Formel 1: Sieg in China : Nico Rosberg: Einsame Spitze

Nico Rosberg gewinnt auch das dritte Formel-1-Rennen der Saison und baut seine WM-Führung aus. Sebastian Vettel im Ferrari wird nach einem Startcrash noch Zweiter.

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Schöne Routine. Der Triumph in Schanghai war Nico Rosbergs sechster Formel-1-Sieg in Folge. Foto: dpa/Hong
Schöne Routine. Der Triumph in Schanghai war Nico Rosbergs sechster Formel-1-Sieg in Folge. Foto: dpa/HongFoto: dpa

Auch nach seinem sechsten Rennsieg in Folge übte sich Nico Rosberg wie gewohnt in Understatement. Nach seiner souveränen Siegfahrt beim Großen Preis von China lobte der Mercedes-Pilot vor allem seinen Wagen. „Das war so ziemlich das beste Auto, das ich je hatte“, jubelte er nach der Zieldurchfahrt per Funk, „die Balance war unglaublich.“ Und auch wenn der gebürtige Wiesbadener nun die ersten drei Rennen dieser Saison gewonnen hat und in der gesamten Geschichte der Formel 1 seit 1950 bis jetzt jeder Fahrer, dem dies gelang, am Ende auch Weltmeister wurde, blieb Rosberg demütig. „Ich weiß, dass Lewis nie aufgibt“, sagte er mit Verweis auf Weltmeister Lewis Hamilton, der nur Siebter wurde. „Deshalb bin ich zwar über meine momentane Position sehr glücklich, aber ich möchte auch noch nicht allzu viel hineinlesen.“

Ein paar markigere Worte hätte sich Rosberg nach seinem starken Rennen schon leisten können, das er mit mehr als 37 Sekunden Vorsprung auf den Zweitplatzierten Sebastian Vettel und den Dritten Daniil Kwjat beendete. Dadurch baute er seinen Vorsprung in der WM-Wertung auf seinen Teamkollegen Hamilton auf 36 Punkte aus.

Rosberg half es natürlich auch ein bisschen, dass der Weltmeister derzeit das Pech gepachtet zu haben scheint. Erst ereilte Hamilton in Schanghai ein Defekt im Qualifying, der ihn auf den letzten Startplatz verbannte. Dann wurde er am Start Opfer einer Kettenreaktion, die ihn unverschuldet den Frontflügel kostete. Und der verklemmte sich auch noch so unglücklich unter dem Auto, dass es einige Schäden am Unterboden gab. „Ich habe wieder, wie schon in Bahrain bei der Startkollision, eine Menge Abtrieb verloren. Das Auto fuhr sich danach wie ein Bett auf vier Pfosten“, sagte Hamilton.

Trotz der neuen Enttäuschung blieb der dreimalige Weltmeister zumindest nach außen hin ruhig und gelassen. „Es ist erstaunlich, was für eine persönliche Entwicklung Lewis gemacht hat, wie reif er geworden ist“, sagte Mercedes-Teamchef Toto Wolff. „Er weiß, dass seine Stimmung sich auch auf das Team überträgt und versucht deshalb wirklich, immer sehr positiv und ruhig zu bleiben.“

Ruhig und entspannt hatte diesmal nur Rosberg seinen Sieg nach Hause fahren können. „Du siehst ja überhaupt nicht müde aus, du kannst dann wohl heute die ganze Nacht nicht schlafen“, hatte Sebastian Vettel ihm noch vor der Siegerehrung zugeraunt. Das war ein kleiner Seitenhieb auf die Überlegenheit des Mercedes. Doch dann wandte sich der viermalige Weltmeister dem Russen Daniil Kwjat zu. Es ging um den Zwischenfall am Start, als Vettel dem auf der Kurveninnenseite attackierenden Kwjat ausweichen musste und dabei ausgerechnet mit seinem Ferrari-Teamkollegen Kimi Räikkönen kollidierte. Vettel beschwerte sich lautstark beim Russen und warf ihm vor, ihn in den Unfall gedrängt zu haben. Der junge Kwjat blieb cool und konterte trocken: „Ich kann auch nicht alle Autos sehen, ich hab nur zwei Augen.“ Überhaupt tat der Red-Bull-Pilot so, als könne er die Aufregung gar nicht verstehen: „Wir hatten doch keinen Unfall, wir sind beide auf dem Podium, was willst du?“ Der verärgerte Vettel versuchte noch einmal, seinen Standpunkt klarzumachen: „Ja, du hattest keinen Unfall. Wir anderen aber schon.“

Der Hauptgrund für den Ärger des Deutschen lag wohl weniger an Kwjats durchaus legitimem Überholmanöver als darin, dass es ihm ausgesprochen unangenehm war, bei seinem Ausweichmanöver nun ausgerechnet seinen Teamkollegen erwischt zu haben. Und das auch noch vor den Augen von Ferrari-Firmenchef Sergio Marchionne, der in Schanghai in der Box stand. Vettel entschuldigte sich sofort nach Renn-Ende bei seinem Team dafür, „aber ich konnte halt wirklich nichts machen“. Mit ein bisschen Abstand kam der viermalige Weltmeister dann aber auch zu der Erkenntnis, dass es wohl ein normaler Rennunfall gewesen war. „Ich war dann in der Mitte im Sandwich und konnte nichts mehr machen.“ Allerdings musste Vettel bei aller Aufregung auch zugeben: „Mehr als der zweite Platz wäre wohl auch ohne den Zwischenfall nicht möglich gewesen.“ Man sei noch nicht ganz an Mercedes dran. „So wie Nico heute von seinem Auto geschwärmt hat, wäre es wohl sehr schwierig geworden. Aber es wäre schon interessant, wenn wir mal ein Wochenende hätten, an dem alles klappt, so dass wir Mercedes wirklich unter Druck setzen könnten.“

Doch statt des Angriffs auf Mercedes muss sich Ferrari plötzlich selbst hartnäckiger Konkurrenz von hinten erwehren. In China zeigte Red Bull, dass das Team nach zwei Jahren der Krise deutlich näher an die Spitze herangekommen ist. Vor dem letzten Reifenwechsel hatte Kwjat sogar Vettel längere Zeit hinter sich halten können. „Da hatte ich ihn eigentlich unter Kontrolle“, sagte er. „Ich glaube, auf gleichen Reifen war unser Speed heute ziemlich gleich mit dem von Ferrari.“ Der zweite Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo hatte am Start sogar Rosberg die Spitzenposition abgejagt und ein paar Runden geführt. Durch einen Reifenschaden wurde der Australier dann aber bis auf Platz 18 zurückgeworfen. Bemerkenswerterweise wurde er am Ende immerhin noch Vierter. „Ich glaube, das war eines der besten Rennen meines Lebens“, sagte Ricciardo.

Die Aufholjagd deutete an, dass Motorenpartner Renault beim Motor, der zuletzt der große Schwachpunkt war, nun endlich spürbare Fortschritte gemacht hat. Beim kommenden Rennen in Kanada soll sogar noch eine verbesserte Variante eingesetzt werden. „Ich hätte wirklich nicht damit gerechnet, dass wir auf dieser Strecke mit der ein Kilometer langen Gerade so gut dabei sind“, sagte Red Bulls Teamchef Christian Horner. „Das gibt natürlich Hoffnung für die Zukunft.“

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