Formel 1 : Sebastian Vettel ist der Aufsteiger des Jahres

Sensationelle Runden, Enttäuschungen, Newcomer und Pleiten: Wir haben die Tops & Flops der Formel-1-Saison 2015 zusammengestellt.

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Lewis Hamilton (M.), Nico Rosberg (l.) und Sebastian Vettel (r.).
Lewis Hamilton (M.), Nico Rosberg (l.) und Sebastian Vettel (r.).Foto: REUTERS

Was war gut, was war schlecht, wer konnte glänzen, wer stürzte ab? Die Saisonbilanz der Formel 1 2015 in Stichworten.

Fahrer des Jahres: Lewis Hamilton wurde nicht nur schon vier Rennen vor Schluss zum dritten Mal Weltmeister, er holte auch zehn Siege und hatte seinen Teamkollegen Nico Rosberg in den ersten beiden Saisondritteln sicher im Griff. Als polarisierender Popstar der Formel 1 ist der Brite  auch ein guter Außenbotschafter der Rennsport-Welt.

Team des Jahres: Mercedes konnte seine Überlegenheit gegenüber dem Vorjahr sogar eher noch ausbauen. 12 Doppelsiege in der Saison – ein neuer Rekord in der Formel 1 – sprechen eine deutliche Sprache. Dabei weiß niemand, wie viele Reserven die Silberpfeile noch haben. Wirklich am Limit mussten sie sich jedenfalls selten bewegen.

Aufsteiger des Jahres: Sebastian Vettel und Ferrari hätte wohl auf Anhieb kaum jemand so stark erwartet. Drei Saisonsiege, von 1,5 Sekunden Rückstand auf Mercedes zu Saisonbeginn auf 0,5 heran gekommen, das war ein gewaltiger Schritt nach vorn. Vettel riss mit viel Engagement und Optimismus das Team mit und zeigte auch selbst wieder ganz andere Motivation und Auftreten als zuletzt 2014 bei Red Bull.

Newcomer des Jahres: Max Verstappen hat sich diesen Titel verdient. Der Neuling, der im Herbst erst 18 Jahre alt wurde, bestritt eine starke Saison. Der Niederländer leistete sich wesentlich weniger Fehler, als von vielen Experten erwartet worden war und profilierte sich vor allem auf Anhieb als einer der stärksten Überholer im Feld.

Runde des Jahres: Als sich Sebastian Vettel in Singapur mit über sechs Zehntelsekunden Vorsprung die Poleposition holte, sprach selbst  Konkurrent Nico Rosberg von einer „Runde von einem anderem Planeten.“  Sogar Vergleiche mit der immer noch legendären Traumrunde von Ayrton Senna in Monaco 1988 kamen auf.

Comeback des Jahres:  Der Grand Prix von Mexiko kehrte nach 23 Jahren Pause in den Formel-1-Kalender zurück. Und er wurde gleich das Rennen mit der besten Stimmung des Jahres überhaupt. Volles Haus von Freitag an, temperamentvolle Latino-Fans, die richtig Party machten – solche Events braucht die Formel 1.

Versöhnung des Jahres: Im Frühherbst schien die Ehe nach vielen gegenseitigen Beschimpfungen schon endgültig geschieden, jetzt machen Red Bull und Renault wohl notgedrungen doch zusammen weiter. Auch wenn die offizielle Bekanntgabe noch aussteht – sie wird wohl in den nächsten Tagen kommen.

Gag des Jahres: Als sie in Brasilien wieder einmal beide schon im ersten Teil der Qualifikation ausgeschieden waren, statteten die McLaren-Piloten Fernando Alonso und Jenson Button auf dem Rückweg an die Box dem Siegerpodest noch einen kurzen Besuch ab. „Sonst kommen wir ja nie mehr auch nur in Podiumsnähe“, erklärten die mit dem McLaren-Honda hoffnungslos hinterherfahrenden früheren Weltmeister. 

Enttäuschung des Jahres: Renault bekam es wieder nicht auf die Reihe. Der Motor der Franzosen war noch schlechter als im letzten Jahr, statt Leistungssteigerung gab es eher Leistungsverlust. Weil auch noch Zuverlässigkeitsprobleme hinzukamen, waren die ständigen Klagen von Red Bull zumindest nicht ganz unverständlich.

Absteiger des Jahres bei den Teams: So weit hinten war McLaren noch nie. Der neue Honda-Motor stürzte das Traditionsteam in die größte Krise seiner Geschichte, es gab Leistungs- und Zuverlässigkeitsprobleme. Fernando Alonso brauchte in Brasilien den sage und schreibe zwölften Motor der Saison  - zum Vergleich:  Nico Rosberg kam im Mercedes mit drei über die Runden.

Absteiger des Jahres bei den Fahrern:  Auch wenn es hart klingt für einen WM-Vierten, aber Kimi Räikkönen sah gegen Sebastian Vettel schlecht aus. In einem Auto, dass ihm doch angeblich besser passt, war er genauso chancenlos gegen den Teamkollegen wie gegen Fernando Alonso im Jahr zuvor. Seine Vertragsverlängerung bei Ferrari bekam er wohl nur auf Wunsch seines Kumpels  Vettel und mangels echter Alternativen.

Panne des Jahres: Ein Mercedes-Rechenfehler kostete Lewis Hamilton in Monaco einen sicheren Sieg. Die Silberstrategen an der Boxenmauer hatten ausgerechnet, dass sich der Weltmeister unter dem Virtuellen Safetycar einen Sicherheits-Reifenwechsel leisten könnte – doch der Vorsprung war geringer als gedacht. Am Ende siegte Rosberg.

Theater des Jahres: Das Lotus-Team, das Geld und die Zukunft: Im Warten auf die Renault-Übernahme wollten die aktuellen Besitzer nichts mehr investieren und zahlten kaum noch Rechnungen. So gab es in Ungarn erst in letzter Minute Reifen, Beschlagnahmungen in Belgien, eine geschlossene Hospitality in Japan, blockiertes Material in Brasilien. Lotus wirft kein gutes Licht auf die gesamte Formel 1.

Foul des Jahres: Der Holländer Guido van der Garde ließ sich vor dem Saisonstart in Australien von Hintermännern für eine Klage gegen Sauber einspannen. Angeblich, um seinen Fahrervertrag und einen Start durchzusetzen – obwohl er gar keine Superlizenz mehr besaß. In Wirklichkeit ging es um den Versuch einer  feindlichen Übernahme des Sauber-Teams, das sich nur durch kurzfristig aufgetriebenen 15 Millionen retten konnte.

Absage des Jahres: Zum ersten Mal seit 1960 gab es in diesem Jahr kein Rennen in Deutschland. Die Ursachen lagen in einer Mischung zwischen jahrelanger falscher Politik, Inkompetenz und  Chaos am Nürburgring und fehlendem Geld plus mangelnder Nachgiebigkeit von  Bernie Ecclestone in Hockenheim. Nächstes Jahr soll der Grand Prix von Deutschland nach Hockenheim zurückkehren. 

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