Formel 1 : Schumacher, Vettel, Rosberg - Wer wird Deutscher Meister?

Alle reden von ihm, doch Michael Schumacher ist nicht der einzige der sechs deutschen Piloten mit WM-Chancen. Nico Rosberg und Sebastian Vettel sind die schärfsten nationalen Rivalen des Rückkehrers im Titelrennen.

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Formel 1 - GP Bahrain - Schumacher und Vettel
Michael Schumacher und Sebastian Vettel (rechts). -Foto: dpa

Wenn es so etwas wie einen Medaillenspiegel in der Formel 1 gäbe, wäre Deutschland wohl kaum vom ersten Platz zu verdrängen. Sechs deutsche Grand- Prix-Piloten und einen Rennstall schickt das Mutterland des Automobils in die neue Saison, die am Sonntag mit dem Großen Preis von Bahrain beginnt. Leider hat der jährliche Renovierungswahn im Regelwerk bisher noch keine Nationenwertung hervorgebracht, doch die Chancen für Schwarz-Rot-Gold sind trotzdem exzellent: Während Adrian Sutil (Force India) und Neuling Nico Hülkenberg (Williams) eher für Überraschungen infrage kommen und Timo Glock im Virgin vor allem das Ankommen als Ziel haben sollte, gehen die drei übrigen deutschen Fahrer als Mitfavoriten in den WM-Kampf.

Dabei ruhen die erwartungsvollen Blicke natürlich zuallererst auf demjenigen, der die große deutsche Kolonie in der modernen Formel 1 mit seinem ersten Weltmeistertitel 1994 gegründet hat: Michael Schumacher. Drei Jahre nach seinem letzten Rennen für Ferrari wird der siebenmalige Weltmeister für das neue Mercedes- Team sein Comeback geben. Und zwar nicht nur, um noch einmal ein bisschen mitzufahren: „Das Ziel kann nur der Titel sein.“ Dabei muss er jedoch harte Konkurrenz aus dem Weg räumen.

Schumacher-Comeback
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16.04.2010 14:3614.03.2010: Endlich ist es soweit. Michael Schumacher gibt im Mercedes beim Großen Preis von Bahrain sein Comeback. -


Allen voran die aus dem eigenen Land. „Ich werde sicher nicht in den Rückspiegel schauen und immer dann, wenn Michael da auftaucht, rechts ranfahren“, erklärte Sebastian Vettel. Einst war Schumacher der Kinderzimmerposterheld des Heppenheimers und unterstützte ihn später auch wohlwollend bei der Karriereplanung. Im Winter hatten beide noch gemeinsam beim Spaßrennen „Race of Champions“ die Nationenwertung für Deutschland gewonnen. Auf den Formel- 1-Pisten ist ein solch patriotisches Miteinander nicht zu erwarten, und auch die Tage der ehrfurchtsvollen Heldenverehrung hat Vettel längst hinter sich gelassen.

Der Red-Bull-Pilot ist neben dem zweiten Mercedes-Fahrer Nico Rosberg Schumachers schärfster nationaler Konkurrent bei der Jagd nach dem Großen Preis. Nach dem knapp verpassten Titel hat der Vizeweltmeister nun Platz eins als Saisonziel ausgegeben. Und nicht nur Formel-1-Boss Bernie Ecclestone traut dem 22-Jährigen zu, der jüngste Weltmeister der Formel-1-Geschichte zu werden. Er habe aus den Fahrfehlern im vergangenen Jahr gelernt und sich enorm weiterentwickelt, sagt Vettels Teamchef Christian Horner, der nur noch eine Schwäche bei seinem Piloten ausmacht: „Seine Frisur.“ Nun muss sein Auto nur noch ähnlich fehlerresistent werden: Im ersten Freien Training am Freitag zeigte der Red Bull seine schon in der vorigen Saison bekannte Defektanfälligkeit. „Wir hatten ein paar Probleme“, gab Vettel zu. „Ich wäre gern noch mehr Runden gefahren.“ Ein Vorteil für ihn dürfte immerhin die recht klare Rollenverteilung in seinem Rennstall sein, die Vettel als gefühlte Nummer eins vor dem Australier Mark Webber ausweist.

Ganz anders sieht das im Hause Mercedes aus, das nach der Trennung von McLaren und der Übernahme des Weltmeisterrennstalls Brawn nun die ersten echten Silberpfeile seit 55 Jahren auf die Strecke schickt. Als „deutsche Nationalmannschaft der Formel 1“ hat Daimler-Chef Dieter Zetsche sein Team bezeichnet – von derlei Zusammengehörigkeitsrhetorik sollte man sich freilich nicht täuschen lassen. Der teaminterne Kampf um die Kapitänsbinde zwischen Schumacher und Rosberg verspricht das brisanteste Duell des Jahres zu werden.

Dem aufstrebenden Rosberg fällt dabei die reizvolle Aufgabe zu, den Mythos seines 17 Jahre älteren Teamkollegen im gleichen Auto festigen oder entzaubern zu können. Zunächst sah es so aus, als würde Rosberg unter dem Eindruck der übermächtigen Präsenz Schumachers eingehen. Doch im Laufe der Testfahrten kam der gebürtige Wiesbadener mit Wohnsitz in Monaco immer mehr in Fahrt und überholte Schumacher, der offensichtlich mit dem Mercedes nicht so gut zurechtkommt. Auch in den beiden Freitagstrainings in Bahrain ließ Rosberg den Rekordweltmeister mit dem konstanten Vorsprung von einer knappen halben Sekunde hinter sich. Im zweiten Freien Training fuhr Rosberg sogar Bestzeit, Schumacher wurde immerhin Dritter, Vettel eine weitere halbe Sekunde dahinter Fünfter. Der ungetrübte Blick auf das Kräfteverhältnis wird sich erstmals beim Qualifikationstraining am Samstag entfalten (12 Uhr MEZ, live bei RTL und Sky).

Auch auf dem psychologischen Sektor zeigt sich Rosberg dem Rekordchampion zumindest ebenbürtig. Seinen mentalen Konter landete Rosberg, indem er süffisant fallen ließ, er habe früher lieber Schumachers finnischem Rivalen Mika Häkkinen zugejubelt. Außerdem behauptet er keck, Schumacher könne sicher „noch hier und da“ etwas von ihm lernen.

Als Hilfsangebot zum schnelleren Wiedereinstieg nach drei Jahren Pause ist das sicher nicht zu verstehen. Denn auch wenn sie unter einer Flagge starten, wissen Rosberg, Schumacher und auch Vettel genau: Auf der obersten Stufe des Podests ist nicht Platz genug für ein ganzes Land. Sondern nur für einen Piloten.

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