Formel 1 : Türkisch-brasilianischer Staatsakt

Ferrari-Pilot Felipe Massa rast mit seinem dritten Sieg in Istanbul zurück ins Rennen um die Formel-1-WM. Lewis Hamilton kommt im McLaren-Mercedes immerhin auf Rang zwei.

Karin Sturm[Istanbul]
Formel 1
Vorfahrt Rot. Felipe Massa siegt in Istanbul vor Lewis Hamilton. -Fotot: dpa

Diesmal wurde noch die brasilianische Nationalhymne gespielt, aber vielleicht ändert sich das ja bald. Felipe Massa jedenfalls wollte das am Sonntag nicht ausschließen. „Vielleicht sollte ich jetzt mal einen türkischen Pass beantragen“, sagte der Ferrari-Pilot lachend, nachdem er den Großen Formel-1-Preis in Istanbul gewonnen hatte. Tatsächlich bewies der Brasilianer bei seinem dritten Erfolg in der Türkei in Folge so viel Ortskenntnis, dass die Platzierten Lewis Hamilton im McLaren und Kimi Räikkönen im anderen Ferrari keine realistische Siegchance hatten.

Massa brachte sich mit seinem erfolgreichen Ausflug in seine Lieblingsdestination zurück ins WM-Rennen. Nach zwei punktelosen Rennen zum Saisonauftakt wurde schon über seine Ablösung diskutiert. Massa gab auf der Strecke die Antwort, siegte in Bahrain, wurde Zweiter in Barcelona und gewann nun in Istanbul. So bewahrte sich der 27-Jährige vorerst vor dem Schicksal, den Wasserträger für Weltmeister Räikkönen spielen zu müssen. „Wir lassen beide frei fahren“, bestätigte auch Teamchef Stefano Domenicali.

Massa liegt nun gleichauf mit Hamilton nur noch sieben Punkte hinter dem WM- Spitzenreiter Räikkönen, doch dass der Titel nur unter den Ferrari-Piloten ausgemacht wird, glaubt Domenicali trotz vier Siege der Italiener in fünf Rennen nicht. „Wir dominieren nicht, die Situation ist sehr knapp. Das Rennen hier hat gezeigt, dass unsere Gegner sehr, sehr nahe sind.“

Tatsächlich kam McLaren-Mercedes Ferrari in der Türkei näher als erwartet. Die Silbernen hätten sogar durchaus Siegchancen gehabt, diese aber wegen Reifenproblemen verloren. So musste Lewis Hamilton schon im Qualifying auf eine Drei-Stopp-Strategie umstellen. Es gelang ihm aber nicht, sein leichteres Auto auf die Poleposition zu stellen. „Dann wäre vielleicht sogar der Sieg möglich gewesen“, sagte der Brite. So war es schon sensationell, dass Hamilton überhaupt auf Platz zwei fahren konnte – schließlich hatten die McLaren-Strategen als theoretisch bestmögliches Ergebnis Platz fünf errechnet. „Ich glaube, das war mein bestes Rennen überhaupt“, sagte Hamilton, und auch Teamchef Ron Dennis war begeistert: „Lewis hat gepusht und ist sehr diszipliniert gefahren.“

Heikki Kovalainen, der am Samstag den anderen McLaren überraschend in die erste Startreihe gestellt hatte, verlor das Rennen auf den ersten Metern. Ausgerechnet sein finnischer Landsmann Räikkönen erwischte mit seinem Frontflügel den Hinterreifen des McLaren: „Dadurch hatte ich hinten links einen schleichenden Plattfuß. Damit war das Rennen für mich gelaufen.“ Kovalainen wurde schließlich Zwölfter.

BMW-Sauber konnte dagegen diesmal nicht ganz mithalten und rutschte sogar wieder hinter McLaren auf Rang drei der Geschwindigkeitscharts ab. Robert Kubica und Nick Heidfeld kamen abgeschlagen auf den Plätzen vier und fünf ins Ziel, Teamchef Mario Theissen sah aber keinen Grund zur Beunruhigung. „Sicher, McLaren war hier schneller, aber das sehe ich noch nicht als allgemeinen Trend. Warten wir mal die nächsten Rennen ab.“

Nick Heidfeld litt vor allem unter den Konsequenzen eines Fehlers im Qualifying. So musste er von Startplatz neun Schadensbegrenzung betreiben. Am Start überholte er immerhin Toyota-Pilot Jarno Trulli und den angeschlagenen Kovalainen, zwei weitere Plätze machte er später beim Boxenstopp gegen Fernando Alonso und Mark Webber gut. „Das ist noch ein versöhnliches Ergebnis“, sagte Heidfeld, wenngleich er ein weiteres Mal gegen seinen polnischen Teamkollegen das Nachsehen hatte.

Auch für die anderen Deutschen deutete sich nach dem Debakel von Barcelona ein leichter Aufwärtstrend an. Nico Rosberg konnte sich als Achter noch über den letzten Punkt freuen. „Ich habe alles gegeben“, sagte der Williams-Pilot, „mehr ist im Moment für uns einfach nicht drin.“ Toyota-Fahrer Timo Glock blieb mit seiner Ein-Stopp-Strategie im Verkehr hängen und wurde so nur 13., „obwohl ich viel schneller hätte sein können“. Adrian Sutil und Sebastian Vettel, die Ausfallkönige der ersten Rennen und Streithähne von Barcelona, sahen diesmal als 16. und 17. zumindest die Zielflagge, nachdem sie sich allerdings in der ersten Runde schon wieder berührt hatten und beide einen zusätzlichen Boxenstopp einlegen mussten. Zumindest für Vettels Toro-Rosso-Teamkollegen Sebastien Bourdais, der bei der Aktion einen Logenplatz hatte, war die Schuldfrage wieder eindeutig: „Sutil ist in eine Lücke reingestochen, die es nicht gab.“

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