Formel 1 : Silverstone-Jubiläum geht in der Krise etwas unter

Die britische Stadt Silverstone ist der Geburtsort der Formel 1 – doch die Feier zum 50. Rennen geht in der Krise etwas unter. Die Autos sind extrem leise geworden – zu leise, um noch das prickelnde Gesamterlebnis zu biete n.

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Schnellster. Mercedes-Pilot Nico Rosberg sicherte sich den ersten Startplatz vor Weltmeister Sebastian Vettel (Red Bull) und Jenson Button (McLaren). Rosbergs Stallrivale Lewis Hamilton wurde Sechster.
Schnellster. Mercedes-Pilot Nico Rosberg sicherte sich den ersten Startplatz vor Weltmeister Sebastian Vettel (Red Bull) und...Foto: AFP

Der Name Silverstone steht für vieles. Für den Geburtsort der Formel 1, für beste britische Motorsporttradition, über viele Jahre auch für verstopfte Zufahrtsstraßen, ab und zu durch englischen Regen in Schlammwüsten verwandelte Park- und Campingplätze – vor allem aber steht Silverstone für einen der ganz wenigen verbliebenen Klassiker im Formel-1-Kalender. In diesem Jahr trommeln die Veranstalter besonders laut. Denn Silverstone feiert seinen 50. Grand Prix (Sonntag 14 Uhr/RTL und Sky). Die traditionelle Motorsportbegeisterung auf der Insel schlägt wohl immer noch die nicht mehr zu leugnende Krise der Formel 1. Auch wenn sich einige Krisensymptome selbst hier feststellen lassen.

Doch um das mit dem Jubiläum richtig hinzukriegen, muss man zwei Rennen mitzählen, die 1948 und ’49 auch bereits unter dem Markenzeichen „Britischer Grand Prix“ liefen – noch vor dem Beginn der Formel-1-WM-Geschichte. Die begann dann allerdings tatsächlich 1950 in Silverstone, mit dem ersten Rennen der Formel-1-Weltmeisterschaft überhaupt. Der erste Sieger kam aus Italien und hieß Giuseppe Farina. Er wurde dann auch der erste Weltmeister.

Problem der Formel 1: Leise Autos

Der heutige Kurs von Silverstone ist der Flugplatzpiste aus der Anfangszeit, die zu den schnellsten Strecken im Kalender gehörte, zwar in den Grundzügen noch ähnlich. Über die Jahre wurde sie aber immer mehr umgebaut. Von den Fahrern wegen ihrer Schwierigkeit geliebte und gleichzeitig auch gefürchtete Kurvenkombinationen wie Becketts kamen hinzu und wurden zum Klassiker. Aber auch vor Verschlimmbesserungen blieb das Heiligtum nicht ganz verschont. Weil Boxenbereich und Fahrerlager nicht mehr den Ansprüchen von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone entsprachen, wurde 2011 an einem anderen Teil der Strecke ein neues Boxengebäude errichtet. Ergebnis: Die Boxengasse liegt jetzt so tief, dass sie von einigen Bereichen der Haupttribüne aus nicht mehr eingesehen werden kann. Die so wichtigen Boxenstopps finden also mehr oder weniger im Verborgenen statt.

Ein Problem der heutigen Formel 1 wird in diesem Jahr allen Zuschauern bewusst werden. Hier, auf diesem flachen, offenen Flugplatzkurs: Die Autos sind extrem leise geworden – zu leise, um noch das prickelnde Gesamterlebnis zu bieten. In Silverstone, wo sich nirgendwo auch nur ein bisschen Lärm fangen kann, fiel das den Fans besonders auf. Als die Autos am Freitag zum ersten Mal an den Tribünen vorbei flüsterten, gab es von den Zuschauern auf den Rängen vor allem höhnisches Gelächter. Dass dabei an diesem Wochenende in einer Grand-Prix-Parade zur Feier des 50-jährigen Jubiläums Grand-Prix-Legenden von einst auftreten, lässt die moderne Formel 1 nicht besser dastehen. Von Jackie Stewart, Alain Prost und Nigel Mansell bis zu Emerson Fittipaldi haben sie sich in ihren historischen Rennwagen angekündigt. Die Fans haben dann den direkten Hörvergleich.

"Heimat des britischen Motorsports"

Immerhin – einen Anspruch hat Silverstone nicht verloren: Sie ist die „Heimat des britischen Motorsports“. So steht es auf jeder Eintrittskarte. Man könnte auch sagen, die Heimat der Formel 1. Denn direkt an der Strecke ist das Force India-Team zu Hause, Mercedes sitzt mit seinem Werk im gut 15 Kilometer entfernten Brackley, Red Bull knappe 30 Kilometer entfernt in Milton Keynes, auch Williams und McLaren passen noch in einen 75-Kilometer-Radius. Von unzähligen Team- Quartieren der unteren Kategorien GP2, GP3 und Formel 3 ganz zu schweigen.

„Die Zukunft des Motorsports“, wie sie sich selbst sieht, hat sich allerdings etwa 100 Kilometer nördlich angesiedelt. In Donington, wo gerade die ersten Testfahrten zur neuen Formel E stattfanden, einer neuen Rennserie mit reinen Elektroautos und eintägigen Kompaktveranstaltungen in den Innenstädten von Metropolen. Premiere ist am 13. September in Peking, Berlin steht am 30. Mai 2015 auf dem Programm.



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