Sport : Formel 1: Schnell, aber noch nicht zuverlässig

Karin Sturm

Es war beim Abendessen in einem Montrealer Steakhaus. BMW-Motorsportchef Mario Theissen stellte beim Blick auf die Teller amüsiert fest, dass die mit einem Pferde-Design geschmückt sind, das Ähnlichkeit mit dem "cavallino rampante", dem Ferrari-Symbol, aufweist. "Solange kein Mercedes-Stern drauf ist", frozzelte er. "Nicht, dass das jetzt falsch verstanden wird. Alle Gegner sind gleich. Um Weltmeister zu werden, müssen wir alle schlagen."

Der Griff nach dem Titel steht frühestens für 2002 auf dem Plan. Daran ändert auch die sensationelle Fahrt des Ralf Scumacher in Montreal nichts. "Wir haben immer wieder gezeigt, dass wir das Potenzial haben, ganz vorn mitzufahren", sagt Theissen. "Aber genauso deutlich hat sich gezeigt, dass es uns an Zuverlässigkeit fehlt."

Auf das, was die BMW-Ingenieure in dieser Saison aus ihrem Triebwerk an Leistung herauskitzeln, kann Theissen freilich durchaus stolz sein: "Immerhin haben wir im Moment den stärksten Motor von allen." Ob das nicht eigentlich ein Armutszeugnis für die Konkurrenz sei, vor allem für Mercedes und Ferrari mit ihrer viel größeren Erfahrung? "Das kann man so nicht sehen. Wenn jemand einmal ein erfolgreiches Konzept hat, dann ist es logisch, darauf aufzubauen und es immer weiterzuentwickeln. Und dann kommt plötzlich jemand mit einem völlig neuen Konzept und überflügelt einen." Die Kunst sei es, im richtigen Moment, ausgerechnet dann, "wenn man sich mit dem alten Konzept immer mehr dem Maximum annähert, die Konstrukteure davon zu überzeugen, das zu vergessen und sich etwas Neues, noch Besseres auszudenken".

Darin sieht Theissen eine seiner wichtigsten Aufgaben: "Ich bin nicht der, der den Motor von Anfang bis Ende konstruiert. Aber ich habe den technischen Background, um Konzepte, Entwicklungen, Details beurteilen zu können, und bin deshalb schon sehr stark in die technischen Entscheidungsprozesse eingebunden."

Immer wieder wird gefragt, ob BMW bei so viel Leistungsstärke nicht auch bald einmal ein zweites Team neben Williams ausrüsten wolle. Dazu sagt Theissen: "Davon halte ich nicht viel. Ich bin sicher, dass das für uns ein Nachteil wäre. Denn es gibt keinen Motor, der gleich gut in zwei verschiedene Autos passt. Man müsste da immer Kompromisse machen. Es ist ja in einer erfolgreichen Partnerschaft heute nicht so, dass man den Motor einfach in eine Kiste packt, dem Team hinstellt und sagt, nun baut ihn mal ein. Da die Motoren in Formel-1-Autos ja auch eine tragende Funktion haben, ist da eine ganz intensiv aufeinander abgestimmte Zusammenarbeit nötig, zum Beispiel, um Stabilität und Verwindungssteifigkeit der Gesamteinheit Chassis/Motor sicherzustellen."

Die Zusammenarbeit mit dem Partner Williams geht noch weiter. Theissen: "Wir geben durch unsere Techniker Anregungen und Hilfestellungen, zum Beispiel sind BMW-Aerodynamiker aus der Serie jetzt in die Windkanalarbeit involviert. Andererseits lernen unsere Serien-Ingenieure aber auch von der Formel 1, zum Beispiel, was im Extrembereich so alles möglich ist. Was es etwa für Möglichkeiten in der Getriebetechnologie gibt, wenn man ein Getriebe einmal nicht auf 200 000, sondern nur auf 2000 Kilometer Laufzeit auslegen muss."

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