit seinen Mitarbeitern freiwillig hinter Sergio Perez ein, um einer Strafe zu entgehen. Der McLaren-Pilot hatte ihn kurz zuvor in der Hafenschikane angegriffen, Alonso konnte sich nur vorn halten, weil er die Schikane abkürzte.

Vorn versuchte Rosberg, sich von den Turbulenzen nicht aus der Bahn werfen zu lassen. „Ich war in einem tollen Rhythmus, wollte das Rennen nur noch zu Ende fahren, dann plötzlich wird das Rennen gestoppt, und man kommt aus dem Rhythmus“, sagte er. „Das war nicht so toll.“ Doch beim Neustart hinter dem Safetycar hielt er Vettel wieder auf Abstand und setzte sich vom Weltmeister ab. Doch abermals schob sich das Feld zusammen: Weil der Lotus-Pilot Romain Grosjean vor der Hafenschikane dem Toro-Rosso-Fahrer Daniel Ricciardo stumpf ins Heck fuhr und dabei jede Menge Trümmerteile über die Straße verteilte, rückte das Safetycar erneut aus. Es gab einen weiteren Neustart, und doch Nico Rosberg behielt die Nerven. Nach der Siegerehrung unternahm er noch eine kleine Zeitreise. „Seit ich zum ersten Mal das Rennen hier gesehen habe, war es mein Traum, eines Tages hier zu gewinnen.“ Zu Hause ist auch ein Sieg immer noch am schönsten.

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