Sport : Formel 1: Sicherheit ja, Änderungen nein

Karin Sturm

Der Tod eines Streckenpostens in Melbourne hat die Sicherheitsdebatte in der Formel 1 wieder entfacht. Während sich die Organisatoren beim zweiten WM-Lauf der Saison in Malaysia nicht zu besonderen Sofortmaßnahmen genötigt sehen (Motto: Wir haben vorher schon einiges getan und sowieso eine der sichersten und modernsten Strecken der Welt), kommt aus England eine provokante Stimme: "Der Weg, nach immer sichereren Autos und Bedingungen zu rufen, den der Weltverband Fia seit Jahren geht, ist vielleicht genau der falsche", sagt der McLaren-Geschäftsführer Martin Whitmarsh, zweiter Mann im Team hinter Ron Dennis. "Denn Formel-1-Piloten sind immer bereit, ein gewisses Maß an Risiko einzugehen. Je sicherer sie sich fühlen, desto mehr passen sie ihre Fahrweise diesem Gefühl an. Vielleicht wäre es manchmal besser, nicht ganz so stabile Autos zu haben."

Die alleinige Beobachtung der letzten Jahre könnte die Theorie durchaus stützen, auch wenn sie von den Fahrern entrüstet zurückgewiesen wird. Ralf Schumacher, in Melbourne an dem tödlichen Unfall beteiligt, möchte sich damit nicht beschäftigen, gibt aber zu: "Ein bisschen müssten einige Leute schon überlegen, was sie tun, und mit etwas mehr Vernunft fahren." Ohne dabei den Kanadier Jacques Villeneuve direkt anzugreifen, von dessen zerstörtem Auto ein Rad in Melbourne den Streckposten erschlagen hatte. "Das war ein Rennunfall, er hat sich etwas verschätzt, aber das kann jedem passieren. Wir machen alle Fehler", wiegelt Schumacher ab.

Für ihn war es nicht leicht, die Ereignisse von Melbourne hinter sich zu lassen: "Obwohl ich mir ja selbst keine Schuld an dem Unfall vorzuwerfen habe, berührt mich natürlich ein so tragisches Ereignis. Vor allem, weil ich auf direkte Weise damit konfrontiert wurde. Ich hatte ja schon an der Unfallstelle den Mann am Boden liegen sehen, mit dem Arzt gesprochen und da schon gehört, dass es wohl kaum Hoffnung gäbe." Für ihn besonders schlimm: "Im Anschluss an das Rennen, als ich bei der Polizei befragt wurde, habe ich die Tochter des getöteten Streckenpostens getroffen. Das war sehr hart. In dieser Situation fehlten mir einfach die richtigen Worte."

Die Schlussfolgerung von Ralf Schumacher: "Mir ist erst jetzt wirklich klar geworden, wie schnell der Tod eines Streckenpostens im vergangenen Jahr in Monza wieder vergessen war. Richtig nachgedacht wurde über ihre Sicherheit danach offensichtlich nicht. Ich hoffe nur, dass diesmal wirklich Konsequenzen gezogen werden." Direkte eigene Vorschläge möchte er jedoch nicht machen. "Ich bin kein Sicherheitsexperte, da müssen sich schon die Zuständigen bei der Fia ihre Gedanken machen", sagt er. Aber sein Williams-Technikchef Patrick Head habe ja einige Ideen geäußert: Ampelanlagen statt Flaggensignale - was die Fia ja auch 2002 einführen will - oder Schutzwände aus bruchsicherem Glas.

Von der ganzen Diskussion, jetzt wieder auf die Schnelle die Autos langsamer zu machen, hält Ralf Schumacher nichts: "Dieser Unfall hatte doch mit Geschwindigkeiten überhaupt nichts zu tun. Wenn sich zwei Autos so berühren, ist es völlig egal, ob man 10 oder 20 Stundenkilometer schneller oder langsamer ist." Fia-Präsident Max Mosley hatte bereits angekündigt: Wenn sich bei den kommenden Rennen die Tendenz bestätige, dass die Autos seit letztem Jahr durch die Reifenentwicklung um drei Sekunden pro Runde schneller wurden, müsse man schnell etwas verändern. "Wir sollten das abwarten, denn in Malaysia wird der Unterschied nicht so groß sein", gehört Weltmeister Michael Schumacher zu jenen Fahrern, die eine Hauruckaktion ablehnen.

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