Formel 1 : Sebastian Vettel: Zärtlich zum Reifen

Sebastian Vettel kann sich nach seinem Sieg in Südkorea bereits am kommenden Sonntag den vierten WM-Titel sichern. Wenngleich dieses Szenario unwahrscheinlich erscheint, ist dem Deutschen sein vierter Titel kaum noch zu nehmen.

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Im Überschwang. Sebastian Vettel kann sich derzeit selbst feiern. Foto: AFP
Im Überschwang. Sebastian Vettel kann sich derzeit selbst feiern. Foto: AFPFoto: AFP

Siebter Saisonsieg, vierter Sieg in Folge, dritter Sieg in Korea hintereinander und das Ergebnis dieser Erfolgsbilanz lautet: Sebastian Vettel führt nach seinem souveränen Triumph in Yeongam in der WM-Wertung mit 77 Punkten Vorsprung und kann damit schon am kommenden Wochenende in Japan seinen vierten Titel in Serie gewinnen: Wenn Vettel dann Erster wird, sein Verfolger Fernando Alonso nur maximal Neunter, hätte er es wieder geschafft.

In Korea wollte Vettel darüber aber noch nicht sprechen. „Denn eigentlich ist es ja nicht so wichtig, wann und wo es passiert, sondern nur, dass es passiert.“ Er konzentriere sich lieber auf die Gegenwart. „ Von außen mag es manchmal einfach aussehen, aber so ist es nicht. Wir sind oft näher am Limit als viele denken.“ Vettel lag vom Start weg in Führung und konnte einen kleinen Vorsprung herausfahren, der aber durch zwei kurz aufeinander folgenden Safety-Car-Phasen wieder zunichte gemacht wurde. Beim ersten Mal hatte sich Sergio Perez nach einem Bremsplatten an seinem McLaren einen kapitalen Reifenschaden eingefangen und dabei Teile über die Strecke verstreut, beim zweiten Mal hatte Adrian Sutil die Kontrolle über sein Auto verloren und war in Mark Webber gekracht, dessen Red Bull daraufhin wegen eines geborstenen Ölkühlers spektakulär Feuer fing.

Weil die Streckenposten sehr langsam reagierten, fuhr sogar ein Feuerwehrauto plötzlich auf die Strecke. Weil für die Piloten allerdings bereits die Safety-Car- Phase angezeigt war, hielt sich die Gefahr in Grenzen: „Sebastian war der erste, der da hinkam, zum Glück war es an einer übersichtlichen Stelle“, sagte sein Teamchef Christian Horner, „die Gerade ist ja ziemlich lang, dadurch gab es genügend Vorwarnzeit.“ So geriet der Weltmeister auch in dieser Situation nie in Gefahr, und nach dem Neustart konnte er die beiden Lotus-Renault-Piloten Kimi Räikkönen und Romain Grosjean sicher hinter sich halten. „Er ist ein sehr kontrolliertes und souveränes Rennen gefahren“, lobte Horner, „gerade hier, wo man schnell in Schwierigkeiten kommt, weil der rechte Vorderreifen immer sehr gefährdet ist, ist das sehr wichtig.“

Genau dieses Problem hatte sich Lewis Hamilton eingefangen: „Er ist zu aggressiv zu Werke gegangen, hat sich dabei den Reifen zu schnell zerstört“, kritisierte Mercedes-F1-Aufsichtsratschef Niki Lauda. So hätte eigentlich Nico Rosberg das Podium für Mercedes sichern sollen, doch dem machte eine gebrochene Frontflügelhalterung einen Strich durch die Rechnung.

So blieben den Mercedes-Piloten nur die Ränge fünf und sieben, während davor Nico Hülkenberg im Sauber das vielleicht bisher beste Rennen seiner Formel-1-Karriere fuhr. Nach der zweiten Safety-Car- Phase war er an Hamilton vorbei gegangen und verteidigte dann seinen vierten Platz bis ins Ziel – obwohl hinter ihm der Brite und auch Alonso im Ferrari ordentlich zusetzten. „Es war mit Sicherheit eines meiner besten Rennen, ein kleines Meisterstück“, sagte er. „Ich hatte schon oft Autos im Rückspiegel, aber heute hat Lewis mächtig Druck gemacht. Wenn meine Reifen am Ende nicht halten, war alles umsonst. Aber zum Glück hat es ja geklappt.“

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