Formel-1-Stardesigner : Adrian Newey: Autos sind sein Leben

Adrian Newey ist der Stardesigner der Formel 1 – sein Wagen könnte auch Sebastian Vettel den Weltmeistertitel bringen.

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Berlin - Michael Schumacher hat in letzter Zeit eine ganze Menge Häme einstecken müssen. Als einen weiteren süffisanten Kommentar zum Comeback des Formel-1-Rekordweltmeisters könnte man auch die Worte Christian Horners verstehen. „Wenn ich die Wahl zwischen Michael Schumacher und Adrian Newey hätte“, erklärte der Teamchef von Red Bull, „würde ich mich immer für Adrian entscheiden.“ Schumacher muss sich jedoch nicht angegriffen fühlen – wie Horner würden sich wohl fast alle Teamchefs der Formel 1 entscheiden. Denn Adrian Newey, dieser unscheinbare Mann mit der leisen Stimme, der mit der Badekappenfrisur und den großflächig karierten Holzfällerhemden eher an einen Buchhalter erinnert, ist einer der größten Stars der Formel 1. Wer den Engländer in seinem Team hat, fährt meist um die Weltmeisterschaft.

Adrian Newey entwirft Autos. Seit 30 Jahren beschäftigt er sich mit nichts anderem und weiß: „Ein mittelmäßiger Pilot kann in einem guten Auto Weltmeister werden – ein guter Pilot in einem mittelmäßigen Auto aber nicht.“ Derzeit profitiert Sebastian Vettel vom Werk des genialen Designers; sein Red Bull ist derzeit das schnellste Auto im Feld. Vettel liegt in der WM-Wertung zwar noch zwei Zähler hinter dem Spitzenreiter Felipe Massa im Ferrari zurück. Doch nach seiner Spazierfahrt zum Sieg in Malaysia gehen nicht wenige davon aus, dass der Deutsche am Sonntag beim Großen Preis von China die Führung übernehmen wird.

In der High-Tech-Welt der Formel 1, in der ein Update das nächste jagd, wirkt der kauzige Newey wie ein Dinosaurier, der sich in einen Science-Fiction-Film verirrt hat. Der 51-Jährige arbeitet noch immer per Stift und Zeichenbrett, weil er seine Visionen auf einem Computerbildschirm eingeschränkt sieht. „Das ist vor allem Gewohnheit“, sagt er. „Ich bin in den Motorsport einige Jahre gekommen, bevor es Computer gab. Ich kann am Computer einfach keine Autos zeichnen.“

In die Formel 1 kam Newey direkt nach seinem Universitätsabschluss zum Luftfahrt-Ingenieur. „Einige Freunde von der Uni sind in die Luftfahrt gegangen“, erzählt Newey. „Jetzt entwickeln sie Teile, die erst in zehn Jahren oder später eingesetzt werden. Ich kann die Spannung darin nicht sehen.“ Am Motorsport fasziniere ihn, dass man die Ergebnisse alle zwei Wochen präsentiert bekomme. „Wo sonst sieht man die Faszination des Kampfes Mensch und Maschine besser als im Wettbewerb?“ Erste Erfolge in diesem Wettbewerb feierte er mit March; später bei Williams und McLaren kreierte er die Wagen, in denen unter anderem Alain Prost und Mika Häkkinen Weltmeister wurden. Auch privat lassen Newey die vierrädrigen Gefährten nicht los. Er sammelt Oldtimer, denen er sogar Namen gibt, „eine Familientradition“, sagt er schüchtern lächelnd.

Seit vier Jahren zeichnet der Engländer nun Autos für Red Bull und hat das Team in dieser Zeit von einem Mitfahrer zum WM-Favoriten gemacht. Als Neweys größte Stärke gilt es, den Restriktionen des Reglements mit ungewöhnlichen Ansätzen und großem Wagemut zu begegnen. „Man muss die Regeln studieren und schauen, welche Möglichkeiten sie eröffnen und welche Gebiete man dadurch erkunden kann“, sagt Newey. Er ist ein Meister darin, die Grenzen auszuloten und bisweilen auch zu überschreiten. So kostete die riskante Konstruktion und die damit einhergehende Fehleranfälligkeit des Red Bull Vettel im vergangenen Jahr den Titel. Newey gibt zu: „Die große Herausforderung ist immer, das Auto zuverlässig zu machen.“

In dieser Saison scheint er das in den Griff bekommen zu haben. Nach Problemen in den ersten beiden Saisonrennen – eine defekte Zündkerze und eine falsch aufgesetzte Radmutter kosteten Vettel zwei sichere Siege – surrte der RB6 beim Rennen in Malaysia fehlerlos und dabei so dominant über den Asphalt, dass er von der Konkurrenz argwöhnisch beäugt wurde. Doch die Vorwürfe, der Wagen verfüge über ein regelwidriges System zum Verstellen der Bodenfreiheit, erwiesen sich als haltlos.

So geht Red Bull auch in China als Favorit ins Rennen, während Michael Schumacher im Mercedes wohl noch immer keine Siegchance hat. Newey hätte prinzipiell nichts dagegen, das in Zukunft zu ändern: „Michael und ich sind ja alte Rivalen. Ich würde auch gern mal mit ihm zusammenarbeiten.“ Zunächst einmal aber kann er mit ihm gleichziehen: Wenn Vettel Champion wird, wäre es der siebte Fahrertitel, der in einem Auto von Adrian Newey errungen wird.

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