Formel 1 : Rot für Bahrain

20.04.2012 14:20 UhrVon Ulrich Ladurner
Gerät die Formel 1 in eine gefährliche Schieflage? Auch Diktatoren profitieren von diesem lukrativen Sport. Foto: AFP
Gerät die Formel 1 in eine gefährliche Schieflage? Auch Diktatoren profitieren von diesem lukrativen Sport. - Foto: AFP

Formel 1 in einem Folterstaat, Eishockey bei einem Diktator? Teamgeist und Fair Play nützen nichts, wenn jenseits der Rennstrecke Menschenrechte mit den Füßen getreten werden. Sport ist niemals einfach nur Sport.

Formel 1 ist was für Männer, die gern schnelle Runden auf dem Asphalt drehen, und für Frauen, die ihnen dabei zuschauen oder in der Box auf die euphorisierten Piloten warten. Formel 1, das ist eine ziemlich anachronistische Veranstaltung, getragen wie sie ist von rasender Geschwindigkeit, brüllendem Motorenlärm und die Gefahr suchenden Männern. Überflüssig, könnte man meinen. Aber Millionen hängen diesem Sport an, Millionen werden mit ihm gemacht.

Wer ein Rennen veranstaltet, erhofft sich davon Prestige. Darum rasen die Boliden durch die Straßen des kitschigen Fürstentums Monaco, durch die pulsierende Metropole Shanghai, und am kommenden Sonntag sollen sie im winzigen Golfemirat Bahrain wieder um die Wette fahren.

Wieder, weil das Rennen letztes Jahr abgesagt wurde. Politische Unruhen, Gewalt in den Straßen. Scheich Isa bin Salman al-Chalifa wollte nichts riskieren. Doch jetzt fühlt der Scheich sich sicher genug. Der Formel-1-Zirkus ist in Bahrain hochwillkommen. Der Scheich hat sein kleines Reich befriedet, mit amerikanischen Panzern, Knüppeln, Folter. Die Berichte von Menschenrechtsorganisationen über die Repression in Bahrain sind Berichte des Schreckens.

Auf den Straßen wird gefahren – in den Häusern wird gefoltert

Darf in einem Land wie diesem ein Formel-1-Rennen stattfinden? Müssen diese Autos wirklich an Häusern vorbeifahren, in denen nach Angaben von Oppositionellen Menschen gefoltert wurden? Müssen Hunderttausende Fernsehzuschauer dem zusehen? Könnte man nicht einfach mal verzichten, aus Protest, aus Solidarität mit den Gefolterten? Diese Frage kann man auch an Mercedes oder Red Bull stellen. Der Präsident der FIA, Jean Todt, gab eine abschlägige Antwort und begründete sie mit den Worten: »Wir sind eine Sportorganisation. Wir interessieren uns nur für Sport!« Das freilich ist eine billige Ausrede, und es ist naiv. Denn Todt mag sich als Sportfunktionär nicht für Politik interessieren, doch die Politik interessiert sich für den Sport. Besonders repressive Regime lieben es, sich in dem doch so unverdächtigen, grellen Licht des Sports zu sonnen.


Wo Sportler nach klaren Regeln ihre Kräfte messen, da wird es doch mit rechten Dingen zugehen. Oder wollte man sich vorstellen, dass einem Mann in einem Foltergefängnis die Knochen gebrochen werden, während wenige Meter entfernt Sebastian Vettel siegreich über die Ziellinie rast? Oder dass eine Frau in einem bahrainischen Kellergefängnis vergewaltigt wird, während man vor dem Fernseher sitzt und über den Nationalhelden Michael Schumacher debattiert: »Der Michael, nein, der Michael hätte auf sein Comeback doch lieber verzichten sollen!«?

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