Sport : Formel 1-Saisonauftakt: Schumachers Schatten

Hartmut Moheit

Wären Michael und Ralf Schumacher nicht Brüder, zwischen den vier deutschen Formel-1-Fahrern gäbe es so gut wie keine Kontakte. Die gnadenlose Konkurrenz im Millionen-Spiel Formel 1 bietet dafür nur wenig Raum. Selbst die beiden Kerpener verbringen nicht viel Zeit miteinander. "Wenn wir zufällig am selben Ort sind, dann treffen wir uns", sagt Michael, der Weltmeister aus dem Ferrari-Team. "Aber das ist selten, denn ich lebe in der Schweiz und Ralf in Monaco." Die beiden Schumachers haben sich allerdings ein etwas merkwürdiges Ritual erhalten: Vor jedem Grand Prix suchen sie brüderlich gemeinsam die Toilette auf. Ansonsten sehen sie sich meist nur aus der Ferne. Nicht anders ist es zwischen den beiden Schumachers und Heinz-Harald Frentzen oder Nick Heidfeld, den beiden anderen Deutschen. Die Hierarchie ist ohnehin klar: Michael Schumacher ist der Star, um den sich alle reißen, die drei anderen stehen in seinem Schatten.

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Teams und Fahrer

Daran wird sich auch 2001 nichts ändern, obwohl es vor dem Saisonauftakt in Melbourne (Sonntag, 4 Uhr MEZ/live bei Premiere World und RTL) auch andere Erwartungen gibt. Nach Schumachers Ansicht wird der Kampf um den Titel erneut zu einem Duell. "Was die WM angeht, werden wohl Ferrari und McLaren-Mercedes die besten Chancen haben", sagt der 44-malige Grand-Prix-Gewinner. Siege traut er mehreren Konkurrenten zu, seinem Bruder Ralf zum Beispiel: "Er ist für eine Überraschung gut." Ralf Schumacher, der mit brandneuem BMW-Motor und neuem Reifenpartner Michelin starten wird, sieht auch Mercedes-Sportchef Norbert Haug als starken Kontrahenten an: "Ich halte Michelin von Anfang an für siegfähig und Williams-BMW für das stärkste Michelin-Team." Und Heinz-Harald Frentzen, der erfahrene Mönchengladbacher? Er wird erstmals bei Jordan mit einem Honda-Werksmotor am Start sein können, was ihn zur euphorischen Aussage veranlasste: "Wir sind das Team der Zukunft."

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Terminkalender und technische Neuerungen

Ralf Schumacher im BMW-Williams, Heinz-Harald Frentzen im Jordan-Honda und Nick Heidfeld im Sauber - von diesem deutschen Trio darf 2001 einiges erwartet werden. "Aber Formel-1-Fahren ist mehr als Gas geben", sagt Frentzen. "Du musst alle Möglichkeiten umsetzen, die du hast." Er steht andererseits längst über den Dingen. Lange Zeit galt er als kleiner Träumer, dem man den letzten Kick absprach. Das ärgerte ihn mehr, als er immer zugeben wollte. Richtig fuchsig wurde er aber nur dann, wenn er als "Schumachers Schattenmann" bezeichnet wurde. "Erst Erfolg macht beliebt", sagt jener Mann im gelben Outfit, der es in 114 Rennen auf drei Siege gebracht hat. Die Rolle des Kronprinzen ist er nach seiner im Vorjahr schwachen Saison jedoch wieder los. "Dafür kann ich wenigstens ohne Berater oder Anwalt einkaufen gehen." Das ist das Positive am Hinterherfahren.

Rein ins Auto - raus aus dem Schatten: Dieses Leitmotiv steht wohl eher doch für Ralf Schumacher. Wenn zwei dasselbe tun, dann sind sie noch lange nicht die Gleichen. Im fünften Formel-1-Jahr steht Ralf Schumacher noch das bevor, was Bruder Michael längst hinter sich hat: der ganz große Durchbruch. Und den trauen vor allem ihm die Fachleute, vor Frentzen und erst recht vor Heidfeld, zu. In den letzten Jahren hat er sich mit harter Arbeit aus dem langen Schatten des Bruders befreit. Er war maßgeblich am überraschenden Erfolg von Rückkehrer BMW beteiligt, er steckte den letztjährigen Monaco-Unfall, bei dem er sich eine Beinverletzung zuzog, gut weg und reifte zum hervorragenden Piloten, der fast keine Fehler mehr macht. Jetzt fehlt nur noch ein Sieg.

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