Sport : Formel 1: Spiel ohne Frentzen

Frank Bachner

Heinz-Harald Frentzen hat in dieser Woche in einer Zeitschriften-Kolumne einen schönen Satz schreiben lassen: "Nach Abschluss des Freitags-Trainings werden wir für das samstägliche Abschlusstraining die Rennabstimmung des Motors nochmals optimieren." Das Einzige, was der Formel-1-Pilot Frentzen im Moment optimiert, ist die Abstimmung mit seinen Rechtsanwälten. Die braucht der 34-Jährige seit gestern. Denn Frentzens Team Jordan hat dem Fahrer aus Mönchengladbach fristlos gekündigt. Noch vor vier Wochen haben Frentzen und Jordan erklärt, sie wollten auch 2002 zusammenarbeiten. Auf dem Hockenheimring, beim Großen Preis von Deutschland, wird am Sonntag der Brasilianer Ricardo Zonta, bislang Testfahrer bei Jordan, um WM-Punkte fahren.

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TED: War der Rauswurf von Frentzen überfällig?
Online-Gaming: meinberlin.de sucht den Formel-1-Champion! Frentzen teilte in sieben Zeilen Folgendes mit: "Den mir für diese Kündigung angeführten Gründen widerspreche ich energisch und lehne sie in ihrer Gesamtheit ab. Mit der Wahrung meiner Interessen habe ich meine Rechtsanwälte beauftragt." Offiziell werden die Gründe für die Kündigung verschwiegen. Teamchef Eddie Jordan: "Es war eine sehr enttäuschende Saison für beide Seiten. Wir hatten einen Meinungsaustausch nach dem Grand Prix in Silverstone, und das ist das Resultat." Es gibt noch andere Resultate. Läppische sechs WM-Punkte in elf Saisonrennen, reihenweise Ausfälle, Startverzicht beim Grand Prix in Kanada nach einem schweren Unfall im Freien Training - das ist die triste Saisonbilanz des Heinz-Harald Frentzen, der in 124 Grand-Prix-Rennen zu drei Siegen kam. Im Trainingsduell mit seinem Teamkollegen Jarno Trulli liegt Frentzen 1:9 zurück.

Frentzen hatte seine eigene Vermutung, warum er stehen bleibt, hinterherfährt oder ausscheidet: Er fühlte sich bei Jordan gegenüber Trulli benachteiligt. Das sagte er etwas verklausuliert, aber durchaus noch verständlich. In welcher Form er benachteiligt wird, war allerdings schwer zu ergründen. Auf jeden Fall liefen ein paar Sachen schief, und er konnte sie sich nicht erklären. "Ich trete dem Team auf die Zehen", sagte er noch beim Großen Preis von Spanien. Sein Vater hat inzwischen seine eigene Verschwörungstheorie entwickelt. "Es ist doch nicht normal, dass das Auto immer stehen bleibt, und bei Tests funktioniert immer alles wunderbar. Da drückt wohl jemand die Knöpfe", sagt Vater Frentzen gegenüber dem "Sportinformationsdienst". Hat Jordan Frentzen wirklich benachteiligt? Das vermutete BMW-Pilot Ralf Schumacher bei einer BMW-Veranstaltung in München: "Eddie ist ein lieber, netter Kerl, solange man mit ihm nicht zusammenarbeiten muss. Frentzen kann sich daher strecken, wie er will, er kriegt keine Unterstützung." Schumacher war mal zwei Jahre bei Jordan.

Mit Toyota jedenfalls scheint Frentzens Kündigung nichts zu tun zu haben. Die Japaner steigen in der nächsten Saison in die Formel 1 ein, und Frentzen hatte die Japaner als Alternativteam im Auge. Hat sich Eddie Jordan etwa gerächt für dieses Interesse? Kaum. Zumal die Japaner heftig bestreiten, dass sie Frentzen wollen. Sie haben Allan McNish und Mika Salo als Fahrer.

Schön blöd, signalisiert Ralf Schumacher. "Wenn die schlau sind, holen die Heinz-Harald, denn er ist der beste Fahrer, der auf dem Markt ist." Zumindest ist er im Moment der frustrierteste.

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