Sport : Formel 1: Schumacher dem Titel nahe

Michael Schumachers großer Traum vom ersten Weltmeistertitel mit Ferrari kann schon am 8. Oktober in Suzuka in Erfüllung gehen. Der zweimalige Formel-1-Champion profitierte beim Großen Preis der USA in Indianapolis vom Ausfall seines schärfsten Konkurrenten Mika Häkkinen, feierte einen souveränen Sieg und eroberte die WM-Führung eindrucksvoll zurück. Der Brasilianer Rubens Barrichello machte als Zweiter vor Heinz-Harald Frentzen den dritten Ferrari-Doppelerfolg im Jahr 2000 perfekt. Vor den letzten beiden Saisonläufen in Japan und Malaysia (22. Oktober) hat der 31-jährige Schumacher acht Punkte Vorsprung auf den finnischen Titelverteidiger. Häkkinen musste der rasanten Aufholjagd in der 26. Runde Tribut zollen und seinen Silberpfeil mit Motorschaden abstellen. Schumacher überstand dagegen eine Schrecksekunde, als er in der 68. von 73 Runden auf die Randsteine kam und sich drehte, aber nur neun Sekunden verlor.

"Ich bin Realist: Acht Punkte lassen mathematisch alle Möglichkeiten zu. Es kann noch viel passieren", warnte der strahlende Sieger vor verfrühter Euphorie, "ich denke erst an die Weltmeisterschaft, wenn es wirklich so weit ist." Die zurückeroberte WM-Führung gibt den "Roten" aber auch Selbstvertrauen für den Schluss-Spurt: "Wenn es weiter so läuft, sollte es endlich mal klappen - Ferrari hat es verdient."

Nach seinem siebenten Sieg im 15. Saisonrennen liegt Schumacher mit 88 Zählern vor den McLaren-Mercedes-Piloten Häkkinen (80) und David Coulthard (63) in Führung. Holt "Schumi" in Japan nur zwei Zähler mehr als Titelverteidiger Häkkinen, hätte der Deutsche ein Zehn-Zähler-Polster und wäre zum dritten Mal nach 1994 und 1995 Weltmeister. Selbst bei einem Häkkinen-Sieg im Finale (10 Punkte) und einer "Nullnummer" Schumachers würde bei Punktgleichstand die größere Zahl der Saisonsiege (7) den Ausschlag für den Rheinländer gegenüber Häkkinen (derzeit 4) geben.

Die 220 000 Zuschauer auf dem berühmtesten Renn-Oval der Welt sorgten beim Amerika-Comeback der Königsklasse nach neun Jahren nicht nur für einen Saisonrekord, sondern erlebten auch einen historischen Augenblick: Nach dem bitteren Aus Häkkinens, der zuvor in zwölf Rennen zwölf Mal punkten konnte, führten plötzlich drei Deutsche: Michael vor Ralf Schumacher (Williams-BMW) und Heinz-Harald Frentzen im Jordan-Mugen-Honda. Schumacher sah die Zielflagge nach 73 Runden und insgesamt 306,235 Kilometern in 1:36:30,883 Stunden vor Barrichello und Frentzen. Ralf Schumacher (Kerpen) fuhr erneut ein starkes Rennen, schied aber in der 61. Runde nach einem Problem mit der Ventilsteuerung aus. Der Mönchengladbacher Nick Heidfeld wurde im Prost-Peugeot Neunter.

Das hektische Umrüsten der Teams von Regen- auf Trockenreifen begann in der 6. Runde, als Barrichello vor die Box rollte. Zwei Runden später kam Häkkinen zum Service, während Schumacher noch seine Kreise zog. Der Ferrari-Star hatte sich in der 7. Runde bei Coulthard für den Verlust der Poleposition revanchiert: Am Ende der langen Start-Ziel-Geraden, wo die Autos rund 320 km/h schnell sind, passierte er den verdutzten Schotten auf der äußeren Kampflinie. Nur Schumacher, Frentzen und Johnny Herbert (Jaguar) blieben auf Regenreifen.

Schumacher ließ erst in der 16. Runde als Vorletzter der 22 Piloten Regenreifen aufziehen. Nach diesem Stopp kam er als Erster wieder auf die Piste. Coulthard hatte sich mit einem Frühstart selbst um seine letzte theoretische WM-Chance gebracht: Der Schotte musste dafür in der achten Runde eine Stop-and-go-Strafe von zehn Sekunden in der Box absitzen; dadurch wurde er bis auf den 13. Platz "durchgereicht" und am Ende noch Fünfter.

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