Sport : Formel 1: Schumacher landet im Kiesbett

Hartmut Moheit

Zehn Runden vor Schluss war Michael Schumacher bereits auf dem Weg nach Hause. In der Remus-Kurve auf dem A1-Ring hatte sich rund 80 Minuten zuvor alles gegen den WM-Spitzenreiter entschieden. Unmittelbar nach dem Start wollte er seinen roten Ferrari in die dritte Position hinter die Silberpfeile mit Mika Häkkinen und David Coulthard bringen, da beförderte ihn Ricardo Zonta im BAR-Honda mit einem kurzen Anstoßen ins Kiesbett. 70 Runden vor Schluss des Großen Preises von Österreich, dem zehnten WM-Lauf in der Formel 1, war damit der Weg für den dritten Doppelsieg von McLaren-Mercedes in dieser Saison frei. "Ich habe keine Punkte gewonnen, mehr gibt es dazu nicht zu sagen", erklärte Schumacher einsilbig. Jubeln konnten andere: Mika Häkkinen, der seinen zweiten Saisonsieg einfuhr, David Coulthard, der als Zweiter diesen Rang auch in der WM-Wertung verteidigte und Rubens Barrichello, der die Ferrari-Ehre als Dritter ein wenig rettete. "Jetzt freuen sich unsere Fans auf Hockenheim", geriet Mercedes-Sportchef Norbert Haug ins Schwärmen und ergänzte: "Nun geht der Kampf um den Titel erst richtig los." Michael Schumacher bleibt mit 56 Punkten zwar Spitzenreiter, aber Coulthard (50) und Häkkinen (48) sind ihm wesentlich näher gekommen.

Nach dem Rennen in der Steiermark, das im vorigen Jahr mit dem gegenseitigen Crashs der Silberpfeile begonnen hatte, wurde noch lange über die wichtigste Situation auf der 307,146 km langen Distanz debattiert. Nicht so interessant war dabei die Tatsache, dass mit Schumacher auch Jarno Trulli (Jordan-Mugen-Honda) und Giancarlo Fisichella (Benetton-Playlife) aufgeben mussten, es ging in erster Linie um die Aktionen der "großen Vier". "Von der Aktion nach dem Start habe ich zunächst nichts mitbekommen, denn ich war ja vorne. Erst in der zweiten Kurve sah ich die gelben Flaggen", erzählte Häkkinen, dem später das Herz in die Hose gerutscht war. "Plötzlich bekam ich von der Box ein rotes Zeichen, was für mich Zurückhaltung bedeutet. Später habe ich erfahren, dass alles für mich auch ohne volles Risiko optimal lief."

Eine Runde voller Action, 70 weitere ohne Höhepunkte - für die Fans war dieser Grand Prix sicher nicht der interessanteste. Vor allem nicht für die deutschen Fahrer, denn Heinz-Harald Frentzen, Nick Heidfeld und Ralf Schumacher kamen ebenfalls nicht ins Ziel. Frentzen zerstörte ein Stein das Kühlsystem und schließlich platzte sein überhitzter Motor, Heidfeld flog nach einem Crash mit seinem Teamkollegen Jean Alesi raus, und Ralf Schumacher war insgesamt sechs Mal an der Box, testete in diesem Rennen praktisch nur noch. Zwölf Fahrer kamen überhaupt nur ins Ziel, darunter auch der Brasilianer Luciano Burti. Der 25-Jährige erlebte seine Formel-1-Premiere, hielt sich aus allen Positionskämpfen heraus, und wurde mit zwei Runden Rückstand als Elfter gewertet. Als sicher gilt bereits, dass in Hockenheim in 14 Tagen wieder Stamm-Pilot Eddie Irvine für ihn im Jaguar-Cockpit sitzen wird.

Während in Spielberg die große Fete bei McLaren-Mercedes abging, bei BAR (Villeneuve), BMW-Williams (Button) und Sauber-Petronas (Salo) auf die Punkte für die Ränge vier bis sechs angestoßen wurde, stand David Coulthard noch einmal im Mittelpunkt. Seinen 100. Grand Prix bezeichnete er, obwohl "nur" Rang zwei heraussprang, als einen großen Erfolg. "Nach dem Start wollte ich auf keinen Fall einen Positionskampf mit Häkkinen riskieren", sagte er. "Über den WM-Titel wird ohnehin erst nach dem allerletzten Rennen abgerechnet."

Dass die Silberpfeile nach Österreich nunmehr den Generalangriff für Hockenheim planen, liegt in der Natur des dortigen Kurses. Auf diesem Hochgeschwindigkeits-Areal sahen die McLaren-Mercedes, mit dem PS-stärksten Motor aller Teams, bisher immer sehr gut aus. Einen leichten Sieg würden Häkkinen und Coulthard zwar erneut gern mitnehmen, aber Norbert Haug wäre eine andere Variante viel lieber. "Wir möchten uns schon mit Michael Schumacher auf der Rennstrecke messen. Wenn wir dann siegen, kommt bei uns erst die ganz große Freude auf."

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