Formel 1 : Sebastian Vettel: Provozierend fehlerfrei

Der Weltmeister scheint mit jedem Sieg selbstbewusster und nervenstärker zu werden. Sebastian Vettels Überlegenheit ist für seine Gegner so frustrierend, dass manche die Beherrschung verlieren.

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Nase zu und rein. Sebastian Vettel feiert seinen Sieg in Monaco im Pool.
Nase zu und rein. Sebastian Vettel feiert seinen Sieg in Monaco im Pool.Foto: dpa

Es ist nicht so, dass Sebastian Vettel gar keine Probleme hat. „Ich habe nichts zum Anziehen“, sagte der Formel-1-Weltmeister nach seinem Sieg in Monaco, der ihm eine Einladung zum Dinner mit dem Fürsten einbrachte. „Zur Not muss ich wohl einen Anzug ausleihen.“ Es ist davon auszugehen, dass der 23-Jährige auch diese Schwierigkeit so souverän gemeistert hat wie zuvor die 78 Runden auf der Strecke.

Bei seinem fünften Sieg im sechsten Saisonrennen bewies Vettel zum zweiten Mal in Folge, dass er dem Druck an der Spitze auch standhält, wenn es eng wird. In Barcelona hatte er den McLaren-Piloten Lewis Hamilton abblitzen lassen, am Sonntag umkreiste er die verwinkelte Achterbahn im Fürstentum mit seinen von 56 Runden abgefressenen Reifen fehlerlos. „Ich war bereit, um einen Angriff zu starten“, erklärte später der zweitplatzierte Ferrari-Fahrer Fernando Alonso. Allein: Die Chance dazu kam nie.

Im Gegenteil scheint Vettel mit jedem Sieg selbstbewusster und nervenstärker zu werden. In Monte Carlo überstimmte er sogar sein Team und entschied, nur ein- statt zweimal die Gummis zu wechseln. Und er behielt recht. Trotz ihrer viel frischeren Reifen bissen sich Alonso und der drittplatzierte McLaren-Pilot Jenson Button an Vettel die Zähne aus. „Wenn sie dich so sehr unter Druck setzen und du trotzdem als Erster über die Linie fährst, fühlt es sich noch besser an“, sagte der Heppenheimer.

Die verzweifelte Gegnerschaft hatte danach keine bessere Idee, als schon nach nicht einmal einem Saisondrittel die beliebte Finaltaktik herauszukramen und dem derzeit dominierenden Piloten die Hände zittrig zu reden. „Wir haben weniger zu verlieren als der Typ an der Spitze der Gesamtwertung“, sagte Button, und Alonso stimmte zu: „Er führt in der Gesamtwertung, also hat er mehr zu verlieren als ich.“ Vettel saß trotz seiner 58 WM-Punkte Vorsprung auf Hamilton ganz ruhig zwischen ihnen und erklärte, er werde auch weiterhin attackieren, statt auf Sicherheit zu fahren.

Die Verfolger mussten ein weiteres Mal die Souveränität der Paarung Vettel/Red Bull anerkennen. „Wir werden weiter versuchen, ihn zu schlagen“, sagte Alonso. „Für den Moment muss ich ihm aber volle zehn Punkte geben. Er fährt fantastisch.“ Und Button gab zu: „Im Moment bringt er es auf die Reihe. Ich wünschte, er würde schon an den Titel denken und Fehler machen, aber das tut er nicht.“

Diese Aufgabe übernahm Lewis Hamilton. Vettels erster Verfolger in Monaco verlor auch als Erster so richtig die Nerven. Bei dem verzweifelten Versuch, sich vom zehnten Startplatz irgendwie nach vorn zu arbeiten, rempelte sich Buttons Teamkollege Hamilton wie ein Autoscooterfahrer durchs Feld. Feindkontakte mit Schumacher, Massa und Maldonado zeichneten seinen Weg. Obwohl es fast ein kleines Wunder war, dass der Brite als Sechster überhaupt ins Ziel kam, verlor Hamilton danach die Beherrschung.

Die beiden Strafen durch die Rennkommissare bezeichnete er als „lächerlich“ und „verdammt schlechten Witz“ und rückte die Unparteiischen mit der Aussage „Vielleicht liegt es daran, dass ich schwarz bin“ auch noch in die Nähe von Rassisten. Für diese Worte musste sich Hamilton entschuldigen. Dann ging er in sich („So ein Wochenende stellt deinen Charakter auf den Prüfstand“) und analysierte seine WM-Chancen. „Es ist nie zu spät. Es sieht aber nicht besonders toll aus für mich.“ Schließlich verordnete er sich eine nette Ablenkung. „Ich gehe jetzt Jetski fahren oder irgendwas anderes machen, um mich aus weiterem Ärger herauszuhalten.“

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