Sport : Formel 1: Schottischer Sieg im brasilianischen Regen

Mark Kühn

David Coulthard hat Michael Schumachers beeindruckende Siegesserie in der Formel-1-WM gestoppt und damit auch das Titelrennen wieder etwas spannender gemacht. Der Schotte im Silberpfeil von McLaren-Mercedes gewann vor 80 000 Zuschauern nach einem dramatischen Regenrennen den Großen Preis von Brasilien und schob sich nach dem dritten WM-Lauf der Saison in der Gesamtwertung mit 20 Punkten hinter Schumacher auf den zweiten Platz. Der Weltmeister aus Kerpen, der zuletzt sechs Grand Prix in Folge gewonnen hatte, belegte im Ferrari mit einem Rückstand von 16,1 Sekunden den zweiten Platz. Schumacher, den zwei Ausrutscher auf regennasser Rennstrecke in der spektakulären Schlussphase den möglichen Sieg kosteten, behauptete mit 26 Zählern dennoch die WM-Führung. Einen hervorragenden dritten Platz belegte Nick Heidfeld im Sauber, der damit zum ersten Mal auf das Treppchen stieg.

"Ich musste für diesen zweiten Platz härter kämpfen als für die meisten meiner Siege. Wir müssen mit diesem Ergebnis zufrieden sein, mehr war nicht drin", sagte Schumacher und gestand offen ein: "Wir waren heute nicht schnell genug. Warum? Das müssen wir jetzt genau analysieren." Coulthard verriet, dass er ein Stoßgebet zum Himmel geschickt habe: "Ich habe gebetet, dass es regnet. Dies und ein perfektes Auto waren der Schlüssel zum Erfolg."

Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug lobte seinen Fahrer in den höchsten Tönen: "David war weltklasse, er hat Schumacher heute auf der Strecke besiegt. Wir werden Ruhe bewahren und weiter hart arbeiten." Eine Kampfansage für Ferraris Heimspiel am 15. April in Imola schickte Haug dennoch hinterher: "Wer uns abschreibt, macht einen Fehler. Wir können Ferrari jetzt unter Druck setzen, das war nicht unser letzter Sieg." Für Coulthard war es der insgesamt zehnte Formel-1-Sieg seiner Karriere, für McLaren-Mercedes endete damit eine siebenmonatige Phase ohne Sieg. Den zuvor letzten Erfolg für die Silberpfeile hatte der zweimalige Weltmeister Mika Häkkinen (Finnland) am 27. August 2000 in Spa eingefahren. Er fiel diesmal aus.

Ralf Schumacher, der neben seinem Bruder Michael erstmals in der ersten Startreihe gestanden hatte, fiel nach einer Kollision weit zurück und schied schließlich nach einem Dreher aus. Sein Teamkollege Juan Montoya (Kolumbien), der das Rennen lange Zeit angeführt und den ersten Sieg für BMW-Williams bereits vor Augen hatte, schied ebenfalls nach einem unverschuldeten Unfall aus.

Der mit Spannung erwartete Start der beiden Schumacher-Brüder aus der ersten Reihe war schnell entschieden. Michael Schumacher, der zum siebten Mal in Serie auf der Pole Position stand, zog dem Feld schnell davon. Bruder Ralf fiel auf den fünften Platz zurück. Aus Sicherheitsgründen wurde dann das Safety Car auf die Piste geschickt. Wie an einer Perlenschnur gezogen mussten sich die Autos dahinter einreihen. Mit einem fliegenden Start wurde das Rennen nach einer Runde wieder freigegeben. Der frühere US-Cart-Champion Montoya, der dieses Procedere aus Amerika bestens kennt, trickste Schumacher geschickt aus und setzte sich Ende der Start-Zielgeraden an die Spitze.

Schlimmer erwischte es Bruder Ralf, der von Rubens Barrichello im zweiten Ferrari von der Fahrbahn gedrängt wurde. Für Barichello endete der Heimat-Grand-Prix zur Enttäuschung seiner Landsleute im Kiesbett, Ralf Schumacher schleppte den ramponierten Williams-BMW gerade noch in die Box. Mit vier Runden Rückstand nahm er auf Platz 20 die Verfolgung auf.

An der Spitze hatte Michael Schumacher keine Chance, Montoya zu überholen. Der Ferrari war zwar in den Kurven schneller, doch auf den Geraden zog der Williams-BMW des Kolumbianers stets davon. Wohl aus diesem Grund entschloss sich Ferrari, Schumachers ersten Boxenstopp auf die 25. Runde vorzuverlegen.

Versteinerte Mienen gab es in Runde 39 bei BMW-Williams. Der Niederländer Jos Verstappen (Arrows) machte Montoya beim Überrunden zunächst brav Platz. Als der Kolumbianer vorbei war, krachte der viel zu schnelle Verstappen ins Heck des Williams-BMW - das Aus für Montoya, der bis dahin ein perfektes Rennen gefahren war.

Eine Runde später legte der bis dahin zweitplatzierte Coulthard seinen Boxenstopp ein. Der Schotte kam etwa 200 Meter vor Schumacher auf die Strecke zurück und übernahm die Führung. Danach setzte der Regen in Sao Paulo ein, Coulthard steuerte seine Box an und ließ eine Mischung aus Trocken- und Regenreifen aufziehen. Dadurch eroberte Schumacher trotz eines Drehers auf regennasser Piste die Führung zurück, doch in der 50. Runde zog der Schotte wieder am Weltmeister vorbei, fuhr dann ein fehlerfreies Rennen und brachte seinen Sieg sicher ins Ziel.

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